12.12.15
irgendwann im november 2007
mukke: kays alte tapes




hey..

du warst ganz schön enttäuscht, oder? die ganze sehnsucht zertrampelt, in die gosse getreten und unten in den tunneln kein wegweiser, kein geheimcode auf der wand, kein mensch, der neben dem kaffeeautomaten am gang wartet und dir einen ausgibt, wenn du vorbeikommst. keiner, der mal was gerafft hat. denkst du doch, oder?

ich bin jetzt ca. 2 wochen von dem ganzen völlig abgeschnitten. die erste zeit lief ich rum wie ein zombie mit völliger leere in mir. ich wusste nicht mal mehr, dass ich kerzenlichtabende so sehr mag. jetzt ist mein zimmer voller kerzen. ich hab grad den walkman auf und höre ein lied in endlosschleife.
i'm waiting for the night to fall, when everything is bearable


das unerträgliche zu ertragen, darin bin ich wohl nicht so gut. eine welt, die für mich grösstenteils nur noch verabscheuenswert ist, täglich zu erleben.. einige stecken es besser weg als ich, die meisten, denke ich. mein fluchtpunkt war wohl das netz. anstatt in mir selbst zu kramen und dinge  freizuschaufeln, die mich überlebensfähig machen. nun bin ich dazu gezwungen, meinen blick wieder zu zentrieren, die gedanken zusammenzuhalten und zu formulieren, damit ich die stille ertagen kann, die ich früher so geliebt habe. langsam schiebt sich meine alte realität wie ein dunkel getöntes glas wieder in mein blickfeld, mein blick, der die letzte zeit nur noch ins leere ging und sich auf eine hölle von nichts richtete, fokusiert sich wieder. nach nur 2 wochen. ich nehme an, dass sich die gehirnwellen ziemlich verändern, wenn man täglich zu lange vor'm bildschirm hängt. das resultat war bei mir eine unglaubliche verwirrung/verworrenheit, aggression und seelische müdigkeit. die immer schlimmer wurde, bis gar nichts mehr da war, nur noch die "fähigkeit", belanglosen smalltalk zu führen und selbst der machte mich todmüde.

was mich immer für 2 stunden aus meiner lethargie riss, war kontroll. wie eine befreiung. oder wenn ich rüber ins erkerzimmer geh, wo der manfred lebt, und einige alte videos angucke. nur wenige haben diese ausstrahlung der endzeit. "velazquez' little museum" z.b., mit lalahuman steps und den neubauten. diese kälte, die davon ausgeht. lässt mich einfach wieder zu mir kommen. ich wach denn auf, ein produkt der endzeit, der letzten tage und verwirrt blicke ich mich um, strecke meine fühler aus, nach irgendetwas ... jemandem ... und bemerke, dass da gar nichts mehr ist, zieh die fühler wieder ein und drifte in dämmerschlaf. schlafwandeln könnte man meinen zustand bezeichnen. ohne bitterkeit. einfach nur in schlaf abdriften.

von mir wollten viele "den weg" erfahren, doch frag mal einen schlafwandler nach dem weg.. das ganze resultiert in einer katastrophe. klar, ich kenne den weg genau. ist ja in mir gespeichert. nur die sache mit dem aufwachen ... ich hab mich auch in der letzten zeit gefragt, warum ich mich der nervenzerfetzenden wachheit aussetzen soll. sind eh nur schmerzen, die warten und viele, viele menschen, die überhaupt nix raffen.


nun finde ich mich in nem ubahn-tunnel wieder, vor ner blauen wand und ner roten plastikbank. daneben steht ein kaffeeautomat. "gut zum wachwerden", denke ich noch zerstreut wie jetzt immer. die abgefuckte sache daran ist, dass ich kein kleingeld mithabe. nur alte tapes und nen walkman. ich glaub, ich könnte hier auf der bank warten. wenn du grad nicht mit schienenlaufen beschäftigt bist, kommst du sicher irgendwann mal hier vorbei.
ich rauch mal eine. kays mukke ist genau richtig für hier unten.

the damned don't cry
singt grad einer und ich seh einige zombies beim aussteigen zu. sie tun mir so verdammt leid, sie sehen den kaffeeautomaten gar nicht. denke mal, sie sehen gar nichts mehr. wie ich vor 2 wochen, geht mir durch den kopf. was verlieren sie gerade? ne ganze innere welt? alles verlieren sie. ich würd sie gern auf nen kaffee einladen, aber ich hab ja kein kleingeld mit. ausserdem sieht mich keiner von ihnen. was schade ist.
ich hab eigenartigerweise schmetterlingsflügel und ganz glitzrige klamotten an. trotzdem will ich schlafen. andererseits, was soll das ganze glitzern, wenn man dann gleich wieder einpennt? du kennst den song magenta days? ja? den höre ich gerade.
some days are like magenta, colors out of time, will i ever find salvation in this wold of mine.
 
weisste, eigentlich will ich gar nicht mehr ins netz. zu viele graue männer dort, die deine seele in ihren riesenzigarren paffen. andererseits sollten wir uns ja weiterhin treffen. ohne dieses seltsame netz hätten wir uns ja auch nicht getroffen, oder? "also, manchmal ist es schon korrekt, das netz", teile ich einem passanten mit, der blind durch mich hindurchschaut. sag, sehen sie dich auch nicht? ich seh dich sicher. du mich ja auch.
ich lass mir hier noch ein paar tapes durch den kopf gehen und dann wirste ja sicher auch mal auftauchen. komisch, ich bin ziemlich wach, auch ohne kaffee. war der glitzerfummel doch nicht umsonst.


bis dann und pass beim schienenlaufen auf!
gruss von ner inzwischen ziemlich hellwachen
lila



(nachtrag: ich hab mir "kontroll", den er mir geschenkt hat, x-mal reingepfiffen. und jedes mal drifte ich völlig aus meiner sogenannten realität und hocke dann irgendwann auf dieser bank vor der leuchtend blauen wand und hab einen knallheissen automatenkaffee in der hand. wenn ich das glück habe, kleingeld in den film mitzunehmen. sollte man immer parat haben. man weiss ja nie.)

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