25.6.18

DER SCHIRGLINGER


-Bauer, bringt her den Käse,
den runden, schwersten der Laiber....
Gereift bei den
Strahlen des Mondes,
hängend in Netzen
an den Ästen
des filigranen
Buschwerks
am Rande des Moors...
Sanft umflossen
von irisierender Fäulnis,
veredelt mit blassen
Moorbeeren...-


-Schneidet ihn auf, Bauer,
lasst uns atmen den Duft....
Bauer, er sollte schon duften,
jetzt,
da er angeschnitten...-


-Vollmondkäse, Ihr Herren,
ist äusserst zurückhaltend
in Duft und Geschmack...-
-Kennt Ihr, Bauer,
den Schirglinger?
Vom Nachbarhof...


Vollmondkäse hat kein‘ Biss,
Vollmondkäse ist Beschiss.
Der Schirglinger ist zum Verzehr,
der Schirglinger, der schmeckt nach mehr...
Nach Erde, Moder, Fäulnis, Gruft,
nach Schimmelpilz und schlechter Luft.
Nach Socken, Schuhen, Dung und Eutern
und, ganz schwach, nach frischen Kräutern....
Packt aus den Schirglinger,
den besten,
wollen nie was andres testen...-


Der Bauer zuckt zusammen,
wird bleich wie
die Moorbeere,
die geheimnisvolle...
Er taumelt aus der Stube,
verschwindet kreischend
in der Nacht...


Zwei Wanderer,
die einsam
den uralten Pfaden
des Moores folgen,
finden
Käselaiber auf nebligen Lichtungen,
eben erst gereift,
in Netzen aus
feinstem Garn...


Dazwischen,
sanft baumelnd,
umflossen von irisierender Fäulnis –
den Bauern
mit einem Sträusschen Moorbeeren
hinterm Ohr...


-Auf den Schreck miass ma
wos essn!-
-Jo! Host an Schirglinger dabei?-
.....................…

Vollmondkäse hat kein Biss,
Vollmondkäse ist Beschiss.


19.6.1992
(überarbeitet am 26.1.1998)


17.6.18

website-update

diesmal gibt's weird fiction - die kurzgeschichte "das verlassene haus", ein alptraumhafter und seltsamer text, und eine kleine vignette, nämlich vom "nachtvogel".


ich werde ab jetzt wieder mehr mit websites machen, vor allem meine homepage öfter updaten, ein guestbook einbauen (ein script habe ich ja gefunden, aber das baut sich halt nicht von selbst ein) … es gibt immer viel zu tun. ausserdem möchte ich meine alten website-entwürfe endlich mal in die tat umsetzen.

14.6.18

begraben unter einem berg von candy

*stopft einen berg halloween-candy ins handschuhfach, bemüht sich sichtlich, dasselbe wieder zu schliessen* man muss richtig andrücken, dann geht's zu. heute ist so ein perverser tag. richtig pervers, denn ich muss wieder anfangen, zu leben, konturen zu kriegen. es war vielleicht ein fehler, mit der bar gleich ins haus zu fallen, aber ich hab es kawazu damals erzählt und er war so erfreut darüber, also hab ich gleich viel mehr gemacht, als ich hätte machen sollen.
wenn du selbst nur noch ein schattenriss bist, wie soll das denn gehen. wie soll man z.b. überhaupt noch kreativ sein, wenn das hirn und herz fast kaum mehr so funktionieren wie füher? alles im reservemodus. scheisse das. aber ich glaube, ich hab hier eine gute möglichkeit, wieder zu kräften zu kommen.
nicht in der bar, nicht am tresen, wo ich mir sowieso nur einen kreativ-flash nach dem anderen geben muss, um neue cocktails zu kreieren. nee. heute nicht. eventuell schau ich heut selbst nur auf ein kleines getränk ins haus. später. wenn die nacht dunkler ist und der mond hoch am himmel steht. aber gerade jetzt fühl ich mich nur gut, wenn ich auf den highway rauffahre und lange oben rumkreuze. hab grad blue silver mit viel candy aufgeladen, kaffee ist auch mit dabei, 3 thermosflaschen kaffee sollten für's erste reichen. muss nur noch den guten alten blue ein bisschen aufmotzen. war ebenso wie ich viel zu lang in der garage.
*hängt einige amulette und rosenkränze auf den rückspiegel, schaut prüfend und nickt zufrieden* bist ein hübsches mädel, blue. nicht schlecht für nen alten rolls royce. ich glaube, wir 2 sind immer noch ein gutes Team. *setzt sich seine sollenbrille mit den schwarzen gläsern auf* es gibt nicht viele leute, die bei nacht mit schwarzen sonnenbrillen fahren, was sicher gut ist, wenn man bedenkt, wie absolut gar nix diese leutchen dann sehen würden. ich seh schon noch genug *lacht*
wir sollten aber mukke haben. jetzt ist die mukke unter dem halloween-candyzeugs vergraben, was verdammte scheisse ist, weil ich mich grad irgendwie nicht traue, das handschuhfach zu öffnen. vielleicht geht's auch ohne mukke für den anfang.

*5 minuten später am strassenrand: shine hat blue silver geparkt und wühlt sich fluchend durch einen berg candy...*

13.6.18




“My soul bleeds and the blood steadily, silently, disturbingly slowly, swallows me whole.” 

Fyodor Dostoevsky



12.6.18

der fluch





die kreatur steht mitten auf der tanzfläche. sie ist spindeldürr und überragt alle um mindestens eine kopflänge. in diesem nebligen lichtkreis steht sie nun und beginnt sich langsam zu bewegen. als würde sie sich erst an die bewegungen ihres körpers gewöhnen. ein zittern der finger, eine hand, die sich hebt. ein schritt zur seite, dann ein zweiter auf die andere seite. der kopf hängt nach vorne, der blick bohrt sich in den boden. einige tropfen einer unbekannten flüssigkeit fallen aus ihrem mund und sickern auch aus den augen. es könnte blut sein, wenn blut schwarz wäre. es ist wie teer. zähflüssiger, klammer teer, der aus dem inneren des wesens zu kommen scheint.

es hebt den blick und fixiert die lichtquelle an der decke. verzieht den mund zu einer grimasse. die ebenfalls mühsam wirkt. schwarze flüssigkeit strömt aus ihren augen, rinnt über die wangen. seine augen sind pupillenlos und opak. schwarz. es hebt langsam die geöffnete hand zur decke, wie um das licht zu fassen. sein mund öffnet sich. ein schwarzer wurm gleitet heraus und rutscht über sein kinn, fällt zu boden. seine geöffnete hand zittert und zuckt im lichtstrahl. das ganze wesen zittert.

wie schön, flüstert ein kind am rand der tanzfläche. wie wunderschön er ist. habt ihr gesehen? seht ihr ihn nicht? oder seht ihr etwas völlig anderes? habt ihr ihn nicht gern für das, was er ist? seid ihr blind oder tot? oder habt ihr ihn vergessen? dann verfluche ich euch, sagt das kind und wendet sich zur wand. ich will euch nicht mehr sehen. sein rücken zuckt krampfhaft, als wären da diese tränen, die nie geweint wurden und nun plötzlich herauswollen.


ich verfluche euch. sagt das kind.