31.7.09
eisfeuer



der raum ist verlassen. hier war schon lange keiner mehr. der boden ist staubig, über die sessel und tische sind weisse laken gebreitet. die fenster sind beschlagen vom strassenstaub. niemand macht sich noch die mühe, sie zu putzen. es ist keiner mehr da. keiner, der den raum betritt, keiner, der von seinen erlebnissen in der dunklen stadt berichtet. keiner, der hier seine gedichte aufschreibt, bei kerzenlicht, um seine tiefsten gefühle der nacht anzuvertrauen. keine paare, die sich im tanz im silbernen mondlicht drehen. das leise lachen gestorben. das wispern verstummt. das glitzern. gestorben.. alles bedeckt vom staub, der wie ein totenlaken alles bedeckt.

die puppe kriecht mühsam über den boden. ihr gewand hängt in fetzen an ihr herunter. gesicht und hände sind dreckverkrustet. und dennoch ist sie sehr schön. ihre augen haben einen kristallenen glanz, ihre feinen gesichtszüge kann nichts entstellen. nicht einmal jahrelange einsamkeit. mühsam bewegt sie sich über den boden vorwärts. langsam. in zeitlupentempo kriecht das geschöpf, das einmal eine königin war, durch den staub. an der bar angekommen, zieht sie sich langsam an einem weissverhängten barhocker hoch. ganz langsam, in zeitlupentempo. bewegt sich die puppe. beginnt das eisblaue neonfeuer wieder zu strahlen.

vornübergebeugt sitzt sie da, dreht den kopf, betrachtet den raum. ihr blick fällt auf die schrift hinter der bar, die vorhin noch erloschen war. neonblaues eisfeuer, das sich in die augen brennt. das zeichen auf der netzhaut hinterlässt. codes, eingebettet in eisblaues licht.
so sitzt sie und betrachtet die schrift an der wand und langsam und still beginnt die geschichte wieder von neuem. das licht nährt und erhält sie, sie nährt und erhält das licht.
als das zeichen an der wand leuchtet wie nie zuvor, ist sie zufrieden. langsam sinkt ihr kopf nach vorne, bis ihre stirn auf dem verspiegelten kühlen tresen ruht. ihre augen schliessen sich. sie kann das blaue licht jedoch noch immer sehen, bis in ihre träume hinein. die paare tanzen im mondlicht, leises lachen ist zu hören, alte geschichten finden wieder ihren weg durch die tür, dringen aus allen gassen und wegen der dunklen stadt hier hinein in diese seltsame bar, über der ein blauer stern steht, um ihnen den weg zu weisen.

der barkeeper dreht sich zu ihr um und betrachtet sie mit einem leisen lächeln. seine augen treffen ihre. wie gern würde ich mit euch tanzen, mylady, denkt er. sie kann seine gedanken hören und lächelt. im traum.

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