19.7.19

nachtrag zum tag, der nicht grad mein tag war...
anscheinend war er es doch. denn ich hab meine zwei freunde wieder. beide!
sie mögen mich noch immer genauso wie früher und ich bin so so so dankbar
ihre freundschaft war mein bestes geburtstagsgeschenk
(ich kling wie der überkitschige schnulzensänger, aber ich fühl es echt so)
ich depp
hätte ihnen durchaus ein bisschen vertrauen können.
dachte schon, sie wären sauer, weil ich sie belästige,
dabei waren sie froh darüber
falsch gedacht wie so oft
kein darkwebkiller for me :)

13.7.19

nicht grad mein tag

egal, was ich heute mache, es ist absolut für den a****, ob es kreativ ist oder kommunikationstechnisch. ich hab sogar versucht, uralte stillgelegte freundschaften wiederzubeleben, und das auf fb - hab messages geschrieben und werde wahrscheinlich auch nix zurückkriegen. aber heute war so ein dermassen seltsamer tag. alles mussste versucht werden, ob man sich chancen ausrechnet oder nicht. und manches ist nun mal chancenlos. wenigstens hab ich das versucht, was ich seit ewigen zeiten versuchen wollte und wozu ich keinen mut hatte. nur ist das so'ne sache mit dem mut - irgendwann ist er nämlich weg und man fühlt sich einfach nur dämlich.

ich werd mich nie wieder bei ihnen melden - es sind 2 leute gewesen (2 ex-brieffreunde) - also wenn nichts zurückkommt, dann werde ich alles löschen, auch die erinnerungen an die guten zeiten. und es waren manchmal sehr gute zeiten. heute ist der fiese erinnerungstag und man sollte an einem solchen tag einfach nur im bett bleiben. ach ja, geburtstag hab ich heute auch noch, happy birthday to me i guess

dieser tag ist wie ein eurocity, der in voller fahrt auf dich zudonnert

wahnsinn, aber ich hätte gern ihre gesichter gesehen,
als ich nach jahren wieder aufgetaucht bin :)
hoffentlich schicken sie mir keinen darkwebkiller
damit ich mich ja nie wieder melde


hatte irgendwie kultfaktor

10.7.19

brutalistisch urlauben


beton-tischtennisplatten-ambiente

heute in der kleinen zeitung kärnten & klagenfurt gefunden. ich mag es. es erinnert mich an meine kindheit. nicht, dass wir daheim einen tischtennistisch aus beton hatten, aber wir waren so ziemlich jedes jahr im sommer in jesolo und dort gab es die brutalen tischtennistische aus beton und dieses gewisse ambiente, das dir beinhart mitteilt, dass du gerade in einem zweckentfremdeten brutalismus-wohnblock deinen urlaub fristest.

passt gut zur freischwitz-schimmelkultur, die ich vor einiger zeit in einer zeitung (leider keine ahnung mehr, welche) gefunden habe. die schimmelkultur, die in brutalistischem ambiente auf betontischen urlaubt und frei von allen zwängen vor sich hinschwitzt.


9.7.19









29.6.19

töten alle lust

logbuch | dienstag, 13. november 2001


es gibt einen platz da draussen, wo wir hingehören. manchmal denke ich, ich weiss genau, wo der ist, aber dann verschwindet er wieder aus meinen gedanken, wahrscheinlich dann, wenn die welt zu laut und aufdringlich wird. wenn die welt nur aus lauten tönen besteht und aus reissenden schmerzen, die wie ein roter schleier durch meine gedanken gleiten, dann ist dieser platz nicht mehr fühlbar, er wird schon noch da sein, irgendwo ganz hinten in meinem kopf, verdrängt von einer vielzahl von verwirrenden einflüssen.

dieser ort ist zu still, um die laute welt zu übertönen. das hat er auch nicht nötig. denn immer, wenn die nacht hereinbricht, wenn die abenddämmerung kommt und der himmel langsam von grau überlagert wird, bis alle farben sanft erloschen sind, ist er plötzlich da, der ort, wo ich hingehen muss, weil ich keine andere wahl habe, wohl auch, weil ich nie eine andere wahl wollte. im grauen himmel der abenddämmerung steht ein wort, hingehaucht, in den farben von regen und asche, es lautet ‚remember‘. und dann wird es still. wenn die dunkelheit das leben zudeckt, das leben auszulöschen scheint, dann erwachen die anderen. es gibt einige, die sich an belebten, lauten orten treffen, um die nacht zum tag werden zu lassen, sie brauchen licht und lampen...viel künstliches licht, damit die dunkelheit in ihre schranken gewiesen wird. damit der mensch sich immer noch sagen kann, er könne sich überall gefahrlos aufhalten. die vielen lichter in der nacht haben jedoch keinen einfluss auf die tatsächlichen vorgänge, die regelmässig ablaufen und von den eingriffen der menschen nichts ahnen. manchmal muss ich lachen, wenn ich daran denke. so wie heute, wo mich dieser gedanke zwar nicht zum lachen, sondern eher zum lächeln bringt. ich denke mir, dass wir etwas daraus lernen könnten...ist es nicht so, dass man erst das glück gefunden hat, wenn man von den menschlichen tätigkeiten nichts ahnt? das glück der engel...von diesen eingriffen in die wahre natur der welt, die so primitiv und brutal sind, dass man von zerstörung und vernichtung sprechen könnte, nichts ahnen zu müssen...der mensch ist es gewöhnt, zu vernichten. alles, was menschen tun, was sie immer getan haben und immer tun werden, ist es, zu vernichten. erst die distanz zu ihnen lässt uns (über)leben. manche schaffen es nicht. man kann sehen, wie sie enden...vielleicht waren sie immer schon taub und blind für die tatsächlichen vorgänge hinter dem dünnen schleier, wahrscheinlich haben sie das gebrüll der menschheit viel zu ernst genommen. ich jedenfalls weiss, dass es sich wie das gebrüll von wilden tieren anhört und ich beginne, in die stille zu lauschen, um etwas zu hören, das beinah unhörbar ist. man muss sehr gut hinhören, um es wahrzunehmen. man möchte sich verändern, sich der umgebung anpassen, eine form der evolution durchlaufen. diese art der mutation scheint auch zu funktionieren.

die sinnesorgane entwickeln sich weiter. manchmal erträumt man sich flügel. sie wachsen in der abenddämmerung und man behält sie solange, wie die dunkle welt existiert. das sonnenlicht des morgens, das mir ekel einjagt und mich beinahe zum kotzen bringt, lässt mich gnadenlos abstürzen. es ist grausam, dieses licht und die wimmelnden, tobenden menschen jeden tag erneut erleben zu müssen, aber ich glaube, es führt zu nichts, wenn ich mich nun selbst betrauern würde. ich fliege eben mit unterbrechungen – und man kann ja auch einen beträchtlichen teil des tages verschlafen (ich zumindest, da es meine arbeit zulässt). natürlich würde ich am liebsten den ganzen tag verschlafen – ich träume jedenfalls oft davon. man müsste schwarze vorhänge haben – und schalldichte fenster...kein laut soll hereindringen. alles soll dunkel und still sein. vielleicht brennt ein winziges öllicht an der wand oder ein kleines, rotes grablicht und verbreitet diesen sakralen, beinahe schon ordinären geruch, den ich so liebe. dieser geruch ist sex pur. vielleicht halte ich mich deswegen auch noch manchmal in kirchen auf – vielleicht brauche ja auch ich noch eine art der sexualität... kirchen stinken. sie stinken ordinär wie sakrale bordelle, die uns manchmal durchaus zum verweilen einladen...kirchen und leichenhäuser, wobei ich mich bei letzteren jedoch zurückhalte. ich weiss, was sich gehört. und niemand soll von mir behaupten dürfen, ich sei nekrophil....ich interessiere mich für diese bizarre deformierung des menschlichen sexualverhaltens, das gebe ich schon zu. kranke, sieche perversionen empfinde ich als unterhaltsam, ich neige jedoch dazu, mich eher distanziert zu verhalten. der wurm, der das innere dieser bedauernswerten kreaturen zerfrisst, soll niemanden von uns befallen. trotz der beschäftigung mit dem übel sollte man extremen wert auf gesundheit in jeder form legen, körperliche wie geistige. dennoch ist es unangebracht, sich zurückzuhalten...man kann durchaus im dreck wühlen, solange man selbst nicht schmutzig wird.

ich musste gerade an dieses interview denken, das ich online in irgendeinem der vielen goth zines gelesen habe. anscheinend war diese geschichte die vorlage zum film ‚kissed‘, einem meiner lieblingsfilme, vielleicht sogar mein liebster, bis auf weiteres. die frau, die ihre geschichte zum besten gab, ist dermassen krank und widerwärtig, so degeneriert, dass man durchaus einen leichten anflug von ekel verspüren kann (was dann und wann ebenfalls ein feines erlebnis ist). ich frage mich, wo die frau mal landet. natürlich im gefängnis, wenn sie so weitermacht, oder im irrenhaus...aber das meinte ich eigentlich nicht damit. was geschieht mit solchen kreaturen, wenn sie selbst sterben? natürlich finde ich dieses jetzt immens witzig. ‚wie du mir, so ich dir‘, heisst es ja, oder ‚was du anderen antust, das wird auch dir geschehen‘ (oder so ähnlich). dann wäre die logische konsequenz ihres bizarren treibens natürlich, dass sie selbst nach ihrem tod von irgendeiner kranken kreatur vergewaltigt wird, oder ‚geliebt‘, wie sie es voller gefühl und herzeleid zum besten gab. sie liebt die toten. bis der geruch unerträglich wird. irgendwo habe ich gelesen, dass es leute gibt, die die toten mit nach hause nehmen und waschen, sie ankleiden und mit ihnen reden, ja, sogar mit ihnen flirten. das ist sogar für mich etwas zuviel...wenn ich mir vorstelle, dass dieses ungleiche pärchen zusammen am tisch bei kerzenlicht sitzt...sie isst, er sieht zu... ich finde es langweilig, wenn nur ich rede. auch das ist ein guter grund dafür, nicht nekrophil zu werden. ich höre gerade die stimme meines gewissens: ‚mach dich nie über geisteskrankheiten lustig‘...ooch. das mache ich aber schon die ganze zeit. zumindest, seit ich über die menschheit nachdenke. ich überlege gerade, was ‚gewissen‘ überhaupt sein soll. wie ist ‚gewissen‘ eigentlich beschaffen? das sind doch all jene inhalte, die uns unsere erzeuger sowie die anderen ‚erziehungsberechtigten‘ geradezu eingeprügelt haben. eine angelernte sammlung von possierlichen verhaltensmustern, die der perfekten anpassung an die menschheit dienen, die uns helfen, nicht zu bestien zu verkommen, die sich eventuell über geisteskrankheiten lustig machen, anstatt mitleid zu heucheln und den armen kreaturen unverzüglich helfen zu wollen. ich gebe ehrlich zu, dass ich nicht im traum daran gedacht habe, der nekrophilen frau aus dem interview zu helfen. so, wie sie es gerne hätte, dass man ihr hilft, kann man es ohnehin nicht tun...das würde bedeuten, den pfad der legalität zu verlassen und ihr beim leichenraub zu helfen....oder zumindest schmiere zu stehen (was für ein genialer ausdruck!), wenn sie gerade beim geliebten einsteigt. ich frage mich, ob sie es mit sezierten kadavern auch treibt. vielleicht gerade dann – ich habe das interview gelesen...sie ist wirklich krank.

in der goth-szene, zumindest in der amerikanischen, galt es vor einiger zeit als chick, sich mit nekrophilie auseinanderzusetzen. wahrscheinlich hat ‚kissed‘ den ‚hype‘ ausgelöst – man stelle sich vor: den ‚nekrophilie-hype‘...ich kann nur von mir sagen, dass der film schon ziemlich überzeugend war. er transportiert dieses gewisse versonnene gefühl, ein verwaschenes, traumähnliches gefühl, das einen extremen gegensatz zum eigentlichen, knallharten thema darstellt... ein traumwandlerischer gang durch lichterfüllte tage, ohne die schattenseiten wirklich zu zeigen, ein sonderbar märchenhaft leichter film. vielleicht war es diese form von geisteskrankheit, die die sich gerade in diesen szenen offenbarte? vielleicht hat die frau genau das gespürt...oder gesehen, wer weiss. die wirklichen schattenseiten kamen erst in dem interview zu tage, als sie beschrieb, dass sie sehr wohl wüsste, dass die leute sie schon beobachten würden, aber dass ihr trieb schon zu stark wäre, um sich dagegen zu wehren. sie wusste, dass es probleme geben könnte und sie hatte natürlich auch angst, verhaftet zu werden und in irgendeine anstalt zu kommen. und trotzdem musste sie diesem trieb nachgeben. ich glaube, ich würde mich nur noch hassen. ich hasse es, die selbstkontrolle zu verlieren und einer primitiven, archaischen regung nachzugeben. sex ist eben archaisch und ich will es nicht mehr sein, versuche mein bestes...auch eine art der perversion. ‚töten alle lust‘. ist das jetzt eine band oder der titel einer cd?

‚töten alle lust‘ ist erotisch. warum auch immer. alles, was ich erotisch finde, steht in diesem satz. ich finde mich in diesem satz. warum ich mich dann mit den abseitigen, dunklen seiten der menschlichen seele/sexualität beschäftige? vielleicht aus abenteuerlust, vielleicht brauche ich diesen kick, immer wieder verbotene, gefährliche dinge auszugraben und mich an ihnen zu delektieren wie an einem alten, verdorbenen wein. doch wer könnte von diesem wein lange trinken, ohne dass er ihm auf den magen schlagen würde? ich gestatte mir die kleine perversion, mich an gift zu delektieren, an kleinsten portionen nur...ist es nicht so, dass man immer eine kleinste dosis gift zu sich nehmen soll, damit man am ende gegen dieses gift wirklich immun ist? ‚töten alle lust‘ scheint das resultat davon zu sein.



uralter gruftitext aus meiner extremsten zeit
manches (sicher nicht alles) gilt aber immer noch,
vor allem der teil über die stille

27.6.19

on this lonely dark side of the street

we are driving on a lost highway and god you are driving so fast
on this lonely dark side of the street
and you don't know that i am
always sitting by your side
a ghost by your side
always holding your hand
always looking out for you
always smiling at you
on this lonely highway in this lost world without a name
i am by your side not only in this game
NOT ONLY IN THIS GAME
and you will see me one day sitting next to you in your car when you are driving  home after a night filled with dancing and loneliness and then i will be real
when you see me
you know, like, in the lyrics of the sisters of mercy – i don’t exist when you don’t see me...
(lol, this was so awkward)

promise me one thing just one fucking thing...never stop looking out for me.
then i will shine for you.
i guess i can make you forget this world out there, this freakshow out of control
and you are doing the same thing for me,
cause when i‘ve read your text i‘ve smiled for the first time today.



conversation in a quiet place, a long time ago
it's scary how fast time passes
how things twist and turn
when we get expelled from 'paradise'
and paradise is so small
now we almost don't see it anymore
we can't remember
but we must
so i return to the quiet place
and try to listen
once again

CONCRETE BLONDE Mexican Moon






24.6.19

Atemlos

Die Hecken, an denen ich entlangging, die Efeuranken und dornigen Rosensträuche, die schmiedeeisenen Zäune, die hohen, dunklen Bäume und die alten Villen hier oben am Hügel, alles glitzerte. Eine gleissende Welle kühlen Lichtes erfasste mich plötzlich, legte sich über den Hügel und seine engen, gewundenen Strassen. Für einen winzigen Augenblick wurde die Welt durchsichtig, als würde sich ein luftiger Vorhang heben. Dahinter schien alles gleich zu sein, jedoch nur beinahe. Das Leben war aus der Welt gewichen, das atmende, der Zeit unterworfene Leben, wie es sich täglich in seiner Entsetzlichkeit zeigt. Das Leben war gewichen und war dennoch da, es hatte sich nur gewandelt. Die Zeit war stehen geblieben und ein Kontinuum hatte sich geöffnet, ein anderes Raum-Zeit-Gefüge, das sich hinter dem uns bekannten, von uns erzeugten befand. Hier glänzten Wassertropfen auf dornigen Ranken, dort wiegte sich ein Blatt im Wind, gehüllt in eine Aureole aus kühlem Sonnenlicht und ich sah das wahre Gesicht der Dinge, als ihnen die frische, kühle Brise, die uns überschwappte, das Leben nahm.
Den ewigen Dingen wohnt eine Starrheit inne, die zutiefst beruhigend ist....nicht erschütternd oder gar schrecklich, wie ich früher dachte, sondern vertraut, als wäre jede Art der Bedrohung verschwunden. Und ich wurde ich selbst, wuchs zu mir selbst heran, meine Seele ist wahrhaft grösser, als ich dachte. Hier liegt sie in Ketten, doch dort streift sie frei durch verwilderte Gärten, bestaunt die mystische Natur der Dinge und atmet frei die kühle, golddurchwirkte Luft.
Als die Zeit stehenblieb, hauchte die Natur lächelnd, dankbar den Odem eines falschen Lebens aus...so auch ich...und als ich später in den Spiegel blickte, sah ich eine blasse Frau mit Haaren wie Rabenfedern und grossen, schwarzen Augen, aus denen, trotz Tageslicht, der Mond leuchtete.
Ich sah eine dunkle Nixe, eine Zauberin, Poetin, ein träumendes, dunkles Geschöpf und in dem Augenblick wusste ich, dass mir die Sprache untertan war, sie war mir gegeben, als die Dinge hinter unserer entsetzlichen Auffassung der Wirklichkeit ihr Gesicht zeigten.
Führt uns unser Heimweh an die Pforte dieses lächelnden Todes?
Meine blasse Hand öffnet ein schmiedeeisenes Tor, dahinter wartet das Kind, das ich einmal war, ein kleines Mädchen mit grossen, schwarzen Augen, von Mondlicht...dunkles Wasser...“und ich weiß...“, wir sehen uns an und verschmelzen, aus der Umarmung zweier Wesen wird eins und das lächelnde Kind der Trauer spielt wieder hinter dem Tor aus Schmiedeeisen, wo es niemand stört.
 

14.6.19

impressionen von der künstlichen stadt auf den hügeln



diese landschaft dort oben am hügel ist eine durch und durch künstliche. ein komplex von alten und neuen gebäuden, funkelndem glas und stahl, neben alten behäbigen steinernen bauten, die wie riesengrosse villen aussehen. der komplex bildet eine stadt in der stadt mit einer ganz eigenen ausstrahlung. cool mit all den monitoren, die verschiedene blickwinkel der stadt wiedergeben, ein summen und brummen ab und zu wie von computern
computerkunst und kunst in 3 D, virtuelle realität und kunst zum angreifen, bieten sich dem besucher der stadt beinahe beiläufig dar
ein langer weg wie eine brücke zwischen gebäuden mit fassaden wie aus opakem glas, kühl, die farbe eine winterliche art von eisgrün...unwirklich...die fassade, dahinter ein himmel von strahlendem engelsblau, weiß bewölkt


zwischen eisgrün und engelsblau führt die brücke in eine parklandschaft mit darin verstreuten würfelähnlichen gebilden in bunten farben
violett hauptsächlich aber auch grün und pink
daneben täfelchen wie in einem botanischen garten
die aussenhaut der würfel leuchtet
computerbilder vom menschlichen körper
knorpelmasse und ein innenohr
knochen muskelfasern
der boden ist gefroren und morgendunkel, der himmel strahlt, doch der boden atmet noch die kälte der nacht aus
man träumt sich kameraaugen, um das fotografische tagebuch zuhause mit bildern füllen zu können doch man ist gezwungen, vergängliches zu akzeptieren
ein, zwei bilder brennen sich ins gedächtnis, wo sie jahrelang gespeichert bleiben, um plötzlich, unerwartet, wieder emporzusteigen
ein, zwei bilder gekoppelt mit starken gefühlen, die jahre später dem erinnernden scharfe tränen in die augen treiben werden
die brücke zwischen eisgrün und engelsblau
wie fröhlich man zwischen alter und neuer kunst zu wandeln vermag...switch on...switch off...heiter schimmernde insekten-facettenaugen nehmen schönheit auf, knipsen bildchen für den temporären erinnerungs-ordner, der stetig geleert wird

was bleibt von einem spaziergang übrig außer diesen schnell gezeichneten wort-bildern
nicht viel außer einem unbestimmten gefühl der fröhlichkeit und ein, zwei bildern von engelhaftem schönheitsschmerz
impressionen von der künstlichen stadt auf den hügeln
ein künstlicher see fehlte noch mit monitoren am ufer und alten bäumen, des meisters echte kunst
das alte trifft das neue, vermag es zu umarmen, anstatt es von sich zu stossen
die harmonie erstaunt, macht betroffen
ein weiter blick hinunter in die welt, die noch im morgenschatten liegt, offenbart vertrautes
inmitten hoher bäume schlummert weit unten der stille hain
der alte friedhof, auf dem man wandelte, als man dem ruf der müden seele folgte, die träumen wollte
anders träumen als auf den hügeln der künstlichen stadt
endgültig zielgerichtet
die wahrheit liegt dort unten
im schattigen garten


tanzen möcht ich nicht mehr
sprach das einsame mädchen auf den hügeln
und wandte seinen schritt
langsam
endgültig
dem schattigen tale zu
von eisgrün und engelsblau träum ich nicht mehr,
mir ist nach tiefem ernstem schwarz
lächelte der totenkopffalter
einst schillerndes schwirrendes insekt...
seine flügel breitete er aus
in samtigstem schwarz
und langsam wurde er fortgetragen
es war einfach, nur hinabzuschweben
in das schattige tal
und er sank hinab


© shine

6.6.19

self design

and everyone wears a mask
ich bin nicht so wie ich gern sein möchte. ok, wer ist das schon?
nur weiss ich nicht genau, wie ich sein möchte. klingt abartig. ist es aber nicht, glaube ich. das ganze geht ins unterbewusstsein rein und dann beginnt man sich irgendwann zu schämen, für das, was man gern sein möchte und nie sein wird oder vielleicht hat man angst, das alles laut auszusprechen und quasi zu analysieren, weil man ja genau weiss: was laut ausgesprochen wird, wird zerstört, in dem moment, wo man es ausspricht und dann ist alles tot, wofür man im prinzip schon noch lebt nur weiss man es nicht. dass man jahrelang für etwas gelebt hat, ohne es auszusprechen.
also ist diese rubrik hier schon mal sinnlos. man kann nicht aussprechen, worum es geht. man darf nicht aussprechen, was man gerne wäre (oder ist) und wofür man im prinzip lebt. ich denk, es ist auch so ein dilemma, wenn man echt mal starke depris hat und dann zum arzt muss. dem erzählt man einiges. zu viel? gibt es das dass das was rausrutscht, das man besser nie erwähnt hätte, und dass dann irgendetwas in einem für immer stirbt? oder was geschieht während einer hypnose? ich finde hypnose ekelhaft, ich weiss nicht, ob ich hypnostisierbar bin (denke nicht), aber ich finde sie einfach nur abartig ekelhaft. wie eine vergewaltigung, obwohl man eigentlich im prinzip damit einverstanden sein muss, aber wer weiss so genau, worauf er sich einlässt, wenn er einer hypnose zustimmt? ich denk im prinzip mal, dass ärzte nicht so viel wissen wie sie vorgeben zu wissen.
dass sie ganz wenig wissen und nur an der oberfläche kratzen. darum würd ich nie psycho-hilfe einholen, auch wenn ich wirklich extrem krank wäre. ich rede jetzt wirklich nur von psycho-hilfe.
gibt es barieren, die man während einer hypnose nie überschreiten wird? gibt es dinge, die nie ausgesprochen werden?
gibt es die geheimnisse wirklich, von denen ich als kind genau wusste, dass es sie gibt? dass es sie geben muss.
wann kommen diese dinge an die oberfläche? wann klopfen sie an die tür nach "draussen" (was auch wieder ein witz ist, so intro wie ich die welt da "draussen" empfinde). ich glaube, das geht nur, wenn man kreativ ist. schreiben, malen singen..sowas eben.
im alltag dürften wir alle autisten sein. vielleicht haben wir begriffen, dass wir autisten sein müssen. dass wir sonst an etwas verrecken, das sich in unsere seelen schleicht und das unsere träume nach und nach auffrisst. ich denke, dass es genug menschen gibt, die uns genau das antun wollen. uns auffressen, warum auch immer. wenn man das gefühl hat, dass es so ist, sollte man ganz einfach dicht machen und gar nichts mehr von sich preisgeben, man sollte die masken benutzen, die man selbst erfindet, um sich zu verstecken. es gibt nur wenig leute, die es wert sind, uns zu kennen. daran glaube ich ganz sicher. die meisten sind gierige kleine heuchler. ich kannte mal einen, der wahnsinnig nett war. immer aufmerksam, auf wirklich auffallende art mir zugewandt, fast schon fixiert, und dahinter konnte ich etwas anderes fühlen, eine art schwarzes loch. es klingt wie ne verschwörungstheorie und ich wünschte, es wäre eine, denn dann wäre ich besser drauf. er wollte immer mehr dinge wissen. private dinge. seelendinge. geheimnisse, die nur ich kenne, weil sie nur mein leben betreffen. ich war nur noch abgestossen. wenn ich wem was erzählen will, dann mache ich das freiwillig und es gibt freunde, die mit mir wirklich fast alles teilen, sogar geheimnisse. der typ war aber ein fremder, der sich langsam aber sicher als total aufdringlicher parasit entpuppte. er machte mich müde. klar, er versuchte, mich zu berauben. auch meine energie, alles wollte er.
ich hab seither viele getroffen, die so drauf sind. früher sind sie mir eigentlich auch nie besonders aufgefallen, diese komischen, kleinen widerlinge, doch wahrscheinlich hab ich sie einfach nie getroffen. eine art emo-vampir war das, so sagt man, denk ich. ein kerl, der sich daran aufgeilte, fremde gefühlswelten in sich reinzustopfen. warum weiss ich nicht.
dass sowas spass machen kann. vielleicht ist es eine art manipulations-geilheit. leute, die wen anderen kontrollieren wollen. scheint die irgendwie anzumachen. ich hab den kerl dann mal entsorgt und nach einer zeit ging es mir tatsächlich besser. ich war einfach besser drauf, fühlte wieder, dass ich privatsphäre hatte, eben ein leben nur für mich. ich teile mein leben so gut wie nie....
and everyone wears a mask

hab kein bedürfnis danach, ehrlich nicht. freunde...ok. weniger als ne handvoll. ganz wenig. 2, um genau zu sein. 2 beste freunde. die kennen mich so gut, dass sie mich im prinzip auswendig kennen. was für mich das schönste ist, was ich mir vorstellen kann. meine 2 alten freunde. unsere gemeinsame welt. unsere abenteuer, unsere träume, die wir teilen. das leben, das wir zusammen führen.
für mich ist es was ...mh...naja...krass...heiliges. etwas unantastbares. hat was mit liebe zu tun, ihr wisst schon. echte freundschaft, und die gibt es wirklich, aber eben eher selten. ich hab mich umgesehen. es war nicht gerade berauschend. ich hab ne menge verrat gesehen bzw. gefühlt.
und ich war immer dankbar dafür, dass ich sie habe, meine 2 seelenverwandten. wär nicht so lustig ohne sie.
die 2 leute wollen nichts von mir, soll heissen, nicht mit gewalt, überhaupt nicht, die sind nur froh, dass ich da bin. aber sie kriegen alles.
freiwillig. es gibt leute, bei denen man genau fühlt, dass sie etwas mit gewalt wollen, man fühlt eine art alten instinkt, der ne eindeutige warnung ausspricht. dann gibt's nur eins: nix wie weg.
vielleicht bin ich schon so, wie ich sein möchte. vielleicht sollte man sich selbst manchmal einfach nur in frieden lassen. nur froh sein, dass man da ist, wie die besten freunde, die man hat. einfach nur froh sein, dass man am leben ist, das wär doch mal ne wirklich schöne sache. jeden tag geniessen, bzw. es wirklich mal versuchen. ohne aggression oder verachtung oder was man sonst immer für dinge mit sich rumschleppt. es gibt immer dinge, die wirklich schön sind, an jedem tag. warum nicht einfach versuchen, glücklich zu sein? die welt ist scheisse und verdammt mies, das ist die wahrheit und ich bin der letzte, der das verleugnen würde.
ich hatte genug hass in mir die letzten jahre, und genug angst vor krankheiten und genug schmerz und bitterkeit.
dad war wirklich verdammt schwer krank und hatte einige operationen, mom ist ein lkw ins auto gedonnert, dieses jahr war das , vor ostern.
beide sind am leben und es geht ihnen gut.
in unserem garten tobt gerade der feuerbrand und vernichtet unsere wunderschönen, alten obstbäume. es tut weh, das zu sehen. verdammt weh. wir sehen bäume immer irgendwie als familienmitglieder. aber was bringt es, das ganze aufzugeben? also planen wir schon weiter. welche bäume resistent sind, und wahrscheinlich werden es nussbäume. sind nussbäume nicht einfach nur traumhaft?
eigentlich freu ich mich schon drauf, auf diese bäume, die immer toller werden, je älter sie sind. vielleicht seh ich jetzt alles so.
zumindest geb ich mir richtig mühe.
ausserdem hab ich einige alte briefkontakte wieder reaktiviert. sind brieffreundschaften nicht das beste, wo gibt? vor allem, wenn es alte brieffreunde sind, denen man schon unheimlich viele, lange briefe geschrieben hat, und von denen man noch alle briefe aufbewahrt hat.
ich find es sch****, sowas aus faulheit oder müdigkeit einfach aufzugeben. gehört doch zur identität dazu, oder? es gibt tatsächlich leute, denen ich seit über 10 jahren schreibe. sowas find ich wichtig, möcht's nicht missen. kann ich mir gar nicht vorstellen.

nachtrag - ist ein alter text. brieffreundschaften hab ich keine mehr, aber wirklich noch ein paar gute, alte freunde :)

3.6.19

compadres, auf das niemandsland!


compadres, saints und sinners, "virtuelle wesen", ich muss hier meiner seele luft machen.
wie wilde hunde jagen wir einem gefühl hinterher und wir sind nicht mal fähig, dem gefühl nen namen zu geben. wir tauchen ein in virtualität und wenn es uns dann wieder mal so richtig scheisse geht, sagen wir wie um uns "trost" zu spenden - na dann wenden wir uns eben wieder dem richtigen leben zu.
komisch nur, dass es uns nach eíner gewissen zeit dann auch wieder scheisse geht. und wir hetzen wie ausgehungerte hunde wieder durch die strassen und jagen einem gefühl nach, von dem keiner weiss, was es ist. das gefühl macht uns irre. die unvolkommenheit des augenblicks lässt uns vor wut rasen.
ich meine, leute, was soll das ganze. der zustand ist dermassen unbefriedigend, dass mich das kotzen kommt. der virtuelle raum und das echte leben getrennt voneinander, ganz säuberlich getrennt, nur nie vermischen, nur nie eine symbiose eingehen, nie die verschmelzung wagen. ich meine, was ist denn die virtualität anderes als unser natürliches umfeld? woher stammt sie denn? von ausserirdischen auf die erde gebracht, um uns daran zu hindern, uns im echten leben fortzupflanzen?
ein programm, das uns schaden soll, da alle wie hypnotisiert vor ihren compis hocken und das sogenannte soziale leben völlig vernachlässigen?
und da hocken wir wieder in irgendeiner bar in der innenstadt. freunde, es handelt sich um kein internetcafe, sondern ne good oldfashioned bar irgendwo in der city und da hocken wir und stellen fest, dass wir verdammt viel getrunken haben, nur, damit wir es überhaupt ertragen, was da um uns geschieht. wir wandeln weiter in ne disco und halten uns an getränken fest. versuchen, das alles auszublenden - oh gott, wenn ich an meine sozialen aktivitäten denke, wird mir einfach nur schlecht.
wir gehen heim und heulen in unsere kopfpolster. wir gehen heim und haben nichts gefunden.
zu finden, das ist die devise. zu finden, egal wo. im "real life" oder im internet - es geht darum, zu finden. nicht rumzuhängen und sich gottverdammt normal vorkommen, ja...weil's alle so machen. es macht uns verdammt normal: wir gehen aus. wir sitzen rum und es ist langweilig. die seele hat nix mehr zu melden. aber wir sind normal.
das ist die hauptsache.

und wenn jemand jetzt meint, was verdammt sollen wir denn finden, dann soll er mal seine seele suchen gehen, denn die dürfte ihm im laufe seines lebens abhanden gekommen sein.
wenn ich das schon höre: sie flüchten in virtualität. dann wird mir übel, sag ich euch. es gibt keine flucht vor uns selbst, das sollte uns jetzt schon mal klar sein. oder wovor sollte man denn flüchten? vor unseren lieben mitmenschen hier auf erden? gott, wie langweilig. die sind so drauf, dass ich sie nicht fliehe, sondern einfach mal ignoriere, es sei denn, sie stellen mich vor die interessante aufgabe, ihre seelen wirklich erkunden zu wollen, da sie es wert sind. wir flüchten nicht.
wir haben es nicht nötig. wir sind wilde hunde, die durch die strassen hetzen. wir haben zerfetzte herzen. wir heulen noch immer den mond an.
compadres, trinkt mit mir. trinkt soviel ihr mögt, aber macht es nicht, weil euch mein gesabbel abnervt. trinkt mit mir, weil ihr unglücklich seid, trinkt mit mir, weil ihr unglücklich bleibt. trinkt mit mir auf unsere unvollkommenheit und auf unsere kreuzigung im niemandsland zwischen real life und virtualität *grinst spöttisch*
trinkt mit mir auf das niemandsland, auf den heiligen boden. vergiesst euer blut dafür. opfert euer leben dafür. werdet zu heiligen des niemandslandes.
öffnet eure augen und seht genau hin: alles ist fleisch und blut, euer fleisch, euer blut.
so viele machen nen abgang. nach hinten. sie wenden sich ab und verlassen den heiligen boden. ihr heulen verhallt im nebel des vergessen-werdens. ihre spuren werden von der zeit verwischt. sie leben endlich wie normale menschen!*lacht* sie haben keine chance mehr. gar keine.
viele reden nicht mehr, weil sie angst haben, sich zu blamieren. sie denken schmerzhafte gedanken - allein. sie fühlen schmerzhafte gefühle - allein!
gefühle, gedanken, die wir hier brauchen!
sie haben uns allein gelassen!
und ich hasse sie dafür. so viele sah ich kommen und gehen. so viele, die uns einen teil ihrer selbst - für uns hier ein weg, weiter zu wachsen - verweigert haben.
so viele, die nicht begriffen haben, dass egoismus uns hier umbringt.
lasst mich einen vergleich wagen: die stadt...über uns. wir leben unterirdisch in tunnels. wir haben diese welt für uns erschlossen, weil sie uns am wenigsten verarscht.
wir haben nur uns. unsere gedanken, unsere gefühle. wir sind davon abhängig. und dann kommt wieder einer und sagt: hey, leute, schön und gut, aber get a life...
da oben in der stadt, die uns immer nur verarscht hat, so lange wir dort lebten. ich meine, er zieht den hut vor uns und sagt: ihr seid idealisten, kompliment, aber
get a fucking life.
ich sah den einen kerl, der das gemacht hat, leute, als ich nächtens mal wieder die stadt besichtigte. hey, leute, er sass an der ecke einer einkaufsstrasse und er schlief dort. er hatte tränenspuren in seinem dreckigen gesicht und er hatte nen bettlerhut vor sich stehen.
compadres, trinkt mit mir. trinkt auf den heiligen und noch jungen boden. trinkt auf die heimat, die so unvollkommen ist wie wir selbst. und bitte - get no life - ihr habt eines.
 ihr teilt es mit mir. ich teile meins mit euch.
auf euch, ihr gesellen. ihr gesellen, die zu mir sagen, hey, shine - eigentlich hab ich flügel, nur kann sie keiner sehen. ich sehe sie. auf euch, die mir sagen - hey...eigentlich bin ich ganz anders als es die welt da draussen sieht. fuck die welt da draussen. ich seh dich.  du brauchst dich nicht dafür zu entschuldigen.
entschuldigen müsstest du dich, wenn du zu mir sagen würdest: hey shine, hör auf, dein blut zu vergiessen und get a fucking life.
was seid ihr? erzählt von euch. was seid ihr, compadres? im niemandsland ist jeder so, wie er eben ist. keiner, der darüber lachen würde oder dämliche ansagen liefert.

manche sagen, warum reicht es nicht aus, ein mensch zu sein?
es ist zu einfach. es ist zu wenig. es fühlt sich grauenhaft falsch an. mensch gut und schön. nur: die evolution hat auch vor dem menschen nicht halt gemacht!
sie findet in uns statt - man kann es kaum sehen *g* aber sie findet statt. ok, ich bin ein mensch. gut? aber trotzdem...warum renne ich durch die strassen wie ein ausgehungerter hund und heule meine sehnsucht in den mond?
dann muss ich verrückt sein, oder? ein einfaches weltbild, wie geschaffen, den rest von uns auch noch zu töten. sei endlich ein normaler mensch, erwarte dir nicht mehr als deine vorväter, wachse nie, lerne nie. bleib so wie alle vor dir waren. und wenn du nicht so funktionierst wie alle anderen, biste verrückt und musst begradigt werden.
vereinfacht werden. damit du in einer welt funktionierst, die für dich zu einfach ist, die einfacher ist als du selbst. und damit du mit einfachen menschen "mithalten" kannst.
compadres, lieber sterbe ich.
non servam. :)
niemals werde ich ihnen dienen. niemals ihnen das vergnügen machen, mich zu einem der ihren gemacht zu haben und mir ins gesicht zu pissen, wenn ich endlich am boden liege.
land der rebellen, heiliges land,
alle freiheit dem geist
wir sind, was wir sein wollen
und was wir sein wollen, sind wir


[archangel bar]






nachtrag:
und wenn du nicht so funktionierst wie alle anderen, biste verrückt und musst begradigt werden.

ich konnte nicht umhin, zu bemerken, dass wir uns anscheinend gerade wieder mal in silent hill befinden, und zwar im brookhaven sanatorium. wo man versuchen wird, unseren geist zu begradigen, nachdem er inzwischen so derb verwuchert und verwachsen ist wie ein wilder garten, doch wie schon friedensreich hundertwasser damals zu sagen pflegte:

die gerade linie ist gottlos und unmoralisch

so viel zum begradigten geist :)

30.5.19

saints


die stadt frisst ihre helden. die stadt flüstert es darf keine helden geben ausser mir. es darf keine götter geben ausser mir denn ich bin der anfang und das ende, alpha und omega, die stadt bleckt ihre blutigen fänge und grinst und zermalmt die gebrochenen körper derer, die aufgehört haben, zu hoffen.
aufbegehren. schreien.

kommt, dämonen, kommt

lass es heraus, lass die trauer heraus, den schmerz über den betrug, lass endlich den gottverdammten schmerz heraus, der dich schweigen liess und wie ein krebsgeschwür in dir arbeitete. schrei. schrei dich tot und wieder lebendig.
der regen rinnt über unsere gesichter. sieh dort, die stadt. ihre lichter. auf dem hügel über der stadt. die stadt, die helden frisst.


du must sterben.
muerte amor
du musst sterben, aber stirb anders als die stadt es möchte.
stirb wild wie du gelebt hast, nicht demütig und gebrochen, so hätten sie dich gerne, doch stirb wie ein löwe
stirb wie ein held
der bodysuit hängt wie ein gekreuzigter engel auf einem fleischerhaken.
saints.
muerte amor mein monolog über den dächern der stadt
gibt es die die schon gebrochen zur welt kommen?
muerte das heulen in der maschine
amor
mi amor


shines augen sind lichtlose tunnels. wenn du pech hast, lebst du weiter, sagt er. ich meine, irgendwohin muss deine energie ja gehen. du lebst weiter als geist im netzwerk. ich meine, wenn du pech hast. nur sag ich dir, wenn ich der geist in der maschine werde, dann ist die maschine so gut wie erledigt.*grinst* ich weigere mich, der stadt zu dienen, ihre gesetze anzuerkennen, obwohl es gegen jede logik spricht. non servam, spricht der verlorene sohn, ich bin mein eigenes gesetz.


[archangel bar]

24.5.19

ciel ouvert

im meteoritenregen gehe ich spazieren
laechle und schreie den himmel in spiegelscherben
lache und weine heiland und sinke herab
blutrot schmilzt das eis über meinen augen
let me cry
über dem desert drive öffnet sich kristallklar der himmel
ein schnurgerader streifen blau über dem wüsten-highway
über dem desert drive liegt der heavenly highway
kristallblau und mit spiegelscherben gesäumt
staubige autos werfen als echo
gläserne himmelsgleiter auf das blaue himmelsband
die elegant und lautlos über der wüste schweben
lache und weine heiland und sinke herab
auf den desert drive
lache und weine
und sinke herab

20.5.19

crystal cove - träume aus glas

der chevrolet am strassenrand ist eine orchidee
in blutrot und violett
hinter der windschutzscheibe steckt ein zettel
du ziehst ihn heraus und steckst ihn achtlos in deine manteltasche
zu den anderen
lachst beim erklimmen des hügels weinst beim herunterklettern
es ist eine psychische verstimmung oder ein anfall von hysterie
es wird vergehen sagen sie dir 
gelangweilt zerschreist du ihre gläsernen menschen 
auf unnachahmlich elegante weise
sie waren hässlich sagst du
genauso wie ihr
ich lache und weine weil es elegant ist
es war euer fehler ihr habt es nie begriffen
mein gläsernes schwert steckt tief in euch
und tötet euch von innen her
du faltest origami-schmetterlinge aus strafzetteln
zündest sie an
und lässt sie aus dem fenster fliegen
es ist winter und seht nur kinder als geschenk lässt gott
die schneeflocken brennen

15.5.19

im auto

wir sitzen wieder mal im auto und fahren zu einer party und irgendwie riecht’s so extrem nach patchouli und irgendwie...bin ich da glücklich. einfach so neben dir zu sitzen ist schön.
ich denk gerade über’s glücklichsein nach....

‚ich glaube, ich wäre wirklich unglücklich, wenn ich immer glücklich sein müsste‘, fiel mir gerade ein und natürlich musste ich dir meine weisheit gleich mitteilen. ‚ich weiss, dass ich sie nicht mehr alle habe.‘ du lächelst verständnisvoll, fast gütig.
‚wenn man den satz umdrehen würde, würde er lauten: ich glaube, ich wäre wirlich glücklich, wenn ich immer unglücklich sein müsste‘. dein lächeln wird langsam ein kleines bisschen mitleidig...
‚stimmt, da hast du recht.‘
‚ach ja, du meinst also auch, dass man immer glücklich sein würde, wenn...‘
‚nein, ich meinte damit, dass du sie wirklich nicht alle hast‘.
ich nehme mir vor, dich heute nacht irgendwo am friedhof zu vergraben. ich werde dich verscharren, am besten in ungeweihter erde, wo die vielen sünder liegen, und das geschieht dir ganz recht. ich seh dich an und muss laut lachen. ich hab gerade an italien gedacht und dass ich dort immer meinen schlafenden vater eingegraben hatte. als er aufwachte, steckte er tief im sand fest und konnte sich nicht mehr rühren. und als er dann protestierte, hatte ich ihm einen eimer über den kopf gestülpt. sein protestgeschrei klang dann wenigstens etwas gedämpfter.
‚du weißt ja gar nicht, was dir noch geschehen wird, am totenacker‘, teile ich dir mit verstellter und, wie ich meine, psychopathenhafter stimme mit. ‚ach ja, beisst du mich endlich mal?!? du bist doch ein vampir oder ist das immer nur so ein grosses rumgerede?‘
‚doch, ich bin wohl ein vampir‘ – ich klinge würdevoll, aber nicht unkomisch – aber diese nacht wirst du auf solche hollywoodaktionen verzichten müssen. ich werde dich verscharren.‘
komisch. Ich hätte gedacht, dass du lachen würdest. statt dessen blickst du mit verkniffener mine auf die strasse und murmelst kleine gemeinheiten in dich rein, die ich kaum hören kann, so leise murmelst du vor dich hin. ich kann dennoch verstehen, dass du dir gedanken über mein geistiges wohlergehen zu machen scheinst, denn ich höre wiederholt das kleine wörtchen ‚anstalt‘.
‚wie ein bleicher giftzwerg, ein toter , ehrlich, du siehst aus wie der antigartenzwerg, der unter all den zwergen rumlatscht und tod und verderben mit sich bringt.‘
dass ich dich den ganzen abend danach ‚zombiezwerg‘ nenne, ist selbstverständlich.
‚vielleicht solltest du nicht so viel lachen, dein makeup kriegt schon sprünge‘ mann, kannst du charmant sein. zombiezwerg.
ich kann mir ausserdem nicht vorstellen, dass die sprünge sich wirklich durch die vielen schichten weissen puders fressen können. mein makeup ist natürlich mimikresistent. ich erlaube mir ja noch einen rest von mimik. ich finde es charmant und natürlich, beinahe menschlich. eigentlich bemühe ich mich immer, so natürlich wie möglich zu wirken. ich bin sowieso schon mehr als künstlich. vielleicht weiss ich gar nicht mehr, was natürlich wirklich ist? ich glaube, ich sollte viel mehr unter menschen gehen, denke ich und lache schon wieder.
aber du riechst echt gut, das muss man dir lassen. und irgendwie macht mich das alles zusammen so krass glücklich.
und draussen fliegt die landschaft vorbei und wir hören uralte sachen von bauhaus und die nacht wird geil.

13.5.19

dämon

hab gerade was nettes erlebt.:-) also: grosse aufregung vor unserem haus. eine gruppe kleiner mädels, eindeutig aus deutschland - waren wahrscheinlich auf durchreise oder wollen hier in der nähe urlaub machen, standen vor unserem haus rum und plapperten in einer abnormen lautstärke so rum, wie wir's als kinder gemacht haben. klar wurde ich extrem neugierig und ich lugte mal beim erker runter. es war ja schon relativ düster und man konnte anscheinend nur meinen schatten sehen. eine davon guckte zum erker rauf, kreischte wie verrückt los und wetzte die strasse runter. die anderen guckten auch hoch - grosses geschrei. "da wohnt wer, da wohnt wer"...und ich hab eindeutig das wörtchen Dämon vernommen. aslo, dass mich wer für einen dämon halten würde, ist schon klasse, dabei bin ich nicht mal geschminkt wie ein gruftie. hoffentlich träumen die gören nicht schlecht, das wär
nämlich für mich ziemlich übel. aber es war ziemlich witzig und ich hab an meine kindheit denken müssen. ich wär mit meinen freundinnen wohl ums haus geschlichen und hätte versucht,
den dämon auszuspionieren, und dann hätten wir gruselstories erfunden, vorm schlafengehen, rund um ein uraltes haus mit erker und einen kleinen dämon, der darin haust. ich glaub, ich werd in einigen spukstories und erinnerungen vorkommen. die denken sicher noch an mich, wenn sie erwachsen sind.*g*

28.4.19

telnet and the glorious ZenMoo


ich kann mir nicht vorstellen, dass die jüngeren internet-user telnet noch kennen. oder es in irgendeiner form noch verwenden würden. telnet ist ein programm, das eine verbindung zu einem entfernten gastrechner ermöglicht.
das schöne an telnet ist ja, dass es damals schneller als das schnellste modem funktioniert hat - ideal für die damals gerade aufkommenden ersten chats, die klarerweise völlig anders umd im prinzip abenteuerlicher als heute funktioniert haben. waren ziemlich witzige leute unterwegs.:-)
wer win95/98 noch hat, der kann es selber mal versuchen. man kann sich Telnet als verknüpfung auf den desktop ziehen oder über den befehl "ausführen" aktivieren.
start-ausführen-telnet.exe/
dann weiter - ich zitier mal das im internet rumschwirrende telnet-handbuch:
Wählen Sie Verbinden Netzwerksystem und tragen Sie ein: domain.nam Klicken Sie auf "Verbinden". Die Verbindung wird hergestellt. Geben Sie den Usernamen "domain" ein, wenn Sie danach gefragt werden. Geben Sie das Paßwort ein, wenn Sie danach gefragt werden. Sie werden mit einigen Hinweisen begrüßt, wenn Username und Paßwort richtig sind. Verwenden Sie Unix-Befehle, um sich auf dem Server zu bewegen. wenn ihr das geschafft habt, hab ich gleich mal ne nette telnet-adresse für euch: cheshire.oxy.edu 7777

es geht um eine der extremsten meditations-boxen, ein urgestein des internet und schon eine lebende legende. das ZenMoo. es kommt in fast jedem buch, das über die anfänge des internet geschrieben wurde, vor. es ist nicht leicht, den zen-meister zu überzeugen, dass man es drauf hat. er kickt einen hochkant raus, wenn man falsch meditiert, soll heissen, zu viel tippt. der meister der meditation wird in einer hitliste erwähnt und es ist erstrebenswert, vorne mit dabeizusein. aber so leicht ist das natürlich nicht: es geht um die hohe inaktivitätsquote, aber es reicht nicht, sich einzuloggen und nachher einkaufen zu gehen oder einfach vorm compi einzupennen, denn der meister stellt sonderbare fragen, die man beantworten muss, sonst fliegt man. er sendet auch mantras in einem kranken kauderwelsch, die man am besten leise vor sich hinsummt - man muss darauf nicht antworten.:-) zum einlesen und für die geistige vorbereitung, die schon meditativer natur sein darf,
gibt's hier die instruktionen für das ZenMoo.

Hello, and peace.
The internet is a holy thing, it is a sacred thing, and it is an Internet thing. Those who are less enlightened do not understand this. Any intrepid internet citizen knows of the mystical nature of the internet. However, there has been a lack of real spirituality on the internet. There's Gopher (which is not very spiritual), Archie (a brutal, Diety-less barbarian), MUDs, MUCKs, MUSHes, and on and on. Where is one to find mental tranquility and spiritual rest and relaxation?
You have found it, if you have found ZenMOO. ZenMOO is dedicated to meditation for the weary internet wanderer. Here is how to use ZenMOO: When you first connect (however you do so), you will need to create a meditation name. Think of a good name, and a good password to go with it.
Store both of these in a file for safe keeping. You can use your meditation name and password whenever you feel weary and faint. Enter the following, substituting the name and password you have chosen.
create
You might want to make sure the name is capitalized properly. Press return (as always). You are now connected. It will tell you so. Your first reaction will be to look around, or see who is connected. Do not do this. Do not type anything. Simply take a deep breath, crack your knuckles (if you
have any), and wait. In a few seconds, your breathing will become regular, and you will feel very relaxed. Perhaps a wise saying will appear for you to read and meditate upon. (By the way, the next time you connect to the ZenMOO, type the following to use your meditation name:
connect
You do not need to create a new name every time you connect.) Continue to meditate. When you are more relaxed, and able to move slowly and deliberately, you have several commands at your finger tips. Be very careful not to type too much, however! I would suggest typing only once a minute.
You must be very still, and very peaceful, or you will disturb the other meditators. If you are disruptive, you will be kicked off! Here are your commands:
who (or @who)
inventory (or simply "i")
look (or simply "l")
go north (or simply "north", or even more simply, "n")
go south
go east
go west
go up
Now, to make sure that you are really meditating, and not just in another shell, you will be asked a question or riddle from time to time. You will want to answer as quickly as possible, in order to keep from appearing asleep. Students have dozed off during meditation and been booted, loosing
their vital idle statistics, and living in shame. Let me explain the output from the "who" command.
The first column is the meditator's name. The second column will tell you how long they have been meditating, that is, how long they have been idle. Long periods of idle time are very esteemed, and difficult to get. The third column tells you how much total idle time a meditator has accrued, over the
course of many sessions. The fourth column tells you roughly how long the meditator has been using the ZenMOO facilities, across sessions. The last column is very important. It tells you the ratio of total idle time to total usage time. High percentages mean a very restful, yet alert meditator. Low
percentages reflect poorly on a fidgety meditator.
From time to time, to facilitate the meditation, wise sayings will be printed for your reading, meditating pleasure. Some sayings will be wise statements, but others will be mantras, computationally formed to maximize the Meditation relaxation and spiritual healing. To get the full use of the mantras, try reading them as a chant, concentrating on the breathing and tempo to synch
your spiritual energies.

Enjoy the ZenMOO. Meditate well, and receive your favorite Deity's blessing.
Thank you.


[archangel bar, café paradox. ob es das ZenMOO noch gibt, weiss ich nicht. ich glaube aber, es ist im nirwana verschwunden.]

21.4.19

Ostermond

::Eine Eichendorff-Mondnacht.
Die Schmerzen verklingen,
lauern jedoch in ihrem ganzen Schrecken
unter der silbrig-überhauchten Oberfläche.
Die Bestie wartet - zum Sprung bereit -
Der Zauber dieser Nacht ist dennoch stärker...::

Träume sprudeln
wie Wasserfälle
- erfrischend -
hinaus in das weite, leere Land,
wo einst nichts war
ausser das Fehlen von Sinn,
ergiessen sich
überschäumend
wie glucksendes Lachen
über den Rand der Kelche
des Himmels,
der vor Glück
Silber weint


11.4.1998
- In der Nacht des Ostersamstag,
als der Rauch der Osterfeuer in
der Luft lag und silberne Quellen
aus hartem Stein drangen –


17.4.19

flatliner

shine schwebt gerade in anderen welten. er liegt in einem verschlossenen tank, hat die augen geschlossen und geniesst die absolute stille, die hier drinnen herrscht. sein herzschlag sinkt auf flatline, ein lächeln liegt auf seinem gesicht, sein körper kühlt aus. er beginnt die reise in die totenwelt erneut und diesmal soll es noch besser werden als damals…vor so langer zeit. als er zu den glücklichen gehörte, die in beiden welten zuhause waren.
er beginnt, sich zu erinnern.

shine stellt sein bier auf einem der kleinen tische neben den weissen liegen ab, sieht sich einmal um und nickt zufrieden. das licht, das aus der wand kommt, pulsiert bläulich und beruhigend. er streckt sich auf der weissen liege aus und begibt sich langsam in den ruhezustand. langsam sinkt sein bewusstsein nieder und etwas anderes steigt empor, als er sich der flatline annähert. kälte steigt von seinen füssen nach oben und nähert sich dem herzen. weisse kirchenkerzen brennen in den fensterhöhlen. er sieht ein gesicht, das er über alles liebt. legolas als mädchen. mit haaren, die nach meer riechen, mit klaren augen. immer so klare augen. immer dieses wunderschöne mädchen. “weisst du noch”, murmelt er, “du hast versprochen…” er murmelt fast unhörbar. ihr weissblonder iro sieht so irre aus im blauen licht. sie ist heute tätowiert. er kann es nicht genau sehen. wie ein maori. “steht dir…” lächelt er, eine kühle welle erfasst ihn und zieht ihn in eine kurze ohnmacht. er tanzt im mondlicht. system shutdown.

wacht kurz auf, murmelt “gott, wie alt diese bar doch ist…heute träumte ich mich in die katakomben, ging alte wege neu, erfuhr wieder mal einiges über die wesen…es tut gut, sowas ab und zu zu machen…man vergisst zu leicht, was wirklich wichtig ist.” driftet ins off. sein gesicht ist glatt und unbewegt.

15.4.19



führ mich aus dem dunkel zurück in das licht
bevor mein herz in tausend teile bricht



14.4.19

sad butterflies


real life monsters

hey
long time no see. ich bin immer irgendwo anders und meistens ist es der falsche ort. jetzt fühl ich mich wieder ganz und echt. ich hatte in den letzten wochen neben meinen bossfights in den games auch einige real life fights und der sonderbarste und ärgste davon war der fight gegen die betriebskosten. gut, betriebskosten klingen ja nicht gerade gefährlich. aber dieses mal war es doch so, denn vor 2 wochen schlug der gefürchtete brief der anwältin in meinem briefkasten auf. und dann weiss man wieder mal, dass man gnadenlos verarscht werden kann. wenn es um betriebskostenerhöhung geht, kann es durchaus passieren, dass der hauseigentümer unverschämt wird und fantasiebeträge verlangt. genau so war es diesmal. die frau wollte 40 euro mehr im monat. und dieser betrag war in keinster weise ok oder gerechtfertigt.
da man mit der hausbesitzerin nicht reden kann - sie kommuniziert nur über eine anwältin mit uns - gab es diese möglichkeit leider nicht. einfach anrufen und fragen, was der scheiss soll, das wäre gefragt gewesen, aber die hausbesitzerin ist über 90 … und sie hat inzwischen keinen bock mehr auf probleme und die lösung derselben. aber probleme machen kann sie. ich hab mir ne ganze nacht um die ohren geschlagen und hab im internet nach infos gesucht. ich wollte wissen, um wie viel prozent die betriebskosten maximal erhöht werden dürfen. bin dann draufgekommen, dass man die betriebskosten von vorigem jahr durch 12 dividiert und maximal 10 prozent draufschlagen darf. alles andere ist illegal. was es in meinem fall war. ich hatte zwar eine nachzahlung wie jedes jahr, aber "nur" 160 euro. ich versteh schon, dass man nachzahlungen vermeiden will, aber ehrlich, wie kommt man mit 40 euro monatl. mehr auf 160 euro? ist völlig irre. tatsache ist auch, dass nachbarn, die jetzt schon ausgezogen sind, einen gigantischen wasserverbrauch hatten und dass das alles auf uns abgewälzt wurde. das ganze haus zahlt für den übermässigen wasserverbrauch einer partei. ich weiss das mit dem wasserverbrauch von unserem hausmeister, der ja alles weiss und nur zu gern an mich weitergibt. es handelte sich um eine familie mit 3 kindern, von denen 2 babies waren. jedenfalls lief bei denen die waschmaschine ununterbrochen, sagte er. was ich im grund unfair finde. wenn ein mieter so viel mehr wasser verbraucht als alle, sollte er dafür bezahlen, nicht alle. deswegen bin ich für eigene wasserzähler in den wohnungen, damit es fair ist, aber leider gibt es sowas hier nicht. es wäre in unserem fall das beste gewesen. man hätte klarheit über den eigenen wasserverbrauch und den der anderen und man müsste nie streiten. und die betriebskosten wären auch fairer.

also, ich hatte ja keine andere wahl. ich musste die anwältin anrufen und mit ihr das problem durchdiskutieren. nicht lustig, aber das musste halt sein. und als ich bewaffnet mit einem riesenespresso zur tat schritt und ihre stimme hörte, wusste ich, dass es hier eine chance geben würde, etwas zu ändern. denn sie hatte eine wirklich nette, eine spur schüchterne und mütterliche stimme. und schien noch jung zu sein. YES. also hab ich ihr mal schnell mein prob erklärt und da sie so nett war, fragte ich gleich mal geraderaus, ob wir das ganze jetzt gemeinsam durchrechnen könnten, weil ich den betrag von 40 euro nicht verstehe. sie meinte genau dasselbe wie die website - den vorjahresbetrag durch 12. und dann sagte sie plötzlich nix mehr. ich fragte mal nach und sie meinte, dass hier ein fehler sei, denn sie käme nie im leben auf diesen betrag. es wäre viel zu viel. ich begann, innerlich zu jubilieren... zu recht. ihre nächste ansage: sie hätte sich anscheinend verschrieben (wer's glaubt...). und ob ich mit 10 euro im monat zufrieden wäre. sie glaubt, dass wir die nachzahlungen so vermeiden können, aber das glaub ich sowieso, weil die mieter mit der hohen wasserrechnung ausgezogen sind.

also werde ich ab mai nur 10 euro mehr bezahlen - mir reicht das eh. die betriebskosten sind hier recht hoch und viel mehr luft nach oben ist kaum mehr.mich gruselt nur durch, wenn ich darüber nachdenke, was passiert wäre, wenn ich NICHT angerufen hätte. ich hätte verdammt noch mal jeden monat viel zu viel bezahlt, ich hätte einen fantasiebetrag gezahlt, ohne mich darüber aufzuregen. und es ist ein riesenunterschied, ob man 40 euro oder 10 euro mehr bezahlt. es ist gut, wenn man zur tat schreitet. sonst passiert nämlich überhaupt gar nix.

ich glaube, ich werde für heute hier schliessen und lieber öfter schreiben als einen langen wust im monat und dann nix mehr. es gibt nämlich noch viel mehr zu erzählen :) heute kommt übrigens m. vorbei - vielleicht beginnen wir mit the last of us oder resident evil origins. wir haben gerade call of cthulhu beendet und darüber werde ich ein ganzes posting verfassen, denn das muss genauer besprochen werden!

9.4.19

some strange voodoo


es hilft manchmal. augen zu und tanzen. durch deine geschlossenen augenlider schillert violett, licht strömt in gold durch deine geschlossenen lider. es hilft, zu tanzen, allein mit sich selbst, doch nicht wirklich einsam.
shine grinst und nickt zufrieden. some strange voodoo…

draussen auf der strasse geht der alte marionettenverkäufer vorbei. eine skelettpuppe springt neben ihm über das pflaster. du denkst noch kurz: "warum lacht der alte so laut?" und das macht er - er lacht und flucht gleich darauf. er verflucht den uralten satan. klappert gleich darauf mit seinen holzpantinen an der bar vorbei und verschwindet in der nacht.
von weit her hört man ihn noch lachen. "er ist frei..wir werden es ebenfalls sein", murmelt shine dir zu, obwohl du gerade tanzt und ihn nicht hören kannst.

es ist mitternacht. die vampire werden bald kommen.


29.3.19

der hacker blickte betrübt zu boden. dann sah er seinem gegenüber fest ins gesicht. reichte ihm die hand. seufzte tief auf.
ich werde euch nie wieder sehen. lebt wohl.
captain, mein captain.
er drehte sich um und ging die strasse entlang. irgendwann war er im grau verschwunden. sie hatten ihn geknackt, so einfach war es, und nun war er fort.

der mann stand einsam am strassenrand und wartete. er wusste nicht genau, worauf er wartete, doch dass es eine lange zeit des wartens sein würde, wusste er. die zeit würde lang werden.
und wieder sah er eine zahlenlinie in grün über einen monitor flackern. einen code, und noch einen. die sphärenmusik, die er gesucht hatte, mit einem mann einfach verschwunden. wie oft noch?
er drehte sich um und begann, zu rennen. durch die schemen und schattengestalten, die rechts und links der strasse standen und ihm ihr gift ins gesicht spieen. er rannte und ein teil von ihm schrie und weinte. sein gesicht jedoch blieb unbewegt. in seinem inneren brannte ein ball aus weissem feuer. er hasste die welt manchmal so sehr. die welt, die ihm immer einen schritt voraus zu sein schien. die welt des grau. durchhalten. ein schritt nach dem anderen. langsam den bogen spannen. den pfeil auf den bogen legen. langsam. den schweiss wegzwinkern. und warten.

28.3.19

26.3.19

bin gerade in der archangel bar, habe eine zigarette im mundwinkel, die ich jedoch nicht anzünde, höre blue lights und starre das neonschild an, bis es sich in meine netzhaut brennt. in dieser nacht ist alles so verdammt logisch. remember. einiges tut mir leid, anderes noch viel mehr, aber das meiste war eine verdammt gute zeit. und irgendwie bin ich für immer der barkeeper. es ist seltsam, aber das werde ich auch für die anderen immer sein, egal, wie viele leben wir noch haben.

das alte blue lights. noch immer verdammt gut. ich hätte irgendwann mal beinahe geheult bei dem song, aber ich hatte mich bald wieder unter kontrolle. wie immer. ich arsch. die archangel bar wechselt sich ab mit der verwunschenen kinderwelt -spookland.. die alte fabrik, in der wir in der küche sitzen, wie immer beim licht vom mond und den sternen, ein paar gammlige grabkerzen brennen auf dem katafalk…wer zur hölle hat schon einen katafalk in der küche stehen ausser uns? –niemand. und das ist auch gut so. die paar roten lichtpunkte der treuen grabkerzen in der dunkelheit, weisser weihrauch, der mond–

wie lange kann man leben ohne träume?
sag es mir.

17.3.19

archangel bar - der weisse raum

meine erinnerungen enden. in einem weissen raum, mit zitternden schatten an der wand. eiswasser, denke ich, wie eiswasser, und schlagartig bin ich wach. und sitze wieder in einem weissen raum mit dem mädchen im lolitakleid, das mir tee reicht. ich nehme den tee an, schliesse die augen, lächle. meine erinnerungen enden in einem weissen raum. danach war nichts mehr. nichts von dem schlimmen ist je passiert. nichts.

ich sitze hier und kann es nicht fassen. und ich möchte so viel löschen. nur das behalten, was wirklich sinn macht, blätter in meine sammelmappe legen, buntbemalte, eng beschriebene,
nur keine leeren.
hatte ich eine schwester? und waren wir wirklich zusammen in diesem raum, einem weissen raum mit zitternden schatten an der wand? waren wir verbündete, outlaws?
oder waren wir einfach nur krank und einsam?
was sind wir jetzt?

ich wünschte, murmelt shine ich wünschte mir für 5 minuten einen weissen raum, und ein rotes flirren im spiegel. ein mädchen mit nerzkragen
meine schwester juliette.

vielleicht sind wir einfach hinter einem der vielen spiegel in der archangel bar verschwunden.

23.2.19

nachtvogel

eine strassenlaterne schwimmt wie eine leuchtboje
durch das nebelmeer
verschwindet
taucht wieder auf
verschwindet

mit nassem gefieder taucht der nachtvogel
nach flinken traumfischen
sein ruf verhallt klagend im ozean der nacht

20.2.19

prager gedanken


ein teil meines familienerbes ist die trauer. sie befindet sich in meiner erinnerung. eine art von ahnung, dass ich genau weiss, was sich hinter den dunklen hausmauern des alten prag abgespielt hat und sich teilweise immer noch abspielt. die trauer ist meine lebensenergie.
man kann das zentrum der trauer eingrenzen, beinahe lokalisieren. es sind die länder im zentrum von europa, länder, die aus weihrauch, dunkelheit und geheimnissen bestehen. die prager schwermut ist ein teil meines erbes. wahrscheinlich könnte ich auch in budapest darauf treffen. die prager judenstadt ersteht aufs neue in mir, als würden die verschwundenen häuser wie nebel in der luft schweben. vielleicht tun sie das auch. das zentrum von prag schnürt so vielen die luft ab, doch ich kann wieder atmen, in der alten, schweren luft...alte, schwere luft, die nach uraltem holz riecht. zeichen, die in der luft stehen, symbole, wie in die schwere luft gemalt. ich habe sie nie zuvor gesehen, aber ich erkenne sie. ich kenne ihre bedeutung. das lachen wird in prag wiederkommen, wenn ich die symbole sehen kann.

schweres gold der kerzenständer, schimmernd im halbdunkel, verfallene, schiefe grabsteine mit verblichenen inschriften, löwen als wächter der ewigkeit. weihrauchnebel. schwindel im kopf, so viel schwindel, aber ein grosses lachen in mir. engste gassen, so eng wie sonst nirgendwo auf der ganzen welt. windschief, alles. so windschief wie ich. begradigt ist nichts, alles webt und baut. die häuser scheinen sich selbst zu bauen und sich dabei aufs herrlichste zu amüsieren. in der nacht vielleicht ein bisschen mehr, am tag ein bisschen weniger. die häuser bewohnen sich selbst, atmen in die gassen hinaus, stossen einen strom von erinnerungen aus, sorgen selbst für ihre unauslöschbarkeit. sie sind alle noch da. manche können sie sehen. als nebel, als rauch, als kerzenschein. sie haben dafür gesorgt, dass das funktioniert. prager häuser sind klug.

wie schwarzer, dichter rauch, der aus einem gefäss aus eisen quillt, ist meine trauer. schmiedeeisen, schwärzer als alle metalle. ein symbol formt sich darin, doch ich kann es noch nicht genau sehen. es steht im zentrum des rauches. wenn ich näher herangehe, kann ich es wahrscheinlich sehen...
ein grosser geist schwebt über der stadt. er erstreckt sich über die ganze stadt und füllt sie aus bis zur letzten nische. ein bilderbogen an erinnerungen und mit kinderhänden blättere ich darin. und mit kleinsten kinderhänden baue ich langsam das puzzle zusammen, das ich bin. kein teil des puzzles ist maschinell gefertigt worden..die meisten teile sind krumm, verbogen, schief und sie passen genau in meine kinderhände. und das kind, das ich bin und bleibe, kann sich nicht sattsehen an der vielfalt der teile, an den farben und seltsamen formen, an den symbolen und gefühlen.

warum immer die judenstadt? warum bin ich ein judenkind, obwohl meine eltern keine juden sind? ich weiss genau, dass ich jüdisch bin,  manchmal tut es weh..sehr. trotzdem...ich möchte es nicht anders haben. meine wahrnehmung unterscheidet sich so sehr von den anderen, dass wir keine gemeinsamkeiten mehr haben, dass mich keiner mehr versteht, aber trotzdem...das, was ich fühle, was mich zum menschen macht, ist so gross und kreativ, dass es meistens wie ein geschenk wirkt.
und wieder streune ich durch das nächtliche prag und wieder bin ich der einsame gast, der keinen körper hat.

16.2.19

Unsterblich


Schon wieder ein völlig überfüllter Zug, natürlich bei Tag (!). Wer Menschen in einer Ansammlung sieht, versteht, wie Geisteskrankheiten entstehen. Verfolgungswahn, Paranoia, Schizophrenie.
Wer diese Menschen sieht, ihre primitiven Verhaltensweisen wie den gemeinsamen Ansturm auf den einfahrenden Zug (der Ruck, der dabei durch die Menschenmenge geht, ist für einen sensitiv begabten Menschen als körperlicher und seelischer Schmerz spürbar), weiss, warum Menschen totgetreten werden, bei Konzerten, Fussballspielen. Flucht.


::10 Minuten davor::
Hier, sehen Sie, genau an diesem Ort sind 40 Menschen totgetreten worden‘. Die Worte des Taxifahrers, der das Schattenwesen zum Bahnhof befördert.‘Das war der Eingang. Zum Bunker. Damals, als die Stadt bombardiert wurde. 40 Menschen.‘ Und:‘Ich könnte nicht. Draufsteigen. Menschen. Sind. Bestien.‘
Der zerbrechliche Mann, der wie ein lebendig gewordenes Bild Chagalls aussieht, gehört nicht in diese Stadt. Ein Einwohner, aber doch fremd. In Prag wäre er am rechten Platz. Spinnwebneblige, verrauchte Zimmer, krachende Stühle, quietschende Tür. Herbst in Prag. Das Schattenwesen krümmt sich vor Schmerzen. Der dünne, alte Mann mit dem Rabbibart spricht über Astrologie, meint, das Schattenwesen würde ewig leben. Wasserzeichen leben ewig. Das Wasser spült das Gift heraus. Alles, was schädlich ist, wird vom Wasser weggeschwemmt und vom tiefen Ozean verschluckt. Das Geschöpf im Fonds lacht. Glücklich...schon so früh am Morgen, bei Tageslicht! Unfassbar. Der Prager Taxifahrer redet, während das Geschöpf genüsslich raucht.


Das Haus in Prag ist krumm. Tausend Augen schauen aus blinden Fenstern heraus. Der Rabbi spricht mit den Toten. Essigsaure stählernbittere Qual muss er essen, muss essen das Totenbrot, trinken den vergorenen Wein aus den Mäulern der Toten.
Seine Schrift muss krakelig sein unleserlich krakelig Krähenfüsse Spinnenzeichen an der Wand Geheimschrift nur bei Mondschein sichtbar. Gedankenverloren zupft das Schattenwesen einige Spinnweben von der Decke. Er trägt einen handgestrickten Pullover warm ist er nicht, aber besser als so manches. Er ist mager.


Eine böhmische Köchin wär mein Wunsch gewesen mein Leben lang...
Mohn, Zucker, Zimt und Sterne.

13.2.19

Euro Night


Die einsamen Reisenden in dem Zug, der durch eine Winternacht fuhr, sassen still auf ihren Plätzen. Keiner sprach ein Wort, ja, es wirkte, als wäre ihnen die Sprache abhanden gekommen.
Wie steinerne Statuen sassen sie da, den Blick nach innen gerichtet und liessen ihre Gedanken in die eiskalte Nacht strömen.
Das Schattenwesen hatte sich in seinem Sitz verkrochen.
Wie immer sass es ganz hinten, gleich bei der Tür, hinter ihm nur noch die Wand des Abteils. Es dachte über die Stille nach. Amüsiert lehnte es sich zurück und dachte, wie intelligent Menschen plötzlich wirkten, jetzt, da ihnen die Sprache abhanden gekommen war.
Jetzt hörte das Wesen, dessen Heimat Schatten und Nacht waren, den Menschen zu, denn es hatte längst schon begriffen, dass es sinnlos war, dem gesprochenen Wort zu lauschen.

Die Schatten der Nacht erlauben keine lauten Töne. „Alles Laute tötet uns“, sprach es unhörbar in die Stille, „es verletzt uns, reisst tiefe Wunden in unsere Seelen, treibt uns in den Wahnsinn.“
„Die Stille ist unsere Welt.  Ihr jedoch fürchtet sie, denn in der Stille hört ihr, wie die Sekunden eures Lebens verstreichen, hört den feinen Sand durch das Glas der Sanduhr rieseln.
In der Stille findet ihr euren Tod.“
„Doch bedenkt, dass er immer neben euch steht, egal, was ihr tut, um euch abzulenken (um das Leben, wie ihr meint, zu spüren).“
„Nehmt ihn auf in eure Herzen“,
sprach das Wesen weiter, „seid eins mit ihm, verdrängt ihn nicht aus euren Seelen, die nach ihm verlangen.“
Das Schattenwesen, das sich ganz hinten im Abteil verkrochen hatte, fühlte sich plötzlich als Mittelpunkt einer schweigenden Versammlung, als Zentrum eines Kreises von stillen Statuen.


Und die Gedanken der Reisenden strömten weiter wie ein warmer Fluss in die Eiseskälte der Nacht.
Ruhig sassen sie da und der Tod war mitten unter ihnen.

-Gedanken im EuroNight,
in der Nacht des 24.3.1998,
einer wahren Winternacht-



Nachtrag: „Der Tod steht euch gut“, grinste das Schattenwesen. „So seht ihr gleich viel eleganter aus!“

2.2.19

Der Tod des Clowns

Der Clown mit der glitzernden Träne auf der Wange lag auf dem Rücken. Er hatte die Augen weit geöffnet, ein fragender Ausdruck lag in seinen Augen. Beinahe sah es so aus, als würde er schlafen. Seine Mundwinkel waren zum ewigen Lächeln hochgezogen. Er lag da wie im Schlaf.
Langsam breitete sich eine Blutlache um ihn aus. Eine rote Rose lag auf seiner Brust, über seinem Herzen. Die künstliche Träne glitzerte silbrig, er lächelte.
Die Leute, die über ihn hinwegstiegen, um zum Ausgang zu gelangen, vermieden es, in sein Gesicht zu sehen. Geschah es dennoch, glitt ein Ausdruck tiefer Sorge über ihre Gesichter, starrten ihre Augen wie dunkle Schächte ins Leere, erstarben Gelächter und Worte. Mit zitternden Lippen und Entsetzen in den Augen blickten sie auf die Rose in seiner blassen, fragilen Hand. Starrten in seine fragenden Augen. Versuchten, Antworten zu finden, für ihn, für sich selbst. Zum ersten Mal sahen sie ihn wirklich an.

„Er war wunderschön“, bemerkte eine junge Dame und bemühte sich, mit ihren Schuhen nicht ins Blut zu steigen. „Ja, das war er“, bestätigte ihr Begleiter. „Als Kind habe ich von ihm geträumt“. Er blickte unsicher zu ihr auf – er war einer der wenigen gewesen, die sich zu der Gestalt am Boden gebückt hatten, um sie zu inspizieren. „Damals war er aber, nunja, lebendiger“. Er lächelte, nahm sie in die Arme, ging mit ihr zum Ausgang. Als sie hindurchschritten, war der Clown beinahe schon vergessen.
„Er war doch noch so jung“, murmelte ein Mann im Anzug und starrte vor sich hin. „Was für eine verdammte Verschwendung, man könnte regelrecht...“ Er stockte, sah an sich herunter, schüttelte den Kopf. „Wißt ihr, daß ich als Kind zum Zirkus wollte? Hab sogar jonglieren gelernt. Aber...“ Er riß seinen Blick von der reglosen Gestalt am Boden los. „Irgendwann wird ja jeder erwachsen. Man kann nicht immer haben, was man will. Man muß Kompromisse eingehen“, sagte er beinah entschuldigend. „Du mußt verstehen. Du bist selbst schuld daran. Es tut mir ja auch leid. Vor allem ärgert es mich.“ Er wurde laut. „Was für eine verdammte, verdammte Verschwendung. Du...Idiot! Man muß flexibel sein im Leben. Sich anpassen. Glaubst du, uns macht das Spaß? Aber wir haben es trotzdem geschafft, also hättest auch du...du Schwächling!“

Er sah dem Clown in die Augen. „Steh auf. Bitte, steh auf“, flüsterte er. „Es war doch nicht so gemeint. Und du bist auch kein Schwächling, komm schon, alles ist halb so wild.“ Er streckte dem Clown die Hand hin, wie um ihm aufzuhelfen. Das Handy klingelte in seiner Jackentasche. Automatisch griff er danach und führte es ans Ohr, während er über den Clown hinwegstieg. „Gib mir 10 Minuten“, bellte er in sein Handy. „Bin schon auf dem Weg.“ Er eilte durch den Ausgang und verschwand in der Dunkelheit dahinter. Aus dem Off drang seine Stimme, sich rasch entfernend: “Träume sterben nun mal. Dafür wird man ja erwachsen! Wir müssen ja nicht gleich mitsterben. Oder? ODER??“


Der Clown lag in einem Kreis aus Licht, den ein einsamer Scheinwerfer auf ihn warf. Der Raum war leer, sie waren alle gegangen. Die Tür mit der Aufschrift „Ausgang“ fiel langsam und schwer ins Schloß. 
Dahinter war es ziemlich dunkel.

 
17. Juli 2004
(Musik. B-Movie. „Marilyn Dreams“, wieder und wieder...“Marilyn Dreams“ in der Endlosschleife...und plötzlich war er da, der weiße Clown, wie eine Erinnerung an...früher...nur früher war er, nunja, lebendiger.) 
 

28.1.19


der weltengeist haucht
durchsichtige säulen
in sternklaren nächten,

sein atem spielt im feuer des kristalls
im eisblauen zentrum der welt


27.1.19

im winter


im winter

(dem grossen baumeister der welt)


in den blauen nächten

zwischen schlafen und wachen

träumend wohl



fein gewobene ornamente

durchbrechen den blauen baldachin

floral, gotisch, kristallin, 

in unbekümmerter vielfalt

wachsend und webend



still lächelt er

und rätselhaft

das lächeln der sphingen

und tausend kerzen, geliebter,

tausend kerzen will ich dir bringen

25.1.19

st.leonhard, teil 1












st. leonhard in graz ist ein alter friedhof, schön gelegen und historisch interessant. 
das unterste bild z.b. zeigt das grab von admiral von tegetthoff. 

22.1.19

Ich sehe schwarze Vögel am ergrauenden Himmel kreisen.
Manchmal denke ich, ich bin einer von ihnen. Eine Krähe.
Eine schwarze, etwas struppige Krähe mit einem grauen Fleck auf der Brust.
Niemand liebt Krähen wirklich, es sei denn, andere Krähen, und nicht einmal das ist sicher.
Sie fliegen kreischend weg. Ihr schwirrer Flug über den dunklen Himmel hinterlässt
Spinnweben auf meiner Netzhaut.

Ich denke an Friedhöfe und die hohen Bäume am Rand der Stadt.

20.1.19



kannst du noch reden? manchmal denke ich du wärst schon weg und ich lausche aufmerksam 

versuche in den geräuschen der stadt dort unten im summen der elektrischen leitungen der 

telefonleitungen der drähte die sich kreuz und quer über die stadt spannen im zischen der 

elektrischen leitungen der endlosen geräuschkulisse ein wort zu finden nur für mich und ich lausche 

angestrengt in die köpfe der bewohner der stadt hinein ich lese ihre gedanken ihre herzen obwohl ich 

es nicht sollte aber einsam bin ich herr und ein gequälter sklave meiner einsamkeit allein bin ich hier 

und ich hätte eben fast geschrien ein schrei und alle würden mich hören doch stumm bin ich 

geworden aber auch ich brauche ein wort nur für mich doch ich kann nicht mehr hören, nicht 

verstehen aber ich werde weiter angestrengt lauschen auf ein wort nur für mich


17.1.19



When night comes I stand on the stairway and listen,
the stars are swarming in the garden
and I am standing in the dark.
Listen, a star fell with a tinkle!
Do not go out on the grass with bare feet;

my garden is full of splinters.


Edith Södergran



15.1.19

beinhartes update

ein grösseres website-update mit kurzgeschichten/texten, zum teil sehr alt:


neu auf der hp sind:
die seltsame welt der spiegel (gedicht)
gefrierfleisch (gedicht)
im auto (kurztext/gespräch mit einem freund)
in der allee (briefausschnitt/gespräch mit einem freund)
puppen (gedicht)
töten alle lust (briefausschnitt/heiteres philosophieren)

ich habe heute frei und dachte mir, warum nicht etwas nützliches machen. natürlich ruft der haushalt nach mir wie immer (lol) und ein kleines amazonpackerl sollte auch ausgepackt werden (lechz), aber wenn ich mal ein update mache, dann wird das auch durchgezogen. beinhart.
hab auch an dich denken müssen, als ich gestern nacht am computer sass
und an die bar in meinem kopf, und ich hab mir gedacht, dass du mir dort
manchmal hilfst, wenn du willst natürlich. nur wenn du willst. denn es ist
viel arbeit dort und ich brauch dich sehr
und deshalb hab ich ein plakat entworfen für dich und mich und diese seltsame
bar, wo wir manchmal an der theke stehen und diese leuchtenden drinks mixen
und giftiggrünen absinth ausschenken, und dunklen wein...

13.1.19

in der allee

ausschnitt aus einem brief, vor ewigkeiten geschrieben und dennoch wahr, wahrer als vieles von dem, was danach kam


wälder. da waren grosse, bräunlich-rote wälder in einem meer aus nebel. manchmal schien es, als würden sie lautlos an uns vorübergleiten, als wir die strasse entlangfuhren, die im regen glänzte. eine stimme, zerbrechlich, wie ein klirrendes spiel aus glasscherben, wehte gespenstisch durch die graue zwielichtlandschaft, eine stimme, die von leid sprach und von der ästhetik des schmerzes. das wesen sprach von tausenden und abertausenden toden.
‚nichts ist echt‘ hast du geschrieben, als du das vorige mal im spiel warst, nichts ist echt und auch wir sind es nicht. wir sind einfach nicht real. und deshalb gibt es das spiel, damit wir real werden, irgendwo da draussen in einer welt, die wir bewohnen. du weißt, dass die sogenannte realität, wie sie die anderen jeden tag erleben, alles andere als real ist? sie ist so vergänglich, dass sie nicht mal die nächsten 10 jahre bestand haben wird. die welt, in der ich mich bewege, existiert aber schon viel länger, seit dem tag, an dem ich fühlen konnte. vielleicht sollte man den begriff ‚realität‘ einmal überdenken und neue definitionen finden?
wo lebt die seele? in welchen häusern lebt sie, was isst sie, was trinkt sie, warum weint sie oft, mitten im leben?  (wohl, weil sie vom tod träumt. müde seelen weinen, weil sie schlafen wollen)
meine definition der realität ist recht einfach und die meisten würden mir garantiert nicht zustimmen. realität ist dort, wo meine seele lebt, und das ist weiss gott nicht hier. meine seele lebt nicht in dieser alltagswelt, sie ist anders beschaffen, ihre konsistenz ist zu verschieden, zu dunkel, zu traurig, und auch zu ‚lebendig‘. ja, ich bin lebendiger als die menschen, die ich jeden tag treffe. wahrscheinlich, weil meine ‚realität‘ so anders ist, dass ich mir ein echtes leben leisten kann.
wenn ich mit dir im spiel auf dieser dunklen strasse entlangfahre und rechts und links die wälder vorbeigleiten, denke ich, ich kann das anfassen, weißt du, ich kann das fühlen, ich weiss, wie sie aussehen, die wälder und ich kenne dieses gefühl, im nebel zu wandeln (ein seltsames, einsames gefühl...ein ‚irreales‘ gefühl, so im nebel zu wandeln...)
dort gehen wir spazieren, in einer allee, die lang ist und düster. sie sieht irgendwie ein wenig aus wie diese schnurgeraden alleen der grossen friedhöfe oder in irgendeiner stadt, in einem alten stadtviertel, wo es noch diese grossen, kaputten häuser gibt. im nebel gehen wir die allee entlang, über nass glänzende blätter, die glitschig sind und aussehen wie die haut einer schlange. ein geruch liegt dort in der luft, der ist eigenartig und ein wenig unheimlich, denn es riecht dort nicht nur nach vermoderten blättern und regen und erde, sondern nach weihrauch. nach altem weihrauch, oder nach dem gewand eines dunklen engels, der vor uns diese allee entlanggegangen ist, nur ein paar sekunden vor uns. ich stelle mir sein schweres, schwarzes gewand vor, seine langsamen, gemessenen schritte, sein gesicht, das halb im schatten liegt, sein lächelndes gesicht. die augen, diese augen...so gross..diese riesengrossen augen. alles, was von diesem grossen blick getroffen wird, neigt sanft das haupt vor ihm und legt sich nieder, um zu schlafen. der ewige winter, in diesen grossen grossen augen.
ich möchte endlich erfrieren in diesem grossen blick. ich suche diese art des todes, dieses erfrieren in einer winternacht, die sein blick nur ist.
du weißt, ich glaube...
ich bin nur ein kind in diesem dunklen winter’traum‘.
wir wandeln stumm im nebel und man kann nur unseren atem hören, wie rauchfahnen strömt die spur unseres warmen atems, des lebens, in die eiskalte nacht, die noch herbstlich ist, aber nicht mehr lange. der winter wird kommen, alles weist darauf hin, dass der winter bald kommen wird.
‚bald schneit es, ich kann es spüren‘, sagst du und ich weiss nicht, warum, ich neige meinen kopf sanft und fühle einen schleier in meinem haar, obwohl dort keiner ist. ich fühle sanftheit und liebe, die gross ist, liebe zu dir und zu den bäumen. ich nehme deine hand in meine, ganz vorsichtig
und da ist diese stimme, die zerbrochen, wie ein klirrendes spiel aus glasscherben, über der allee schwebt. hörst du? sie singt von tausenden und abertausenden toden.
lass uns weiterspielen, winterelfe, lass uns alles vergessen da draussen, komm in die allee mit mir und fühle, was ich gerade fühle.
im spiel sagen wir die wahrheit. was ist realer als die wahrheit?