10.3.13
gift und träume
vielleicht war da mal mehr als das hier. so viel mehr, dass du nur so schauen würdest. so verdammt viel mehr, dass du deinen kopf schütteln  und dich zu mir beugen, mir ins ohr flüstern würdest.."sag, wie hältst du das hier aus? das alles? kannst du überhaupt noch?"
und ich würde sagen, in dein ohr, und einzig und allein nur deshalb, weil heute diese besondere nacht ist
"nein. nein, hundert, tausend, millionenfach nein. das alles..das ist nicht das, was mir mal versprochen wurde, vor langer zeit..doch ich erinnere mich gut.zu gut. daran, als alles begann. als ich aus dem teich der träume entlassen wurde und man zu mir sagte..geh dort hinaus, dort ist eine welt, die genau zu dir passt. du wirst sehen, sie existiert. nein, sage ich dir. sie existiert nicht mehr. weisst du auch warum?"
du schüttelst sanft den kopf und ich bemerke, dass auch du dich zu erinnern beginnst. ich merke es daran, dass deine aura, die um dich fliesst, einen zarten schimmer annimmt, der aussieht wie der abendhimmel, die blaue stunde, in der alles möglich ist.
"aber miss." sagst du. "miss mit den vielen namen." du lächelst und ich muss ebenfalls lächeln, ob ich will oder nicht. "miss lilly baxter." ich beginne zu lachen. "miss baxter, ja", murmle ich in mich rein,
"gute erinnerungen, ja."

"weisst du nicht, kleine miss", und nun verändert sich deine stimme, wird alt und dunkel, so alt und vertraut
"weisst du nicht, dass du das reine gift bist? dass du ohne gift nichts bist? war dir das gift zu wenig? dann allerdings tut es mir leid für dich."
ich zucke zusammen und verschütte beinahe meinen wein.
"jeder mensch ist gift", fügst du beinahe versöhnlich hinzu. "nur manche sind eben nicht so ..extrem wie du. brauchen andere dinge.
jagen sich eine andere droge in die venen, symbolisch gesprochen."

"vieleicht sollten wir uns nicht erinnern. sonst werden wir nicht alt."
"ja, genau, weil das der sinn des lebens ist - alt zu werden." du lachst und stehst auf, legst das geld auf den tresen und wendest dich zum gehen.
"miss lilly baxter. war mir eine ehre." deine verneigung ist eindeutig altmodisch, aus einem anderen jahrhundert, einem anderen leben.
"wohin gehst du?" - ich klinge piepsig wie ein kleinkind, und genauso fühle ich mich auch. wie die fünfjährige, die nicht schlafen gehen will, die darum bettelt, noch ein bisschen aufbleiben zu dürfen

"rauf auf den highway, mein kind. rauf auf den highway. du hast wohl vergessen, dass man niemals vom higway runter darf, was? hast es vergessen.
miss baxter, die vergessliche. wohl zuviel andere dinge im kopf. armes kind."
ich starre dich an.
starre den leeren fleck an, wo du eben noch gestanden bist
verdammt, du hast ja so recht. warum lachen menschen, wenn sie eigentlich weinen sollten?
vielleicht, weil vor der tür ein auto parkt, ein schnelles auto,
mein auto.


so i'm heading out to the highway
i got nothing to lose at all
i'm gonna do it my way
take a chance before I fall

judas priest

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