24.11.18

grausige zugfahrt

die geräusche des zuges, schleifen auf schienen
der mond brüllt mich an wie ein hungriges tier
quietschendes metall und zischende funken
ach vor dieser zugfahrt grauset es mir

das leere abteil gähnt schwarz mir entgegen
lichtlose höhle, ein schatten darin
der krötige koffer flegelt derb und bedrohlich
über dem flatternden schatten dahin

kalter nachtwind bauscht vorhang und kleidung
die heizung auf hochdampf und doch friert man ein
der mond brüllt und kreischt mit tausenden stimmen
der schaffner schleicht durch die gänge allein

in der lok sinkt der zugführer blutlos zu boden
durch die gänge schleicht der schaffner-vampir
den mond verbirgt ein blutroter schleier
ach vor dieser zugfahrt grauset es mir

der sinistre schaffner pocht diskret an mein abteil
er kommt herein und lächelt so fein:
er knipst ein löchlein in meinen fahrschein
und zwei ganz kleine in mein hälselein



kleine erinnerung an die wilden zugfahrten bei nacht, nebel, wind und wetter, die füsse am gegenüberliegenden sitz (auf einer zeitung, natürlich, natürlich...), die sisters of mercy voll aufgedreht im walkman, ein kaffeechen oder eine dose bier oder was man auch immer lustiges mithatte in der hand und alle fenster im abteil weit offen, um den mond hereinzulassen...
der vorhang bauschte sich, man war allein mit sich und dem mond und der mukke und manchmal konnte man nicht umhin, das ouija-board herauszunehmen und eine keine runde mit den geistern zu plaudern. wilde nächte. ich zehre heute noch davon :)

18.11.18

das feeling, wenn du resident evil biohazard endlich magst und beginnst dich beim zocken wohlzufühlen und wenn dich dann motion sickness innerhalb von minuten dermassen zerstört, dass du einfach nur betest, dass du nicht kotzen musst, weil dein kumpel gerade neben dir sitzt

dieses feeling hab ich gerade :(

violent violet


du hast die ewigkeit aufgegeben
und nun strahlt dein licht


vielleicht noch nicht zu spät, nie zu spät, das gefühl wieder zu erwecken, das wir damals hatten, als wir frierend in dieser unglaublich kalten bar zusammen sassen, imuhar, juliette und ich, und immer wieder muss ich daran denken, ich muss eure hand erhaschen und sie halten, mir ist kalt, ich erfriere, wo verdammt seid ihr!!!!!!!!!!
wir waren beschäftigt, viel ist passiert, drüben brodelt das volle leben…versteht ihr?
*mixt sich wieder mal einen model inside und starrt die wand an, wünscht sich eins von julis bildern drauf, seufzt* das volle leben. es ist auch gut so, aber…es übertönt so manches, das in der stille besser aufgehoben wäre. vielleicht denkt ihr genauso wie ich.

ich muss euch jetzt was hier lassen. *geht zur bar und mixt etwas neues zusammen, es flirrt über der theke und violette lichter tanzen auf den wänden.* shine denkt an eine völlig irrsinnige discokugel und beginnt, albern vor sich hinzukichern.* leute, ich hab von archangel geträumt. und es war eine bar in einer real existierenden stadt. wir hatten kaum gäste, wisst ihr. *lacht noch alberner.* wir waren ehrlich gesagt nur drei. es liegt wahrscheinlich daran, dass die leute die kälte nicht vertragen. weicheier.
soll ich den drink weichei nennen? denkt er noch und richtet inzwischen blaubeermuffins für die beiden auf einem teller her. ihr müsst zuerst eine unterlage zu euch nehmen, sonst haut euch der alk völlig zusammen. ich weiss das, ich hab dauernd gekostet. noch alberner als er kann man nicht mehr lachen. untermalt von einem unglaublichen song, der sich etienne nennt, werkt er hinter der bar und fühlt sich endlich wieder zufrieden. gott, die typen da draussen, die eben geschockt hier durch die fenster glotzten, hättet ihr mal sehen sollen, aber für die sieht es sowieso so aus, als hätte die bar geschlossen. für manche ist die bar eben immer geschlossen. er blickt den proleten indigniert nach und giesst sich gleich noch ein glas von dem neuen cocktail ein. wie soll das teil nun heissen?…

violent violet

der soll immer dann getrunken werden, wenn man dieses scheissleben wieder mal nicht verkraftet.
*wankt eben stockbesoffen, abgefüllt mit violent violet bis zur halskrause, durch die gassen rüber zur kirche, die mitten in der nacht noch offen hat, überlegt, sich kurz noch messwein zu klauen, verwirft den gedanken wegen seiner momentanen verfassung und zündet statt dessen rote grabkerzen vor dem altar an. denkt wieder an die irre discokugel und lacht in der leeren kirche schallend, verlässt lachend den raum*

15.11.18

The Numbers of the Beast

660
Approximate number of the Beast
DCLXVI
Roman numeral of the Beast
666.0000
Number of the High Precision Beast
0.666
Number of the Millibeast
/666
Beast Common Denominator
1010011010
Binary of the Beast
Beast1-666
Area code of the Beast
00666
Postcode of the Beast
1-900-666-0666
Live Beasts! One-on-one pacts! Call Now! Only $6.66/minute.
Over 18 only please.
$665.95
Retail price of the Beast
$699.25
Price of the Beast plus sales tax
$769.95
Price of the Beast with all accessories and replacement soul
$656.66
Target price of the Beast
Route 666
Way of the Beast
666F
Oven temperature for roast Beast
666mg
Recommended Minimum Daily Requirement of Beast
Netscape 6.66
BetaBrowser of the Beast
i66686
CPU of the Beast
666I
BMW of the Beast
668
Next-door neighbour of the Beast


more numbers of the beast: https://www.fzu.cz/~sipr/documents/beast.html


14.11.18

Killing Joke - (1985) - Love Like Blood







Artist: Killing Joke
Album: Night Time
Release Date: 1985
Label: EG Records



11.11.18

gesprengter asphalt

die frau, die schwarzen rauch ausatmet
steht mitten im weg auf dem gehsteig vor dir
scheint so als würde sie ihre seele ausatmen
steht einfach nur da mit den augen richtung himmel
füllen sich grad mit regenwasser, die augen
wie schalen, ihren ausdruck kannst du dir denken
feine risse denkst du
erst feine risse dann grobe risse
wie der asphalt den ein grashalm sprengt


jeder mensch muss priester sein wenn du plötzlich da bist
weil da wo du bist gott nicht ist
aber gott muss sein
er muss sein!
wenn du da bist, ist gott weit weg
und ich kenne keinen, der die völlige abwesenheit gottes ertragen könnte
jeder fühlt gott auf die eine oder andere art und es ist so verdammt scheisse und gemein, darüber auch noch zu diskutieren, ob es wirklich gott ist das man gerade fühlt, wenn man fühlt.
sich selbst, den baum neben dir, das mitgefühl für ein missbrauchtes kind, die qual, wenn man gefolterte sieht
es ist so verdammt gemein und unfair, wenn man dann noch darüber theorien anstellt, ob es gott ist was man gerade fühlt
unfair denen gegenüber, die fühlen
unfair denen gegenüber, die gerade leiden oder leben
warum verstehen die menschen nicht, wie verdammt gemein sie sich verhalten?
dass sie theorien aufstellen, wie formeln, für das,  was man da gerade in sich trägt.
(also, gott...ich würde ja eher sinn dazu sagen...oder vielleicht eher leben...oder was auch immer)
bis es beinah peinlich wird, von gott zu reden, man könnte ja für hinterwäldlerisch oder dumm gehalten werden

warum? frage ich? warum ist es mit einem mal so verdammt schwer geworden, das auszudrücken, was man als kind so locker über die lippen gebracht hat? weil leute, die man nicht mal richtig kennt, dann lachen und mit dem finger auf einen zeigen könnten? weil man verarscht werden könnte oder für einen religiösen spinner gehalten werden könnte, einen fanatiker, einen, der voll daneben steht.
wie würde ein kind sagen? wenn es über eine wiese läuft, gerade keine sorgen hat, nicht geschlagen wurde, nicht unterdrückt. einfach nur ein kind, dem es gerade verdammt genial geht? das vielleicht nen drachen nachschleppt, der dann in den blauen himmel fliegt, und dem es nachsieht und dieses kind, das dann dieses seltsame gefühl hat, ein glücksgefühl, das wie eine riesenwelle über ihm zusammenschlägt, das rasende herzklopfen, die augen, wild und glückselig, was hat das kind in seinem herzen in diesem augenblick? etwas, das es als erwachsener mit theorien und formeln zerstören wird. aber ich frage euch, ist es nicht das wichtigste, das man fühlen kann? ist es nicht der grund, wofür man überhaupt lebt?
dem kind ist gott ein begriff. es weiss genau, was gott ist, ganz genau.

es gibt leute, die sich allen ernstes einbilden, dieses wissen der kinder nicht zu brauchen.
leute, die es anscheinend jetzt viel besser wissen. nur warum finde ich sie so erbärmlich? so klein.
dabei sagen manche, kinder wären klein.
es ist seltsam in dieser zeit. man darf einfach alles, alles ist erlaubt und sogar erwünscht.
satanist zu sein, z.b., ist durchaus respektabel, und niemand regt sich darüber noch gross auf, man lässt ihn einfach in ruhe, oder? "glaubensfreiheit", oder? jeder macht das aus seinem leben, was er will. denkste. nur stellt euch die situation vor, wenn da einer kommt und erzählt, dass er an gott glaubt. die reaktion? zynismus. verachtung. manchmal sogar hass. ach, du armes kleines menschlein, wie winzig bist du, du wurm.
und du betest sogar. was für ein verlierer. was für ein armes schwein.
ich hasse satanismus. er kotzt mich mega an. warum? weil er menschen daran hindert, miteinander friedlich zu leben.
das ist alles. und ich denke, das ist ein argument, das wohl verstanden wird.
dass ich nicht mal das, was ich so hasse, verarschen oder vor anderen leuten schlecht machen würde, ganz einfach, weil ich denke, dass diese menschen ihren weg einfach gehen sollen, wie sie wollen, ist für mich ehrensache. ich würd's nicht so machen, aber das ist meine sache allein und ich würd's denen nicht ans bein binden.


schmerzensbringer

ich hasse es, andere zu verletzen. vielleicht tue ich es, aber ich versuche, mich im zusammenleben mit anderen so gut zu beherrschen, dass sie mich nicht als störfaktor empfinden. es ist eine art lernprozess. man lernt, andere in ruhe zu lassen, einfach nur leben zu lassen, auch wenn man sie nicht versteht oder akzeptiert. meine einstellung dazu ist, dass ich dasselbe dann auch von anderen verlangen kann, zumindest von menschen, die ihre 5 sinne noch beisammen haben.
ich kenne leute, die andere bewusst verletzen, je schwerer, je besser. leute, die ihren latenten sadismus hier ausleben, als wären sie elefanten im porzellanladen. alles menschen, die sagen: warum denn nicht? ich kann es, also tue ich es.
komische einstellung. ich kann es, also mache ich es.
ich kann auch einiges. ich kann quälen. ich kann so quälen, dass rundherum alles vor schmerzen brüllt. jeder kann das.
vor allem kreative leute.
ich kann so verdammt viel. ich kann schwächere zerstören. ich kann tiere quälen. ich kann leute so diskriminieren, dass sie kaputtgehen. ich kann über alles lachen, was anders aussieht oder anders denkt als ich. ich kann kranke verachten für ihre schwäche. ich kann hinterfotzig sein und mir kleine giftige intrigen ausdenken. fallen stellen, in die andere reinplumpsen, und mich diebisch über ihre naivität freuen. das alles kann ich. das sind meine talente, die ich habe. seht ihr, wie genial ich bin? einfach klasse. nur warum freu ich mich nicht drüber? das sollte ich doch, oder? ich kann ja so viel. warum stell ich mich nicht über andere, wo ich doch diese verdammt unheimlich tollen talente hab, um die mich garantiert alle beneiden, denn diese talente, liebe nächtliche mitleser, befähigen mich doch, mich gross und fett als meister hinzustellen und zu sagen: ich bin besser als ihr. ich kann jeden fertigmachen. ich bin nicht blöd, mir fallen viele gemeinheiten ein, grausamkeiten, intrigen,
kleine sticheleien hier, gedankengift dort....

und dann würde ich mal leute bewusst fertigmachen. nicht so, wie wir es im alltag immer machen. ihr kennt das ja alle. man hat manchmal das gefühl, sich wehren zu müssen, weil man von leuten fertiggemacht wird, im büro, im bus, im supermarkt. also wehrt man sich. wie ist das gefühl eigentlich, wenn man sich erfolgreich gewehrt hat? wenn man schneller als der andere war, wenn man der sieger war? wie siegt man denn eigentlich? indem man auf ein absolut primitives und unwürdiges niveau runtersteigt und ich sage euch, jeder sieg war erbärmlich. lieber verlieren als so zu siegen. schämen war noch ein hilfsausdruck. zumindest bei mir.
ich hab mich immer als aggressiver kretin geoutet, der sich gerade nicht im griff hat. wie hätte ich mich an einem solchen sieg erfreuen können? klar, man hat mich eine zeitlang in ruhe gelassen, aber das, was sich dann in mir abgespielt hat, war schlimmer als jede form der verarschung oder diskriminierung von aussen.
ich frag mich einfach, wie es geschehen kann, dass man leute bewusst verletzt. was in einem menschen vorgeht, dass er etwas dermassen dummes und primitives überhaupt versucht. ich frag mich, ob die leute es wegen einer bestimmten geisteshaltung tun, also, ob eine philosophie dahintersteckt. jemanden aus vollster überzeugung fertigmachen. oder ob die leute anders gepolt sind als ich. vielleicht ist es das, ich weiss es einfach nicht, aber ich würde es gern verstehen.


ich meine, wie kann einer allen ernstes sagen: ich kann es, also tue ich es?
für mich ist das die grauenvollste einstellung, die es gibt.
was würde ich aus der welt um mich machen, wenn ich genau das täte, was ich kann?
das sonderbare daran ist, dass ich manche gefragt habe, warum sie es tun und dass sie mir keine logische antwort geben konnten. sie meinten einfach, sie würden es machen. es wäre für sie natürlich. sie würden nur ihrer natur folgen. hat hitler auch gemacht. nur seiner natur gefolgt. war auch nicht gerade das wahre.
nur hitler ... ne völlig verrückte scheisshausratte, wenn ihr mich fragt. verrückter als 'n crackhead. der konnte nicht anders. jetzt nehm ich mal an, dass nur verrückte ihrer natur folgen. sie sagen, sie können nicht anders. das ist doch eigentlich irre. weil jeder anders kann, der fähig ist, sich zu beherrschen. und selbstbeherrschung sollte noch immer als eine der vornehmsten eigenschaften des menschen sein. der mensch sollte sich selbst besiegen. damit er nicht eines tages von sich
behaupten muss: ich konnte ja nicht anders...und damit nicht leute wie ich daherkommen und sagen:
du hast sie nicht mehr alle.
leute bewusst verletzen?
für mich ein zeichen von wahnsinn.
ab in die klapse....


wie ein halm, der den asphalt sprengt
ist ein mensch, der nicht schweigend zusieht, kawazu.
ich stelle mir das "böse" wie diese erstickende aspaltdecke vor,
genauso massiv und dennoch fragil, wenn man den richtigen winkel erwischt,
um die aspaltdecke zu sprengen.
wenn genügend grashalme clever genug sind und zum licht hinaufwollen,
weil der asphalt ihre sicht auf die welt behindert,
dann zerbricht dieses hässliche grau in tausend stücke und existiert nur noch
als staub in verkommenen ecken,
und sogar diese ecken müsste man säubern, man müsste gerade dort kehren und aufwischen,
denn dieser staub könnte gefährlich werden. man atmet ihn zu leicht ein und er vergiftet den geist.
vielleicht ist sogar der staub gefährlicher als die asphaltdecke selbst.
er ist unauffälliger.

Der Schmetterling und der Jadevogel

Das einsam gelegene Haus auf dem Hügel machte den Eindruck einer chinesischen Gaststätte. Obwohl es spät am Tage war, hatte man darauf verzichtet, die Lampen anzuzünden. Auf der mit Ornamenten reich beschnitzten Eingangstür befand sich das gemalte Bild eines prächtigen roten Schmetterlings, dessen Flügel mit goldenen Ornamenten reich verziert waren. Die Tür war nicht verschlossen.

Der Weg herauf war lang gewesen. Sie war allein gekommen und wartete schon lange. Fröstelnd im Luftzug, müde, viel zu müde, um wieder aufzustehen und den Raum zu verlassen, obwohl sie es wollte, mit jeder Minute mehr, immer verzweifelter wünschend, einfach aufstehen zu können, den Raum zu verlassen, dann das Haus, auf die Strasse zu treten und dann nur noch zu laufen. Vielleicht war es ein Fehler gewesen, das Haus zu betreten, doch sie war glücklich gewesen, als sie es getan hatte, so glücklich wie noch nie in ihrem Leben. So glücklich, dass ihr Herz wie ein kleiner Jadevogel war, der zum ersten Mal in seinem Leben davon träumte, zu fliegen und nie wieder landen zu müssen.

Sie konnte nicht mehr aufstehen. Sie war so müde, dass ihre Knochen wie aus Glas schienen und jeden Moment zu zerbrechen drohten. Sie wollte nichts mehr essen. Der süssliche Geruch von Tod und Verwesung, den sie kaum wahrgenommen hatte, als sie gekommen war, war inzwischen so stark, dass ihr Magen krampfte. Von den leeren Gängen schien ein Sog auszugehen, der sie ins Zentrum des Hauses zog, die Lampions schwankten im Luftzug, die Minuten verstrichen langsam wie zähflüssiger Teer.

Warum blieb sie hier?
Der leuchtend rote Schmetterling sass vor ihr auf der Tischplatte und starrte sie mit seinen Alienaugen an. Ekel überkam sie, eine Welle von Übelkeit, sie dachte an die Rote Pest und begann zu würgen.  Der Schmetterling schlug träge mit den Flügeln und der Geruch von verwestem Fleisch wurde stärker. Mit halbgeschlossenen Augen sah sie die seltsam verschlungenen Ornamente auf seinen Flügeln, die hypnotisch auf und zuklappten. Sie hielt ihm einen Finger hin und er kletterte hinauf. Es war mehr Schmerz, als sie gedacht hatte. Niemals hatte sie gedacht, dass es einen Schmerz wie diesen gab, er war wie der Schmetterling: vollkommen. 
Sie verlor binnen Sekundenbruchteilen ihren Verstand, es wurde schwarz und still um sie, ihr Bewusstsein schwand. Als sie sterbend vornüber sackte, mit dem Kopf auf den gefalteten Händen der Tischplatte ruhend, floss das Leben aus ihr heraus wie Blut aus einer offenen Wunde. Die verschlungenen Ornamente auf den Flügeln des rubinroten Schmetterlings wuchsen und bildeten neue Verzweigungen, DNA-Doppelhelixstränge, die sich zart und lieblich wie feinste Verzierungen über die Haut der Flügel zogen. Er zuckte im Rhythmus ihres sterbenden Herzens und sass dann still.
Die Lampions schwankten im Luftzug, der Schmetterling schlug noch einmal mit den Flügeln und erstarrte. Der Himmel überzog sich mit Grauviolett, die Abenddämmerung war hereingebrochen.
In der stillen Nacht begann der Jadevogel zu singen.
Der Schmetterling hingegen starb und zerfiel zu Asche.
 
Alles ringsumher versank in Nebel. Die Wände des Hauses wurden durchsichtig und begannen, sich aufzulösen. Für einen Moment schimmerten die Mauern wie von innen beleuchtetes rotes Glas. Dann war das Haus verschwunden, als wäre es von der Nacht verschluckt worden. Mondlicht beleuchtete den kahlen Hügel, auf dem sich nichts befand ausser den schlanken Stämmen einiger windzerraufter Fichten.

Als der Mond unterging und das erste Licht des Morgens über den Hügel kroch und den Stämmen der Fichten lange Schatten verlieh, fiel das Licht des ersten Tages auf die Mauern eines grossen Gebäudes, das den Eindruck einer chinesischen Gaststätte erweckte.
Auf der reich beschnitzten Eingangstür befand sich das gemalte Bild eines grün schillernden Vogels, der einen Zweig mit rubinroten Beeren im Schnabel trug.

6.11.18

Rob Coffinshaker OFFICIAL: "Whispers Through the Black Veil"







Rob Coffinshaker - "Whispers Through the Black Veil" (Rob Coffinshaker)
from the compilation LP "Whispers Through the Black Veil" released on Wyrd War 2014.



5.11.18

gesänge der traurigkeit


vergiftetes herz

im botanischen garten fokussieren sich glutrote brenngläser
in der mitte wächst ein phönix auf einem steinernen podest
pirouettenschlagende pfauen begleiten dich auf verschlungenen arabeskenpfaden
aus algenbegrünten becken und bassins greifen nixenhände
die mit glitzernden schuppen bedeckt sind
eine hält dir einen ring entgegen
nimmst du ihn so gehörst du auf ewig ihr und musst ertrinken
wasserleichen von jünglingen treiben langsam den flusslauf hinab
deine augen folgen ihren trägen bewegungen durch wirbel und lichte wogen
am ende der reise nagen kleine meeresfische das zarte fleisch von ihrem gebein
der schrei des pfaus lässt grüne und blaue eisblumen auf dem asphalt wachsen
die alsbald zerrinnen zu marmorierten briefbögen,
auf denen du die handschrift eines alten freundes wiederzuerkennen glaubst
komm in den pavillon heisst es da
und wir werden unser wiedersehen feiern wie es bei uns der brauch ist
in den lichtlosen gefilden
du missachtest die einladung, denn er ist längst von uns gegangen
gestorben in einem fernen land voll alter magie und totenerweckung
du setzt deinen weg fort hinein in den sommerabend
während er leise aus dem pavillon tritt und dir mit leeren augenhöhlen nachblickt
ein lächeln hebt euer beider mundwinkel wissend dass ihr euch durchschaut
doch freunde werdet ihr sein bis über das ende der zeit
der himmel umarmt die erde an manchen tagen
die gefahr ist am grössten die schönheit dringt giftig in dein herz
verwese, flüsterst du deinem alten freund ins geisterhafte ohr
dann will ich an deinem grab weinen wie aus einem brunnen
er lächelt sachte und lässt einen strauss trockener nelken an deinem grabmal zurück
verwese flüstert der tag dem himmel zu
dann will ich dich beweinen wie die beiden brüder es taten
und um dich trauern wie ein geliebter
es ist so, dass bestimmte tage wie marzipan sind
süss am gaumen und bitter im herzen
der himmel färbt sich violett am ende aller tage