12.12.15

Pale TV - Night Toys





Pale TV - Night Toys, 1981 Italian Records.
Fan-made video based on scenes shot in Prague by night.



es ist nicht rave, sondern wave [repost]

das mädchen mit den glitzernden elfenflügeln sass auf der lehne der bank vor der strahlend blauen wand, hielt sich an ihrem automatenkaffee fest und versuchte, das desaster neben ihr zu ignorieren, doch es ging nicht. es war zu auffällig, nicht nur visuell, sondern auch im audiobereich, was sich hier abspielte. sie starrte betreten auf den boden, wo sich schon die ausgetretenen kippen ansammelten, die sie geraucht hatte, während sie auf die anderen wartete, die noch eintrudeln würden - gesagt hatten sie es. dass sie kommen würden, und zwar maskiert. sie zündete sich gleich noch eine an und ignorierte das sonderbare geräusch neben ihr, das schon wieder lauter geworden war. kaum zu glauben, aber so ging es schon seit über 10 minuten.

neben ihr kotzte sich eine weissblondierte ältere frau die seele aus dem leib. sah eine spur wie ein callgirl aus. gewollt mondän und ein dekoletee bis zum nabel. die frau war den bahnsteig entlanggeschwankt, mit einer pulle schampus in der hand und einer zigarette in der anderen, hatte lieblich lächelnd in die runde gegrüsst, obwohl niemand da war ausser der elfe, die artig zurückgegrüsst hatte. sie hatte der frau noch feuer gegeben, bevor das theater losging. die frau hatte die flasche champagner neben sich auf den bahnsteig gestellt, so richtig ladylike hatte es ausgesehen, dann hatte sie sich in eleganter haltung an der wand abgestützt und volle pulle losgekotzt. und sie hatte nicht wieder aufgehört. es ist seltsam, welche leute man manchmal hier unten trifft, dachte die elfe, leider kann man es nicht bestimmen, wer hier auftaucht. oder vielleicht ist es auch gut so. der überraschungseffekt. entweder die arschkarte oder das ticket in den himmel, alles ist drin. heute war jedenfalls trash pur, aber wenigstens bemühte sich ihre bahnsteig-bekanntschaft wirklich darum, stil zu bewahren und ihr geschäft lieblich zu verrichten. die elfe sah gerade ziemlich verzwickt aus ihrem glitzerfummel und versteckte ihr gesicht in beiden händen. sie fühlte einen immensen lachkrampf emporsteigen. wer weiss, worauf die leichte dame, das dämchen, noch kommen würde. wenn jemand schon in der lage ist, sich dermassen zu entleeren, dann kann alles auf einen zukommen. hoffentlich war sie schon am klo. hoffentlich muss sie nicht. hoffentlich bin ich schon weit weg, wenn sie grad muss. auf der party, weit weg. aber so wie es aussah, konnte es es noch ein weilchen dauern, bis sie alle eintrudeln würden. sie war nämlich wie immer viel zu früh gekommen. das mochte sie ganz gern - normalerweise. sie kam immer zu früh, weil sie noch ein bisschen die leute beobachten wollte, die sich in der nacht hier unten herumtrieben. meistens waren es die üblichen verdächtigen. partyleute. jugendliche oder leute, die jugendlich erscheinen wollten und die von einer party zur nächsten hetzten. solche leute würden heute nacht garantiert nicht zum ball kommen. ganz einfach, weil keiner von denen wissen konnte, wo sich die location befand. man hatte geflyert, aber nur den passenden leuten eine einladung verehrt. so viel platz war auch nicht und diese mainstream-raver-marionetten durften ruhig fernbleiben.

madame hatte anscheinend fertig gekotzt, lehnte schwer atmend an der wand und sah sich suchend nach ihrer flasche champagner um. oh nein. oh drei mal verfluchtes OMG. NEIN!! nicht weitersaufen!! aber was diese dame vertragen konnte, war schon beachtlich. sie bückte sich gerade nach der flasche, fluchte leise in sich hinein und setzte sich völlig unvermittelt auf den boden. kreislauf. kennen wir, dachte die elfe. schwarz vor den augen geworden. kein problem, sagte die dame zu sich selbst. dann lassen wir uns halt im sitzen vollaufen. und dann, zu der elfe gewandt, in forschem tonfall: na und wo willst du hin, meine kleene? warteste auf deinen lover? ich komm grad von meinem. krächzendes hexenlachen. die elfe drehte die augen über und wollte gerade zu einer antwort ansetzen, als das geräusch einer herannahenden ubahn sie aus ihrer misere erlöste. das scheinwerferlicht tastete sich um die kurve und die ubahn raste wie aus der kanone geschossen, in abartigem tempo, in die station und hielt mit kreischenden bremsen. nichts neues hier herunten. wäre ja ein wunder, wenn hier einer etwas normal machen würde.

na bravo. im letzten wagen wurde schon gediegen gefeiert, was das zeug hielt. sie sah einen spitzen feenhut, ein etwas mit grüner haut und irgendetwas felliges in violett. die drei hingen am fenster und winkten frenetisch der elfe zu. als sich die türen der ubahn öffneten, ging am bahnsteig eigenartigerweise das licht aus und viele bunte lichter flackerten in einigen der wagen. sah aus wie neonbuntes laserlicht. die leute betraten den bahnsteig, einige tanzten aus der ubahn, und sie tanzten weiter in einen dunklen ubahnschacht hinein. die elfe hatte ihre freunde längst erspäht. sie flog von der lehne der bank und lief mit leichten schritten über den bahnsteig, drehte eine kleine pirouette und liess bei jedem schritt goldenen feenstaub zurück, der im laserlicht funken sprühte wie eine wunderkerze.

es ist nicht rave, sondern wave, sagte sie erklärend zu der älteren frau, die mit offenem mund dastand und die gestalten am bahnsteig anstarrte wie das achte weltwunder. das muss man wissen, sonst weiss man gar nichts. die dame nickte und wandte sich sich wieder ihrem champagner zu. während die elfe schon im ubahnschacht verschwunden war, entleerte sich die dame erneut und liess sich dann am bahnsteig nieder, um weiterzutrinken. das alles bekam die elfe nicht mehr mit, so wie sie es sich gewünscht hatte. sie war weit weg, mitten im wave, mitten im neonbunten licht.


dance dance dance


nachtrag: die dame, der der alk ausgegangen war, hatte sich inzwischen schwankenden schrittes in den ubahnschacht begeben und folgte den goldenen wunderkerzenspuren...



eine winzigkleine vignette nach dem tausendsten betrachten des filmes kontroll. die dame am bahnsteig (die so viel kotzt und die man anscheinend nie wieder los wird) hat sich irgendwie selbständig gemacht. sie ist irgendwie kult. grausig, aber kult. ich wollte nur einen satz über sie schreiben und jetzt ist sie allgegenwärtig. ich find es so beachtlich, was sie hier treibt. ich kannte mal einen, bei dem war kotzen und weitersaufen ebenfalls kein problem. die dame jedenfalls...entweder wird man sie irgendwann als skelett im ubahnschacht finden oder sie crasht die party. ich denke letzteres. komischerweise waren bei unseren parties früher auch immer solche leute dabei. leute, die keiner kannte. die keiner eingeladen hatte. die altersmässig nicht so recht passten. und die irgendwann zum mittelpunkt der party wurden. warum eigentlich nicht??


[repost vom 1.06.2009]

irgendwann im november 2007
mukke: kays alte tapes




hey..

du warst ganz schön enttäuscht, oder? die ganze sehnsucht zertrampelt, in die gosse getreten und unten in den tunneln kein wegweiser, kein geheimcode auf der wand, kein mensch, der neben dem kaffeeautomaten am gang wartet und dir einen ausgibt, wenn du vorbeikommst. keiner, der mal was gerafft hat. denkst du doch, oder?

ich bin jetzt ca. 2 wochen von dem ganzen völlig abgeschnitten. die erste zeit lief ich rum wie ein zombie mit völliger leere in mir. ich wusste nicht mal mehr, dass ich kerzenlichtabende so sehr mag. jetzt ist mein zimmer voller kerzen. ich hab grad den walkman auf und höre ein lied in endlosschleife.
i'm waiting for the night to fall, when everything is bearable


das unerträgliche zu ertragen, darin bin ich wohl nicht so gut. eine welt, die für mich grösstenteils nur noch verabscheuenswert ist, täglich zu erleben.. einige stecken es besser weg als ich, die meisten, denke ich. mein fluchtpunkt war wohl das netz. anstatt in mir selbst zu kramen und dinge  freizuschaufeln, die mich überlebensfähig machen. nun bin ich dazu gezwungen, meinen blick wieder zu zentrieren, die gedanken zusammenzuhalten und zu formulieren, damit ich die stille ertagen kann, die ich früher so geliebt habe. langsam schiebt sich meine alte realität wie ein dunkel getöntes glas wieder in mein blickfeld, mein blick, der die letzte zeit nur noch ins leere ging und sich auf eine hölle von nichts richtete, fokusiert sich wieder. nach nur 2 wochen. ich nehme an, dass sich die gehirnwellen ziemlich verändern, wenn man täglich zu lange vor'm bildschirm hängt. das resultat war bei mir eine unglaubliche verwirrung/verworrenheit, aggression und seelische müdigkeit. die immer schlimmer wurde, bis gar nichts mehr da war, nur noch die "fähigkeit", belanglosen smalltalk zu führen und selbst der machte mich todmüde.

was mich immer für 2 stunden aus meiner lethargie riss, war kontroll. wie eine befreiung. oder wenn ich rüber ins erkerzimmer geh, wo der manfred lebt, und einige alte videos angucke. nur wenige haben diese ausstrahlung der endzeit. "velazquez' little museum" z.b., mit lalahuman steps und den neubauten. diese kälte, die davon ausgeht. lässt mich einfach wieder zu mir kommen. ich wach denn auf, ein produkt der endzeit, der letzten tage und verwirrt blicke ich mich um, strecke meine fühler aus, nach irgendetwas ... jemandem ... und bemerke, dass da gar nichts mehr ist, zieh die fühler wieder ein und drifte in dämmerschlaf. schlafwandeln könnte man meinen zustand bezeichnen. ohne bitterkeit. einfach nur in schlaf abdriften.

von mir wollten viele "den weg" erfahren, doch frag mal einen schlafwandler nach dem weg.. das ganze resultiert in einer katastrophe. klar, ich kenne den weg genau. ist ja in mir gespeichert. nur die sache mit dem aufwachen ... ich hab mich auch in der letzten zeit gefragt, warum ich mich der nervenzerfetzenden wachheit aussetzen soll. sind eh nur schmerzen, die warten und viele, viele menschen, die überhaupt nix raffen.


nun finde ich mich in nem ubahn-tunnel wieder, vor ner blauen wand und ner roten plastikbank. daneben steht ein kaffeeautomat. "gut zum wachwerden", denke ich noch zerstreut wie jetzt immer. die abgefuckte sache daran ist, dass ich kein kleingeld mithabe. nur alte tapes und nen walkman. ich glaub, ich könnte hier auf der bank warten. wenn du grad nicht mit schienenlaufen beschäftigt bist, kommst du sicher irgendwann mal hier vorbei.
ich rauch mal eine. kays mukke ist genau richtig für hier unten.

the damned don't cry
singt grad einer und ich seh einige zombies beim aussteigen zu. sie tun mir so verdammt leid, sie sehen den kaffeeautomaten gar nicht. denke mal, sie sehen gar nichts mehr. wie ich vor 2 wochen, geht mir durch den kopf. was verlieren sie gerade? ne ganze innere welt? alles verlieren sie. ich würd sie gern auf nen kaffee einladen, aber ich hab ja kein kleingeld mit. ausserdem sieht mich keiner von ihnen. was schade ist.
ich hab eigenartigerweise schmetterlingsflügel und ganz glitzrige klamotten an. trotzdem will ich schlafen. andererseits, was soll das ganze glitzern, wenn man dann gleich wieder einpennt? du kennst den song magenta days? ja? den höre ich gerade.
some days are like magenta, colors out of time, will i ever find salvation in this wold of mine.
 
weisste, eigentlich will ich gar nicht mehr ins netz. zu viele graue männer dort, die deine seele in ihren riesenzigarren paffen. andererseits sollten wir uns ja weiterhin treffen. ohne dieses seltsame netz hätten wir uns ja auch nicht getroffen, oder? "also, manchmal ist es schon korrekt, das netz", teile ich einem passanten mit, der blind durch mich hindurchschaut. sag, sehen sie dich auch nicht? ich seh dich sicher. du mich ja auch.
ich lass mir hier noch ein paar tapes durch den kopf gehen und dann wirste ja sicher auch mal auftauchen. komisch, ich bin ziemlich wach, auch ohne kaffee. war der glitzerfummel doch nicht umsonst.


bis dann und pass beim schienenlaufen auf!
gruss von ner inzwischen ziemlich hellwachen
lila



(nachtrag: ich hab mir "kontroll", den er mir geschenkt hat, x-mal reingepfiffen. und jedes mal drifte ich völlig aus meiner sogenannten realität und hocke dann irgendwann auf dieser bank vor der leuchtend blauen wand und hab einen knallheissen automatenkaffee in der hand. wenn ich das glück habe, kleingeld in den film mitzunehmen. sollte man immer parat haben. man weiss ja nie.)
in der nächsten zeit werde wieder mehr ältere texte hier reinstellen, weil ich sie so am besten aufbewahren kann. sie befinden sich teilweise noch auf ururalten college-blocks und die tinte verblasst schon ziemlich. ich möchte alte stories und auch briefe, die ich mal geschrieben habe und die ziemlich wichtig für mich waren/sind (die meisten davon nie weggeschickt) - hier reinstellen .. da die briefe nahtlos in die kurzgeschichten übergehen, passt dass schon..

witzig, ich hab mal zu jemandem gesagt, dass er für mich eine art kunstperson in einer geschichte von mir ist. mir ist das damals auch irgendwie arg vorgekommen, also die tatsache, dass ich mich spontan zu jemandem so äussere. irgendwie schon ein bisschen krass. aber da ich mich selbst immer als eine art comicfigur empfunden habe - mehr fantastik als real life - kann man diese ansage eigentlich so deuten, dass diese person meiner eigenen realität wohl ziemlich entsprach. ist mir gerade jetzt aufgefallen. :)

ok, ich beginne heute mit einem brief an einen der bewohner der archangelbar. ich denke mal, dass ich ihn damals nicht abgeschickt habe. (ich besitze von vielen briefen, die für mich wichtig waren ... yeah, auch von denen, die ich selbst geschrieben habe ... ein duplikat ... was gut ist ... in diesem fall vor allem (es ist ein wirklich guter brief - ich stell ihn gleich mal heute nacht in mein blog. zusammen mit einer kurzgeschichte, die genau an derselben location stattfindet wie die story, die im brief erzählt wird. mh, ich bin ein story-mensch. ich kann mich im prinzip nur durch geschichten ausdrücken. und ich meine, dass diese stories meistens realer als die realität sind. denn die realität ist oft die unglaubwürdigste story von allen ...)

10.12.15

9.12.15

irgendwann anfang der neunziger auf irgendeinem fabriksgelände



die sonne geht unter, das fabriksgelände ist verlassen.

eine atmosphäre wie in einem vampirfilm...


jemand, der so gar nicht künstlich ist und so gar nicht zum posen neigt...

das war ich anfang der nineties. das absolute naturkind *g*

ich hab sogar ein metallteil gefunden, das zu meiner haarfarbe passt.
ich habe mal eine story geschrieben, die SPOOKLAND heisst

(SPOOKLAND RULEZ!!)

jedenfalls,  in dieser story besetzen noch ganz junge nachwuchsvampire
eine uralte fabrik und leben dann dort selig bis ans ende ihrer tage,
das ja nicht kam, weil sie nie sterben mussten ..
solche gebäude wie das wunderschöne teil hier waren immer eine
inspiration für solche stories.
  
ich hab's trotzdem hier reingestellt :) muss immer grinsen,
wenn ich es sehe. da ist irgendwas mit meinen haaren passiert.
ausserdem grinse ich etwas abartig.

photos vom photo, dann durch instagram filter gezwängt..
und wieder mal ein paar erinnerungen von anno schnee in
die neuzeit rübergerettet. keine ahnung, ob das fabriksgelände
noch existiert. und rote haare hab ich auch nicht mehr.
aber trotzdem. ich liebe noch immer fabriksgelände und drachenrote haare.

7.12.15

viel zu lang her, dass sie auf dem highway waren. er hatte sich einen vorrat an zigaretten gedreht und einige cds gebunkert. es konnte wieder losgehen.
die ersten neonlichter zogen an ihm vorbei, er stieg aufs gas und sie wurden zu langen leuchtspuren. lang nicht mehr daran gedacht, oder? dass da draussen die reine magie existiert, die uns zum leben erweckt. dass das leben sich frisch anfühlt, wie eine regennacht. wenn das hier vergeht, kann ich mich erschiessen, dachte er. die meisten geben das hier mal auf, und sie tun mir leid. ihre körper werden zu ihren gräbern, ihre herzen schlagen zwar, aber sie sind wie tote. niemand tötet mich, es sei denn, ich selbst. niemand.
er zündete sich eine zigarette an, hielt das lenkrad mit einer hand und rauchte, hörte gerade samhain von incubus succubus, murmelte die lyics mit. es klang wie eine beschwörung und es war wohl eine. eine die den ganzen zauber enthielt, die die nacht ausstrahlte.

and the fires shall burn
and the wheel of life shall turn
and the dead come back home on samhain
hecate, nemesis, dark mother take us in.

Yello - Call It Love Trego Snare Version 2 (1987)





 

Remixed by Nick Launay & contains an extra verse sung by Billy Mackenzie (only on this version). Released on a free promo 12'' 'Call It Love' for the first 2000 copies of 'One Second'.