14.6.08
rust and flowers

















ein grosser karton auf einem kasten in der abstellkammer. letztens wollte ich ihn noch wegwerfen. ich dachte, es wären alles dinge, die ich nie mehr brauchen könnte. dinge aus der vergangenheit, viele über 10 jahre in meinem besitz, kleine dinge, sehr viele kleine dinge. am besten, dachte ich bei mir, ist es, wenn ich ihn nie mehr öffne und gleich so wie er ist, wegwerfe. aber irgendetwas bewog mich, den karton erneut zu öffnen. das gefühl war eigenartig. so als würde ich mich selbst vor 10 jahren sehen - jemand, der jeden samstag früh am morgen auf flohmärkte ging, um sonderbares zu entdecken. jemand, der kleine dinge und geschichten sammelte. jemand, dessen sensibilität auch zu gesundheitlichen problemen geführt hat. die dunklen wolken aus der vergangenheit waren jedoch nicht mehr da, sie sind längst verflogen. ich denke, genau davor hatte ich angst gehabt, vor den dunklen wolken, der schattenseite von mir (die es sicher noch gibt, aber sie ist etwas, das ich in den griff bekommen habe).
jemand, der winzige dinge sammelt und ihnen geschichten zu entlocken weiss, der ist wohl in dieser welt ein fremdkörper. zu fragil, zu scheu, zu menschenscheu vor allem. und trotzdem muss es solche leute geben. nur sollten gerade sie die innere stärke entwickeln, um aus sich herauszugehen, gerade sie brauchen den kontakt zu anderen menschen, um zu überleben.
ich möchte die bitterkeit ein für alle mal überwinden. sie passt nicht mehr zu mir, genausowenig wie meine damalige introvertiertheit und depression. schon lange nicht mehr. aber darum alles wegwerfen?

ich habe mich entschlossen, alles zu behalten, was ich damals auf den flohmärkten und in dunklen ecken und leerstehenden alten gemäuern gefunden habe. damals habe ich mit den dingen kreativ gearbeitet, ich habe fotocollagen daraus gemacht. oft auch doppelbelichtungen, die recht kompliziert waren, und ich kann mich erinnern, wie stolz ich immer war, als wirklich etwas interessantes zu sehen war - es gab noch keine digitalfotografie, man wusste also nicht wirklich, was dabei herauskommen würde. manchmal gab es filme, von denen nur zwei oder drei bilder wirklich gut waren (von 36 fotos...). aber ich bin kein profi - ich war schon dankbar, dass überhaupt irgendetwas dabei war.

die bilder oben sind neu. mit einer digitalkamera gemacht worden, gleich nachdem ich mich dazu entschlossen habe, die schachtel mit den fundstücken zu behalten. die alten bilder sind besser. ich denke, ich sollte meine alten fotoalben wieder mal anschauen.:-)

jedenfalls liebe ich noch immer flohmärkte, geheimnisvolle dinge auf dachböden und in kellern, korrosion, rost und grünspan. und ich liebe geschichten über alles. es müssen keine geschichten sein, die anfang oder ende haben. ich mag vignetten viel lieber. sie wirken lebendiger auf mich. wie ausschnitte aus einem leben, das immer wieder neue vignetten produziert und nicht abgeschlossen ist. ich bin wohl der einzige mensch auf der welt, der eine geschichte mit anfang und ende als zutiefst frustrierend empfindet.:-)

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