23.7.12
beinahe ein 12 jahre älterer cyberpunk, aber am ende doch nur ein böser traum
seit einigen wochen arbeite ich bereits im "workflow" der wiener firma mit und da ich den ausdruck workflow zuvor noch nie gehört habe, möchte ich ihn als wort dieses tages brandmarken und euch ans herz legen - verwendet den ausdruck "workflow" heute so oft, wie es geht, denn es ist das heilige wort, das seltsamste wort und beinah schon das freakigste wort. ist es nun auch schon cyberpunk? nun gut, das hängt wohl davon ab, in welche umgebung man es bettet. das wort. WORKFLOW.
wenn man eine arbeit verrichtet, die darin besteht, in der cloud am computer zu arbeiten und als kleine quasi sende-und empfangsstation zu fungieren, um die grosse, mächtige cloud zu speisen, dann ja. ja! ja! ja! ich bin in einer computer-regierten cyberpunk-arbeitswelt gefangen. dagegen spricht die tatsache, dass die "devices" (auch ein wunderschönes wort, das wir uns für einen anderen tag vornehmen), also dass die wunderbaren devices nicht in meinen körper implantiert wurden. wenn es soweit ist, bin ich wahrhaftig cyberpunk. inzwischen nur ein mensch, der die meiste zeit des tages am compi arbeitet. auch nicht schecht, höhö. war ein ziemlich tumbes lachen gerade eben. höhö - ich arbeite jeden tag so lange am compi, bis meine augen total eingetrocknet sind und knarren und quietschen wie eine schlecht geölte tür, wenn ich mal nach rechts oder nach links schiele. aber ein spötter mag nun einflechten, dass man als arbeitstier sowieso nicht mehr nach rechts oder links schirgelt, sondern immer nur geradeaus blickt. von wegen scheuklappen und so.. auch ein gutes argument, danke schön. nur weiss ich nicht mehr, warum ich das alles hier aufgeschrieben habe. eventuell, weil mir gerade fad ist, das ist immer mit einer der gründe, warum ich blogge.*g* oder aber, weil ich unbedingt vermerken wollte, dass mein berufsbild - "der lektor" - sich inzwischen so gewandelt hat, dass es den lektor eigentlich gar nicht mehr gibt. ich gehöre einer aussterbenden gattung an. ein saurier des berufslebens. jemand, der allen ernstes bis vor kurzem noch PAPIERzeitungen und magazine gelesen hat. bis vor kurzem, ja.

unsere firma hat tatsächlich mit der wiener firma fusioniert. sogar unser firmen-modell ist ein anderes geworden, nämlich eine gmbh. (beim ummelden ist dann auch wie zu erwarten ein kleines malheur passiert - chefchen hat die sozialversicherungsnummer von emil, meinem kollegen, statt meiner eingetragen, was dazu geführt hat, dass ich nicht versichert war und keine zahnbehandlung gekriegt habe- LOL - aber wie es so ist, wir haben die situation mit charme und lässigkeit gelöst - chefchen meinte zu mir - "ich hab sie 12 jahre älter gemacht", worauf ich mit "eins auf's auge" konterte. nun sind wir alle wieder glücklich versichert - hoffe ich. muss bei der krankenversicherung bald anrufen, weil ich in 2 wochen den nächsten vorstoss beim zahnarzt wagen werde. uff. diese sache mit der versicherung und dem zahnarzt und den 12 jahre älter werden hat mich gerade so zerstört, dass ich unbedingt ein kleines tässchen kaffee trinken muss, und zwar auf ex. früher hätt ich eine geraucht, jaja. als ich noch jung war, mindestes 12 jahre jünger.) ich hab da diesen kleinen froschgrünen mutanten von thermoskanne, die mich jetzt immer überall hin begleitet. wenn ihr sie nur sehen könntet. zu-cker-süss. kreuzung aus laubfrosch und thermoskanne, relativ klein gehalten, aber man soll ja nicht ununterbrochen kaffee süffeln. also passt es schon mit der grösse, gell. *tätschel*

ja, also, ich bin nun fast gar kein lektor mehr. die wandlung vollzieht sich schleichend, aber sie vollzieht sich. ich muss vor dem bildschirm die eingescannten zeitungen bearbeiten - das korrekte wort dafür ist "clippen" und es gibt auch keine zeitungsartikel mehr, sondern sogenannte "clippings". einscannen muss ich gar nix, denn es gibt in wien ein eigenes scan-team, das die zeitungen täglich für uns "clipper" (ja, so heisst das jetzt) einscannt. hm. möcht ich irgendwie nicht machen. also lebenslange fronarbeit im scan-lager. börk. ich befinde mich beim arbeiten meistens an meinem schreibtisch im büro oder aber ich "clippe" (so heisst das jetzt..) zuhause, denn auch das ist möglich. kann gut sein, dass ich manchen abend bis in die nacht hinein cl .. ihr wisst schon. die zeitungen lade ich mir vom wiener server runter und bearbeite sie mit einem kleinen spezial-programm, das ich nach einer einschulung nun verwenden darf. ich klinge wie ein psychopath.
aber ich sage euch, die arbeit ist nicht so übel. :) ausserdem darf ich ab und zu den ausdruck "workflow" verwenden, von dem ich früher gar nicht wusste, dass es ihn gibt. ja, es gab einige neuerungen im workflow sowie im büro (sagen wir office), also im workflow sowie im office allgemein.

aber alles in allem muss ich leider feststellen, dass ich noch immer kein rädchen im cyberpunk'schen workflow der gerade stattfindenden zukunft bin, der zeitsprung lässt noch auf sich warten, aber wenn er kommen wird, werden wir alle im office nicht mehr die sein, die wir mal waren. einige von uns werden implantate tragen und für immer mit der cloud verbunden sein, in die sie daten schaufeln werden und die sie, so wüst das jetzt noch klingen mag, mit einer art scheinbarem leben versorgen wird. als warnung mag gelten, dass mein beruf, "der lektor", gerade ausstirbt.

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