9.12.10
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sie hatte in den letzten monaten oft das fenster geöffnet, um die spuren im schnee zu betrachten, die bis zu ihrem haus führten. es waren menschliche fussspuren, alle anders und alle speziell. sie hatte sich angewöhnt, die spuren im schnee zu erwarten, und sich ohne sie einsam zu fühlen. dass die spuren immer nur bis zu ihrem fenster gingen, nahm sie gar nicht wahr. zu schön war dieses gefühl, nicht einsam zu sein. dass da jemand wäre, der in der nacht in ihr fenster sah. sie bemerkte gar nicht, dass noch niemals jemand an ihre tür geklopft hatte. doch instinktiv fühlte sie, dass alles falsch lief. sie wusste es, doch sie wollte es nicht wissen. irgendwann würde sie aufhören, am frühen morgen zum fenster zu eilen, es zu öffnen und die fussspuren zu zählen. irgendwann. vielleicht schon morgen.

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