9.5.09

sag mir wohin die träume geh'n...gespräch mit einer puppe








glaubst du noch dran?
woran?
tu doch nicht so. ich hab dich beobachtet. dein gesicht in den letzten wochen.
jetzt machst du mir langsam angst. du beobachtest wochenlang mein gesicht, soso.
nicht ununterbrochen. natürlich nicht, ich hab noch andere dinge zu tun als dich zu beobachten.
gut für dich. na und was hast du da gesehen, in meinem gesicht?
es war sonderbar. sieht man recht selten. zuerst war da immer nur dein gesicht, eben du. dann kam immer wieder etwas aus deinen augen raus, das legte sich über dein gesicht.
wie ein nebel.

und der kam aus meinen augen.
ja, als wär der schon ewig in dir drin gewesen. als hätte er gewartet, dass er..

...raus kann?

genau, ja. ich mag dein gesicht, es ist mir vertraut. aber in diesen momenten hatte ich angst.
angst vor mir?
nein wirklich nicht. angst um dich.
du kamst dann wieder zum vorschein, nur war dein gesicht da verzerrt, als hättest du unheimliche schmerzen.

seltsam...irgendwas war da, nur kann ich mich nicht gut erinnern.
sag bloss, das weisst du nicht mehr? du siehst dann so aus, als würdest du von innen heraus aufgefressen.

sag mir wohin die träume gehen.
sie verirren sich im nebel und finden nicht mehr zurück zu dir.

glaubst du, dass man was dagegen unternehmen kann?
du scheinst dich mit träumen ja besser auszukennen als ich.


oh ja, sagt sie und beginnt zu lachen. mit scharfen kleinen reisszähnen bleckt sie mich an. in ihren augen funkelt etwas, wie ein diamant, kalt und klar, scharfkantig und schneidend.

ich beschütze euch mylady
und ihr gewährt mir weiterhin obdach in eurem schloss
so wie wir es abgemacht haben vor langer zeit.