4.6.26

der einsamste moment

er ist gerade gekommen. hat das gebäude von aussen lange betrachtet, gezögert…wollte weitergehen wie sonst auch immer - seine spaziergänge hatten ihn rein zufällig (natürlich…) immer wieder in diese gegend geführt. diesmal konnte er der verlockung nicht widerstehen. ein mondstrahl hatte das fenster erhellt und er musste hineinschauen. wie im traum nahm er den grossen schlüsselbund von seinem gürtel, wo der goldene jugendstilschlüssel zwischen den vielen anderen korrodierten dunklen schlüsseln blitzte. der mond liess ihn in seiner hand funkeln. und in dieses funkeln mischte sich das funkeln seiner augen, seiner tränen, seiner uralten träume. er zog eine taschenuhr heraus und las die zeit ab - der countdown bis zum nächsten mal, zur nächsten öffnung der bar. die uhr stand auf “nullpunkt” - der nullpunkt der zeit. er schloss die tür auf. viel früher, als er es eigentlich beabsichtigt hatte, aber wenn der countdown nun mal beendet war. :-)


nun lehnt er an der offenen tür, raucht langsam und blickt nachdenklich in den himmel. hinter ihm in der bar brennt kein licht. nur die anlage ist an. es ist ein besonderer moment, er ist völlig allein, noch nie war er so allein wie in diesem moment, mit sich selbst, mit der archangel bar, mit der welt. ein hauch von weissen blüten mischt sich in die nachtluft. er schliesst die augen und träumerisch, wie im schlaf, murmelt er worte in einer alten sprache, die er nur dann spricht, wenn er sich selbst gefunden hat.