5.10.10
in dark city gehen wieder die lichter an
die neuigkeit des tages: boon dock rod ist wieder zurück! ich hab keine ahnung, wo sich dieser mann in der langen zeit herumgetrieben hat und ob er überhaupt im netz war, gefunden hab ich ihn jedenfalls nicht (und ich find so ziemlich jeden, wenn ich mir mühe gebe). es war wieder mal einigermassen sonderbar. gestern nacht war ich noch auf myspace und musste an ihn denken.
dort hatte er seine homebase, er hatte ein literaturblog, das sehr beliebt war. einige von euch haben sicher gecheckt, wie sehr ich diesen kerl mag. nicht nur seine gedichte, sondern alles an ihm, vor allem seine ausstrahlung. er hat sich jedenfalls mal auf myspace gelöscht. davor waren einige dinge in seinem leben passiert, die man wohl so gut wie überhaupt nicht verkraften kann. wir, also seine freunde, hatten einfach nur angst, dass er sich umbringt. er war einfach fort. ein grosser kerl wie er. ich muss gerade an den steinbeisser von phantasia denken. seht euch diese grossen hände an, sind es nicht grosse starke hände? das nichts hat sie mir einfach aus den händen gerissen und ich konnte nichts tun. dabei hab ich immer geheult. und damals, als rod so gelitten hat, war es genauso gewesen, exakt genauso. ihm sind menschen einfach nur entrissen worden. menschen, die für ihn der lebensinhalt waren. und ich bin hier in österreich gesessen und hab mitgelitten. dann wollte ich einen flug nach amerika buchen, aber rod war auf einmal weg. ich hatte angst um ihn. dachte an nichts anderes mehr. ich hab gehofft und gebetet, aber es war einfach nichts mehr da, woran ich mich festklammern konnte. rod war fort und es war ein riesengrosses schwarzes loch entstanden, das mir angst machte. den anderen ging's, glaub ich, genau gleich. wir waren so ratlos wie überhaupt noch nie.

auf myspace waren wir einige, sowas wie outsider, leute, die für eine gute geschichte alles tun. rod, john, multiplex, moi...big rod, der mann, der wie ein turm ist, ein grosser biker mit dem fragilen herz eines poeten, multiplex, das kind von hippies, das nie ein echtes zuhause hatte und immer rumgezogen ist und heute post rock mukke macht, john, der postapokalyptische airship pilot, und ich, das düstere ex spooky kid, das nie erwachsen werden wollte und es wohl auch geschafft hat. wir sind leute, die innen drin noch kinder sind, und ich dachte immer, unsere geschichte würde einfach nie aufhören, weil es sowieso für uns kein ende gibt. weil das ende auf uns vergessen hat. ich sass auf myspace rum, rannte wieder mal in dark city rum, so heisst das gebilde, das ich für mich baue, damit ich mich zuhause fühlen kann...dark city ist der ort, wo auch rod so gern war. ein gebilde aus geschichten und gefühlen. er kam oft vorbei, um in der dunklen stadt zu träumen oder einfach nur allein zu sein, durch die nächtlichen strassen zu streifen, immer auf der suche nach einem wunder, genau so wie ich. als rod weg war, war auf einmal ein eiskalter wind in den strassen. der wind ging bis ans herz. und ich hatte angst, dass mein herz erfrieren würde. es gibt einige andere, die ich sehr sehr mag, leute wie der mitlesefisch, oder die herzkönigin, oder der engelhafte mikael, aber in diesem augenblick konnte ich nicht mal an sie denken. wenn einer von ihnen einfach so fort wäre, würde es mir genau so gehen. ein riesengrosses schwarzes loch und das innerliche erfrieren. es gibt eben einige leute, die ein teil von mir sind, und wenn dieser teil amputiert wird, ist man ein krüppel.

heute nacht gehen in dark city wieder die lichter an. nicht allzuviele, denn dark city ist eine stadt, in der nicht allzuviele menschen leben. aber ich kann die lichter sehen. in manchen fensternischen steht eine weisse kirchenkerze. und in der einen bar, in dieser bar mit der neondunklen beleuchtung, gibt's heute freigetränke. und vielleicht glaubt wieder der eine oder der andere an wunder. und daran, dass das nichts, das wir alle so sehr hassen, jemanden ausgespien hat, den es nicht schlucken konnte. einen grossen kerl, der aussieht wie ein bär, einen der fragilsten menschen der welt. klar, das nichts kann mit freiheitskämpfern wie rod nichts anfangen. ich hätte wissen müssen, dass er irgendwann zurück kommt, aber die hoffnung war so schwach und irgendwann ging das letzte licht aus, wie die letzte kerze, die man noch aufbewahrt hat und die man immer sorgsam gehütet hat, um sie eines nachts auf die fensterbank zu stellen. wo sie vom grauenhaft kalten nachtwind ausgeblasen wird. man sitzt dann da, in absolut dichter, kompakter dunkelheit und kann es nicht fassen, dass dunkelheit sowas schreckliches sein kann.

gestern nacht war ich auf myspace und suchte wie ein welpe nach spuren. ich konnte es selbst nicht mehr verstehen, und der ausdruck welpe stimmt wirklich. so'ne art treue, und die geht wohl auch über den tod hinaus. ich dachte daran, dass rod wohl tot wäre, und hoffnung hatte ich keine mehr, ihn jemals in diesem leben wieder zu treffen, aber ich war wieder dort, wo er früher gern war und suchte nach spuren. fand keine. ging schlafen, mit diesem schmerz innen drin, für den es keine erklärung und schon gar keine heilung geben kann, und heute, als ich vom büro heimkam, fand ich auf facebook eine message von rod. er war mal früher auf fb, aber er hat den account nie genutzt, er war nur angemeldet. eigentlich dachte ich, er hätte den account gelöscht. er hat nur nen kurzen gruss dagelassen. eine zeile auf meiner wall.
erinnert mich ein bisschen an figurehead. taucht wieder auf, kommt vom schienenlaufen und muss erstmal schlafen. er wirkte total müde. aber er ist da und er lebt! nachher hab ich gemerkt, wie müde ich selbst bin und ich hab bis jetzt geschlafen. es ist jetzt nacht und ich bin hellwach, fühle mich aber, als würde ich träumen. ich hab doch tatsächlich nicht umsonst gehofft. obwohl die hoffnung schon sehr klein war am schluss, und dann auch ausgelöscht wurde, war es nicht umsonst. ich kenne sowas nicht. also, dass man wirklich jemanden zurückbekommt, den man verloren und vermisst hat. normalerweise ist es ja so, dass man diese leute irgendwann nicht mehr so stark vermisst und nach einigen jahren denkt man nur noch ganz selten an sie. aber was ist an uns schon normal?

jedenfalls..das sind die heutigen neuigkeiten. und heute ist ja schon morgen bzw. es ist doch tatsächlich schon nach mitternacht. ich werd mal nach dark city laufen und mich in nen dunklen hauseingang setzen, dort eine rauchen und mich wieder mal unbeschreiblich gut fühlen, wie in einem roman oder nem film noir, und wenn ihr möchtet, dann kommt vorbei. ihr wisst ja, wo ich zu finden bin. zieht euch aber warm an. der wind in d.c. ist kalt, noch immer. nur dringt er nicht bis ans herz. sollte es uns zu kalt werden, gibt es noch immer diese bar, ihr wisst schon...

Labels: , ,