21.8.11
das seltsame grabmal
nur der verwitterte stein und eine niedrige einfassung aus bräunlich rotem metall lassen erkennen, dass es sich hier um ein grab handelt, das schon lange nicht mehr besucht wird. wahrscheinlich gibt es auch niemanden mehr, der es besuchen könnte. es stammt aus einer zeit, in der man über die gestaltung von grabmälern noch bescheid wusste. der dunkle, unbehauene stein stellt in seiner einfachheit den perfekten sockel für die beiden statuen dar, die ihn krönen und die in detailreicher feinarbeit aus demselben dunklen stein gemeisselt und geschliffen wurden, nur dass der stein hier schimmert wie blank poliertes metall.

einem spaziergänger, der seinen blick oberflächlich über die gräber schweifen lässt, wäre eventuell die aussergewöhnliche haltung der figuren ins auge gestochen, er hätte sie jedoch für engel gehalten und wäre, ohne ihnen einen weiteren blick zuzuwerfen, an ihnen vorübergegangen. niemals hätte er entdeckt, dass es sich bei den beiden figuren um etwas aussergewöhnliches handelte, etwas dunkles, dunkler als engel je sein könnten.

und noch etwas an ihrem anblick stimmt befremdlich, wenn man sie näher in augenschein nimmt: der besonders gute zustand, in dem sie sich befinden. während der grabstein, auf dem sie stehen, einen hohen verwitterungsgrad aufweist, findet man bei ihnen auch bei näherer untersuchung keine spur von korrosion, obwohl regen, wind und wetter sie durchaus in mitleidenschaft hätten ziehen müssen.

einander zugeneigt, den blick jedoch nach unten auf den stein gerichtet, scheinen sie im tanz zu erstarren, wie vitrifiziert, wie von einem bann oder zauberspruch festgehalten, mit der bestimmung, ewig zu musizieren, zu tanzen, einander zu umspringen.

eines hält eine panflöte in der hand und bläst mit vollen backen hinein, das andere spielt ein zupfinstrument, das einer leier ähnelt. sie scheinen einander im kreis zu umtanzen. obwohl ihr oberkörper der von jungen männern ist, gleichen sie von der taille abwärts jedoch ziegenböcken...

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