27.10.18

exklusive wortschöpfung

ich musste sehr lang (zu lang eventuell) lachen, als ich dieses wunderschöne wortgebilde sah:


exklusiver bademantelgang



denke mir, man darf da mit nem alten frotteebademantel gar nicht rein, es muss schon was von karl sein. mit meinem quietschigen kurzbademantel mit den rot-orange-gelben querstreifen würde ich mich sehr schnell am parkplatz vor diesem edlen etablissement wiederfinden, von rausschmeissern am kragen gepackt und entsorgt und selbstverständlich bei strömendem regen. aber darum geht es heute nicht. es geht um diese abartige schönheit, die in diesem gebilde enthalten ist. in meiner vitrine der wundersamen wörter darf es ganz weit vorne stehen.


20.10.18

ET


du fährst und fährst und irgendwann bemerkst du, dass du entweder zu weit gefahren bist oder zu schnell. auf jeden fall hat sich die welt um dich gründlich verändert. etwas silbernes schimmert am himmel. du fasst es ins auge und kannst nur noch erkennen, wie es ganz plötzlich in einem v-winkel nach rückwärts rast und so schnell verschwindet, dass du an deiner wahrnehmung zweifelst. ruhig blut, sagst du zu dir, es gibt sie nicht. es kann sie gar nicht geben. oder?

zur beruhigung machst du nen zwischenstopp und trinkst eine tasse schwarzen kaffee, der dich noch mehr aufregt, aber das bemerkst du in deiner aufregung gar nicht. du wendest dich zur kellnerin, einer mürrischen alten frau mit einer schirmmütze. und ehe du dich versiehst, hast du ihr die ganze story schon brühwarm erzählt. ihre reaktion ist ungewöhnlich. sie legt dir die hand auf die stirn und befühlt die gegend um dein drittes auge. ihre hand ist unangenehm kalt und fühlt sich schuppig an, sie ist auch relativ grau, genauso wie das gesicht der frau - diese eindrücke hattest du immer der fahlen beleuchtung zugeschrieben.

"was glauben sie , wo sie hier sind?" zwitschert sie, es klingt metallisch, so als würde eine maschine versuchen, die menschliche sprache zu imitieren. du siehst den schriftzug crashsite café auf ihrer schirmmütze....und dann ihre worte, wie eine singende säge: "willkommen am extraterrestrial highway. hier sind sie der alien. denn wissen sie, diese gegend hier..." jetzt klingt sie fast ein bisschen gelangweilt... "diese gegend hier wurde von uns schon lange übernommen."


16.10.18

feenverein


hier tagt der verein österreichischer und deutscher feen,
elfen und düsterelfen (drow ausgenommen)
zeit nach vereinbarung
statuten einsehbar, wie üblich per
hexenboard unter zuhilfenahme unserer beeideten medien abrufbar

12.10.18

der egerländer



DER EGERLÄNDER

ist ein Gebäckstück (Gepäckstück?!?) der ganz besonderen Sorte. Er hat anscheinend die Menschen hier tief berührt, was nicht allzuoft geschieht, denn der österr. Menschenschlag ist normalerweise schroff und unzugänglich. Und dennoch vermochte der Egerländer den Weg zu diesen harten Herzen zu finden.
Die Optik des Egerländers:
An eine Pizza gemahnend, dennoch von kleinerem Durchmesser, weist der optimale Egerländer eine Kreisform auf, die ihresgleichen  selten findet. Leicht und locker gestaltet, in froher Unbeschwertheit vor uns auf dem Teller liegend, verbreitet der Egerländer sein typisches beinah böhmisches Flair. Die Grundlage des Backwerks aus Germteig gestaltet, nett anzusehen, lässt den Gaumen vor freudiger Erwartung beben. Doch ist dies schon alles, was der Egerländer uns zu bieten vermag?

Beileibe nicht. Denn nun beginnt erst die Entdeckungsreise des Auges und es wird wohlgefällig auf Mohn und Topfen (Quark) und auch auf einem nicht unbeträchtlichen Anteil an Powidl (Zwetschgen- bzw. Pflaumenmus) ruhen, beinah schon meditativ - ekstatisch.
Ein Mandala aus Teig ..... Viel liesse sich noch sagen...viel.....

MANN IST DER ÜPPIG. Ich lieg gerade unterm Küchentisch und sammle die letzten Krümel auf, für morgen...


Wer etwas vom Leib des Egerländer verschwendet, wird nicht alt. Geschieht ihm auch recht.


9.10.18

Henry an Le Shayne



Henry an Le Shayne....Kurzbotschaft....


Fuck, Le Shayne! In diesem Zug ist es so heiss wie in einem Hochofen, oder eher einem bleiernen, glühenden Sarg. Habe beschlossen, für die Dauer dieser Fahrt meine Sonnenbrille nicht abzusetzen.
Hier im Speisewagen, der übrigens Kellner-los (also als unsinniges Anhängsel) im rollenden Backofentross mitläuft, wird Coolness höchst geschätzt. Coolness, sonnenbebrillte Lässigkeit, aus der Menschenverachtung spricht (nein, nicht spricht, sondern eher flüstert...es ist zu heiss, um sprechen – oder brüllen, was alle, alle wollen – zu können). Fuck, schon wieder fuck, Le Shayne... ich rauche Kette, bin overactive, irgendwie, sollte mich der müden (?) Lässigkeit hier angleichen. Doch mit gespannten Sinnen verfolge ich aus den Augenwinkeln jede Bewegung meiner sonnenbebrillten Mitreisenden, die ihrerseits jede meiner Bewegungen wahrnehmen, um sie kritisch zu analysieren und als Aktennotiz in einem der unzähligen, sinnlosen Ordner in ihrem überladenen, gepeinigten Gehirn abzulegen. Kameraaugen, Le Shayne, sind nur gut für geübte Fotografen, wie Ihr einer seid.
Diese hier knipsen, ähnlich den Japanern, die wir vor kurzem sahen, Fassadenbildchen: Zuckergussbildchen, unscharf sogar, die sie in ihrem prall gefüllten Aktenordner horten – ja, sie stopfen immer mehr von diesen picksüssen Zuckergusslügenbildchen hinein, obwohl es der Ordner nicht mehr aushält – er droht, zu platzen.... Le Shayne, wenn er nun platzt? (Ein Tunnel, gerade jetzt – es wird Nacht...)

Auf die Ebene meiner sehr geschätzten Computer übertragen:
Wir erstellen einen neuen Ordner.
Wir benennen ihn, manche falsch, manche richtig.
Vorsicht bei der Benennung – höchste Vorsicht!!
Einige nennen den neuen Ordner „Realität“ und werden ihn nie leeren, weil sie glauben, ihn zu brauchen. Andere benennen ihn mit „Illusion“. Sie werden ihr Leben lang versuchen, ihn zu löschen und ihr System reinzuhalten.

Dass wir den neuen Ordner erstellen, liegt wohl in unserer Natur. Er wird bei unserer Ankunft auf dieser recht chaotischen, unordentlichen Welt gleich mitgeliefert. Natürlich stellt sich auch hier die Frage, ob wir ihn selbst erstellen oder eher die anderen, aber es ist wohl müssig, darüber zu reflektieren.

Lost paradise, Le Shayne.... Im Höllenzug, eingekeilt zwischen Menschen und heissem Metall, schwärme ich von erfrischend kühlen Auen und der Freude, die man empfindet, wenn man Menschen trifft.


Am 13.7. des Jahres 1998,
kurz nach dem Hallstatt-Treffen
und noch dazu mein Geburtstag fuck yeah :(

4.10.18

Ein rasches Wort an LeShayne... (logbuch)



Ein rasches Wort an LeShayne…


Manchmal, leShayne, tut es weh, zu leben, sagte Henry, der Silberne Surfer. Es tut weh, wenn du deine Bahn nicht mehr findest, auf einer Insel des Chaos andockst und literweise Blut heulst, innen natürlich, und Blut kotzt.

Wenn du Aggression spürst und Hass, aber nicht mehr destruktiv sein kannst. Der Weg wirkt dann wie ein schmaler, silberner Faden, dem du mit der Lupe folgen musst, der durch Fleischbrocken und Verwesung führt. Wenn die Zeit der Lügen vorbei ist, leShayne, beginnt die Zeit der Schmerzen.
(-Was wäre, wenn auch der Schmerz nur Lüge wäre?-)
Aye, Menschen sind Inseln. Lasst uns die Inseln der Kannibalen umfahren, leShayne, und die ruhigen ansteuern. Auch, wenn auf den Kannibaleninseln grössere Palmen stehen und verheissungsvollere Buchten glitzern, wahrhaft verheissungsvoll sind die Inseln, an denen das Meer sich tosend bricht. Inseln, die den Stürmen trotzen. Von scharfen Felsen umgeben, jedoch mit einer kleinen, sicheren Einfahrt zum Hafen, wo es...windstill ist.
Fühlt Ihr dort noch Schmerzen, leShayne? Schmerzen sind Lügen – sagte ich doch.


Logbuch des Silver Surfer (grins)

Bahne mir mühselig mit meinem schwerfälligen, klobigen, ehemals silbernen Board den Weg durch blubbernde Leichenteile, die an meiner Kleidung und an meinem ehemals schimmernden (silbernen) Haar (korrekterweise an den Seiten ausgeschoren, den Iro aufgestellt – selbstverständlich!) klebenbleiben. Leichenteile und Allmüll kleben wie mit Uhu befestigt an mir, dem Board und auch an meinem Computer, den ich kindischerweise immer mit mir führe. Klatsch. Wieder trifft ein Stück Leiche meinen Monitor, diesmal ist es eine Hand, was mich nachdenklich stimmt. Touch-Screen, leShayne. Wie auf der guten, alten Mutter Erde, als wir noch wandelten, nicht flogen. Ah was, fliegen! Fliege ich gerade, leShayne, oder was?! Ich robbe vorwärts, wirke wieder einmal wie einer dieser obskuren Fans, die bei einem Monsterkonzert in die erste Reihe müssen. Aggressiv trete ich zwei fette Teile von meinem Board, auf dem der Schimmelpilz fröhliche Urständ‘ feiert, entdecke ein Seil (der Weg!!) und knote es mir um die Taille. Mit einem Ruck hole ich es ein und ich sage dir – das World Trade Center in der Fresse zu haben ist auch kein Kinderspiel! Wer macht das Scheissseil an einem Hochhaus fest?!
Normalerweise müsste der Weg silbern sein, aber fuck leShayne bin ich es im Moment?
Ich fühle mich gerade, als hätte ich einen Alcor-Tank ausgesoffen. Du weißt schon – mit Medikamenten versetzter flüssiger Stickstoff mit ner Leiche drin.



Am widerwärtigen 1.9.1998
im EuroNight ‚Amadeus‘....
Ich war allein im Abteil und es war spät....Das Neonlicht schien wie aus tausend kalten Sonnen und blendete mich.


2.10.18

Hallstatt



::Für ‚Judas‘ Frederic leShayne::

Hallstatt

Ich habe geträumt,
ich schleppte meinen
schmerzenden Leib
meine zerfetzte Seele
an einen Ort der Stille,
um mein wahres Selbst wiederzufinden.

Doch das Wasser des Sees
war kochendes Blut
und der Boden
auf dem ich schritt
atmete Verwesung
Die Bäume reckten ihre
schwarzen Krallen
in den Abgrund des Himmels,
der die Welt eisern umspannte
und am Grunde des Sees
tobte ein Geschöpf des Chaos.
‚Ein grosses Kind, das Fliegen tötet‘,
dringt an mein Ohr.
Ein Freund? Ein Fremder?
-Ich möchte so gern
tot sein
gerade jetzt-


gott war ich als kid morbid :)
so viel ärger als jetzt
more to come lol
(klingt echt wie ne drohung)


(der text ist 20 jahre her... dieser leShayne war damals übrigens ein brieffreund von mir. ein "gnostischer wanderer auf dunklem pfad" (manche sachen vergisst man nie - und ich weiss bis heute nicht, was das verdammt noch mal wirklich sein soll :)) und gefühlte 100.000 jahre älter als ich. also genau das, was man als kid braucht, wenn man sich eh so ca. NULL auskennt (also noch eine kleine spur weniger als heute). war kein freund übrigens. ich glaub, das müsste ich gar nicht dazuschreiben... scheisse waren die meetings. gott waren die scheisse. ich hab dann irgendwann mal genug gehabt von dem müll und hab mich vertschüsst. ich glaub inzwischen wirklich, dass die meisten leute einfach nur scheisse sind. lebenserfahrung. ein paar echte juwelen findet man (andrea z.B. und m.), aber die meisten leute? fall für die tonne.