31.8.12

sommer II - hundstage

I


im flirrenden licht der sonne bildeten hügelketten verschwommene umrisse von schwarz, das sich über gelb und sienna von feldern und sandkuhlen erhob. die landschaft wirkte wie ausgestorben, menschenleer. das schwirren, surren, krabbeln und flattern von insekten bildete eine geräuschkulisse, die viel zu laut, wie ein greller klangteppich, über der scheinbar unbelebten landschaft lag.
ein aussergewöhnlicher tag, obwohl er sich dem anschein nach in nichts von den übrigen tagen unterschied
ein blutiger, schreiender tag
über dem der schatten der sonne lag
alles war im begriff, sich aufzulösen. sich als illusorisch herauszustellen.


II



in den hundstagen lastete die hitze wie eine decke über den tälern,
kein windhauch bewegte die luft, die gerüche waren mannigfaltig,
süss und holzig über den hügeln in der ferne, würzig über den wiesen,
stechend und scharf am strassenrand, wo unzählige tiere zu tode gekommen waren.
am feldrain lagen kröten und frösche, ab und zu auch ein vogel oder eine überfahrene katze.
hier stank der sommer nach tod und verwesung, nach dunkelheit
er nahm die form eines bösartigen tieres an,
dessen atem nach verwesendem fleisch und vergorenem blut stank


III



das tier lag träge am strassenrand und kaute an fleischfetzen, haut und sehnen, bis nur noch blanke knochen blieben, die es mit seiner feurigen zunge bleich leckte.
grünschillernde fliegenschwärme begleiteten das tier, glitten wellenförmig auf seinem heissen atem dahin, taumelten auf bunten verwesungsfarben, lagen hilflos auf dem rücken und zappelten in blutlachen

drifteten durch blutschwere luft
-rot und braun auf blauem grund-


IV


in der ferne zogen vogelschwärme dahin.
vögel, über deren flügel wellenförmig neue strukturen glitten, flogen, tauchten
waren verschwunden
schemenhafte wellentaucher

schattenhaft. verwirrend. schmerzlich.

4 comments :

Rachel said...

Liebe Lila,

du hast eine ganz besondere Art, dich mitzuteilen. Es gefällt mir sehr!!!

herzlichst, Rachel

Lila said...

hallo, rachel! schön, wieder mal voneinander zu lesen! und danke für's abonnieren meines blogs.:)

danke auch für's lob. es bedeutet mir viel. ich mag deine art zu schreiben ebenfalls sehr gern.

liebe grüsse,
lila

Kelet said...

Erinnert mich an die Sommer in Kasachstan.
Da lebte ich noch bei meiner Oma.
Ich musste immer Besorgungen machen da meine Oma nicht gut zu Fuß war.
Bis zum nächten Laden waren so an die 2km und so band ich mir ein Kopftüchlein um den Kopf und lief und lief in der Hitze dahin.
Und ich kam auch an Kadavern vorbei.
Es waren nicht so viele wie in deiner Erzählung doch genug um mir die Nase zu rümpfen als ich sie mir genau ansah.
Da ich diese Strecke immer wieder lief war ich immer über das Fortschreiten der Verwesung auf dem laufenen.

Lila said...

oh, du kennst solche sommer auch! die sind schlimm, aber auch sehr schön. es ist eine eigene ästhetik, aber man braucht sicher einen recht guten magen. die verschiedenen verwesungsstadien kann ich mir vorstellen. neben meiner bushaltestelle lag vorigen sommer ein überfahrener grosser igel. seine eingweide lagen in der ganzen gegend verstreut und schmorten in der sonne. verfärbten sich und schillerten, zogen fliegen an. der gestank war ungeheuer.

mann, ich krieg das bild von klein kelet mit kopftüchlein und den vielen kadavern am rand der strasse nicht mehr aus dem kopf. es klingt dämlich, aber ich find es supersüss.