1.1.19

reopening archangel

er setzte sich in eine fensternische, zog die beine auf die bank und nahm einen gedichtband aus
der tasche, die neben ihm auf der bank lag. rimbaud, die gesammelten werke. er musste lächeln.
dieser gedichtband begleitete ihn so lange durch die jahre und immer dann, wenn er auf etwas
wartete, las er darin. die zeit verflog schnell, wenn er rimbaud las.

vor ihm auf dem tisch stand eine weisse kerze, die genügend licht gab und dennoch das mondlicht
noch hereinliess, das sich wie milch in einer breiten bahn durch die offene tür ergoss. es war still
wie am friedhof.

"gar kein unpassender vergleich", kam ihm in den sinn, "und ich bin ein verstorbener, der sich noch kurz hier manifestiert, eine bar eröffnet und rimbaud liest, bevor er sich von einem mondstrahl ähnlich wie diesem hier wegbeamen lässt".

der mond stand voll und riesengross über den dächern.
und shine las gedichte.....
wenn ihr kommt - rechnet nicht mit viel licht und lauter musik. stellt euch auf stille ein, kerzenlicht
und leise gespräche. bringt mir eure träume, flüstert shine....