4.9.19

warum sind wir wie wir sind

archangel bar - gedanken zur lage
(alter forentext)

 ich denk mir, dass es trotz allem, was man hier an negativem (menschlichem???) erlebt hat, für uns ganz gut aussieht. ausserdem stellt sich die frage, ob das negative bzw. menschliche wirklich so negativ war oder nicht eher wieder mal eine möglichkeit, was für sich zu lernen. wir sind nicht perfekt. wir müssen nicht perfekt sein, wir haben alle das gute recht, rumzuspinnen, aggressiv zu sein oder auch mal völlig unverständlich. wir haben das recht, weil wir alle mal auf die welt gekommen sind. kling komisch, weiss ich. aber wer sowas brutales wie ne geburt erlebt, der ist von anfang an etwas verplant, würd ich mal sagen. dann waren wir kinder. zuerst kleinkinder, denen oft mal was passiert ist, vielleicht unfälle, vielleicht die ersten verletzungen, auch mal totale missverständnisse mit den eltern - wo wir ununterbrochen nur brüllen mussten, damit uns überhaupt wer wahnimmt und versteht, dass wir gerade was schlimmes durchmachen. dann sind wir grössser geworden und quasi in die gesellschaft eingegliedert, wir mussten in kindergärten gehen und lernen, mit kindern klarzukommen, die eventuell mal etwas brutal oder gemein waren, wir haben gelernt, zu kämpfen. wir mussten damals schon kämpfen, daran erinnern wir uns kaum, aber versucht es mal. mir fallen viele "kleine" gemeinheiten ein und extrem eklige sachen, die andere kinder getan haben und die damals mein ganzes weltbild, das ich gerade aufgebaut habe, verdunkelt haben. ich erspar euch die details. sie sind wirklich manchmal gruselig.:-)


ok, grundschule. irgendwie nett. kämpfen, aber nett. meistens nette lehrer, oder? kinderfreundliche lehrer, idealisten meistens. für mich war das der ort, wo ich mich wirklich wohl gefühlt habe, weil ich glück hatte. dort hab ich menschlichkeit kennengelernt und selbst so oft dinge getan, die menschlich waren - weil ich es dort gelernt habe. lehrer, die krank waren, besuchen gehen und von meinem taschengeld für sie süssigkeiten kaufen. die leute reden übrigens immer noch davon, meine eltern haben es mir erzählt. wie stolz sie auf mich sind.
weiter geht's zum gymnasium. da begann für mich der ultimative ernst des lebens. es war schlagartig aus mit dem, was ich eigentlich gelernt hatte. das wichtigste, was ich lernen konnte im leben und was ich ja schon geschafft hatte, wurde plötzlich weggewischt. hier lernte ich zynismus und menschenverachtung kennen. lehrer, die die bezeichnung nicht verdient haben. einige davon so extrem furchterregend, dass man nächtelang nicht schlafen konnte, den kopf voll sorgen, wegen diesem untier, das, jetzt im nachhinein betrachtet, wie ein kleiner, hässlicher wurm aussieht. und dennoch: kleine hässliche würmer hinterlassen kleine hässliche narben. und darum geht es hier. um die kleinen hässlichen narben, die wir alle im laufe unseres lebens gehortet haben und die nicht mehr weggehen, weil es eben narben sind und narben bleiben ein leben lang.


ich hab gesehen, wie sich das ganze auf unsere kommunikation hier auswirkt. ich war eine zeitlang geschockt, wie wenig wir eigentlich wirklich miteinander zu tun haben, obwohl wir ja so beteuert haben, wie sehr wir uns mögen. hier war wohl der wunsch vater des gedankens. aber ich sehe es gar nicht so negativ wie es den anschein hat. es hat nicht geklappt, das ist schade, aber so what. es wird klappen. irgendwann einmal wird es das. wenn wir besser nachdenken, über all die anderen, nicht nur über uns selbst.
warum funktioniert das alles nicht wirklich? dass wir alles zusammen teilen, dass wir eine echte bar entstehen lassen, dass wir freunde fürs leben werden? vorausschicken möchte ich erstmal, dass freundschaft wirklich wachsen muss. und das klappt virtuell so gut wie gar nicht. es ist ein anfang, mehr nicht. darum hab ich alle, die mich kennenlernen wollen, ja angehalten, mir briefe zu schreiben. das ist schon ein schritt weiter zur freundschaft. briefe sind wichtig, wisst ihr. ich seh eure schrift, ich riech die parfums der mädchen (manchmal auch der herren *g*), aus den umschlägen purzeln fotos, manchmal auch winzige, liebevoll ausgesuchte geschenke. (imuhar!!! danke dir nochmal für alles, was du für mich gesammelt hast. ich weiss es wirklich zu schätzen und ich möchte, dass es weitergeht auf dem weg zur lebenslangen freundschaft. es ist ein weiter weg, aber es klappt). ich kann nur eins sagen: ich möchte briefe von allen archangel-besuchern. warum? ich mag sie. so einfach ist das. ich mag sie so gern, dass ich sie gern um mich habe. vielleicht schaffen wir das mal. und ich möchte diesen bann der einsamkeit durchbrechen, und ich arbeite daran, ich denke nach, über uns alle.
ich hab dazugelernt. ich bin kein egoist mehr. das hat dieses "forum" erreicht, und nach all diesen oft furchtbaren* zwischenfällen kann ich nur sagen: es hat sich trotzdem gelohnt. ich kann menschen wieder an mich ranlassen. trotz narben, die mir ja für immer bleiben.
aber schluss damit, ich denke jetzt über uns alle nach, nicht nur über mich.:-) FH war so frustriert am ende. er dachte, er hätte schuld daran, dass die bar so geworden ist, wie sie ist. ein ort, wo auch mal wild diskutiert (gestritten) wird. ein ort, der nicht immer angenehm ist. aber fh irrt sich so extrem. es wär sowieso so gekommen.

wie gesagt, wir sind alle vernarbt, und irgendwann wär das alles rausgekommen und dass es rauskommt, ist doch gut. wir sind, wie wir sind und nicht wie das, was wir gerne wären.


*musste gerade lachen - es klingt so, als hätte kaum einer dieses forum lebend verlassen. so ne art psychopathenforum, in dem jeder auf jeden losgeht. manchmal war es aber wirklich so :)