29.7.26

grauschleier


das haus ist weit draussen, kilometerweit von der nächsten ortschaft entfernt, umgeben von hohen zypressen und etwas niedrigeren obstbäumen, die sich über das weitläufige anwesen verteilen. bei nacht kann es einsam werden. sehr einsam. 

in einen südländischen frühling duckt sich etwas so grauenhaftes, dunkles, etwas, das die farben des frühlings auslöscht zu völliger farblosigkeit, nein, eher zu monochromen farben, wie bilder, die ein augenkranker sehen mag. jemand, der farben nicht mehr sehen, sich aber noch daran erinnern kann, und dessen erinnerung langsam verblasst. im zentrum des hauses herrscht blendendes kaltes weiss. in das haus kommen die toten, dort beginnt ihre langsame reise ins vergessen. 

die farben werden von metallischen tönen überzogen, sie wirken stumpf und abgestorben. unter der berührung der toten stirbt jedes blatt, wird von silbergrau überzogen, als wäre es von parasiten befallen, die dem blatt die lebensenergie entziehen, zuerst dem blatt, dann der pflanze. silberne blätter leuchten im mondlicht, staub tanzt in der luft, knisternde, raschelnde geräusche entstehen, wenn sich staubtrockene blätter einrollen.. ununterbrochen raschelt und knistert es, mondsüchtige, weisse triebe spriessen aus der erde wie finger. etwas weiter weg vom haus stehen schwarze zypressen und verkrüppelte olivenbäume, die ineinander verschlungen wachsen und eine mauer aus schwarzem wurzelwerk bilden, undurchdringlich, verkrüppelt, bei mondlicht eigentümlich gnom-ähnlich. 

ein breiter aufgang führt zum haus, eine freitreppe, dann ein grosses tor. hoch türmt es sich. die tür ist unversperrt oder der schlüssel steckt im blumentopf in der trockenen erde. man weiss es instinktiv, greift automatisch danach und zieht ihn an seinem reichverzierten griff aus der erde. ein grosser schlüssel, schwarz, aus eisen wie das tor. die fensterscheiben sind grau und stumpf, als wären sie von innen beschlagen oder mit oxydiertem metall beschichtet, das licht dringt gefiltert ein, auch das mondlicht erhält so eine eigene qualität, es gleicht grauem regen. es regnet oft. dann spriessen die mondsüchtigen, bleichen triebe unter den fenstern und ums haus. 

dort im mondlicht zu sitzen ist traurig und melancholisch, alles ist zu grau geworden. man wartet. während alle erinnerungen verblassen, alle farben langsam schwinden, der geist sich leert. im grauen regen, im zwielicht, man sitzt am fenster, nicht mehr wartend, man wüsste nicht, worauf. vielleicht wird man sich dann erheben und den korridor entlanggehen, der zum zentrum des hauses führt. während das haus und der seltsame garten sich selbst auflösen, die wände verblassen und durchscheinend werden...der korridor, durch den man vor kurzem noch gegangen ist, verschwindet wie ein verblassender traum 5 minuten nach dem aufwachen.

25.7.26

bad girls don't die...









 

resurrection sadie, living dead dolls


7.6.26

cute celestial horror ♥

 








rain ist wieder mal unterwegs mit ihrer gang 

4.6.26

der einsamste moment

er ist gerade gekommen. hat das gebäude von aussen lange betrachtet, gezögert…wollte weitergehen wie sonst auch immer - seine spaziergänge hatten ihn rein zufällig (natürlich…) immer wieder in diese gegend geführt. diesmal konnte er der verlockung nicht widerstehen. ein mondstrahl hatte das fenster erhellt und er musste hineinschauen. wie im traum nahm er den grossen schlüsselbund von seinem gürtel, wo der goldene jugendstilschlüssel zwischen den vielen anderen korrodierten dunklen schlüsseln blitzte. der mond liess ihn in seiner hand funkeln. und in dieses funkeln mischte sich das funkeln seiner augen, seiner tränen, seiner uralten träume. er zog eine taschenuhr heraus und las die zeit ab - der countdown bis zum nächsten mal, zur nächsten öffnung der bar. die uhr stand auf “nullpunkt” - der nullpunkt der zeit. er schloss die tür auf. viel früher, als er es eigentlich beabsichtigt hatte, aber wenn der countdown nun mal beendet war. :-)


nun lehnt er an der offenen tür, raucht langsam und blickt nachdenklich in den himmel. hinter ihm in der bar brennt kein licht. nur die anlage ist an. es ist ein besonderer moment, er ist völlig allein, noch nie war er so allein wie in diesem moment, mit sich selbst, mit der archangel bar, mit der welt. ein hauch von weissen blüten mischt sich in die nachtluft. er schliesst die augen und träumerisch, wie im schlaf, murmelt er worte in einer alten sprache, die er nur dann spricht, wenn er sich selbst gefunden hat.

2.6.26

miss lilly baxter ist noch nicht wirklich munter


gibst du mir mal nen schwarzen kaffee? ohne alles, nur schwarz und vor allem kein zucker. ihre stimme klingt rauchig. sie zündet sich gleich wieder eine an und hustet in ein schwarzes stofftaschentuch mit violetten spitzen am rand. an ihr ist überhaupt alles schwarz und violett.

sie trägt einen schwarzen gehrock aus spitze, darunter eine violette korsage, leggings und kommandoboots, eine lange silberkette mit einem verschnörkelten kreuzanhänger und jede menge schwere silberringe. ihre violettgesträhnten aber ansonsten schwarzen haare gehen fast bis zum boden, ihre schläfen sind jedoch ausgeschoren und völlig glatt. sie ist sehr bleich geschminkt, bis auf die augen, die dick mit kajal umrandet sind. sie macht den eindruck, als wäre sie gerade eben aufgestanden und noch nicht ganz munter. der eindruck täuscht auch nicht. den kaffee hat sie absolut nötig.

und bring mir gleich noch ein glas rotwein, bitte. sie lächelt den barkeeper an.

nimm dir auch eins, wenn du magst, geht auf mich. sie beginnt in ihrer doktortasche zu kramen. findet das gesuchte und setzt sich eine sonnenbrille mit dunkelviolett getönten gläsern auf. dann blickt sie sich um und für einen augenblick sieht sie gar nicht mehr so verschlafen aus, sondern ziemlich hellwach.


sie bemüht sich, einmal nicht die gedanken zu denken, die man normalerweise in einem club wie diesem vor sich hindenkt, ohne wirklich mal auf die stopptaste zu drücken.

sie bemüht sich wirklich, den ewigen monolog zu unterbrechen, dieses ewige ach ich bin so einsam, ach ich bin so anders, wir sind alle völlig allein, keiner ist am anderen interessiert, nur an sich selber, und sie stellt fest, dass sie eigentlich ganz woanders ist und immer war. wenn einmal dieser monolog völlig fehlt, dann stellt sie fest, dass sie wirklich nie richtig da war, seelisch ganz weit fort.

und wenn es den anderen auch so geht, dann wäre das wohl der beste zustand, den es geben kann.

wenn man es sich eingesteht, gibt es kaum ein echtes gespräch zwischen menschen, nur zufällige monologe, die aufeinandertreffen und in denen jeder nur von sich erzählt, aber dem anderen nie wirklich hinter die geschlossenen lider blickt. wir kreisen permanent um uns selbst. vielleicht hält uns das bei verstand.

und trotzdem träumen wir immer davon, zu den anderen kontakt herzustellen und mit ihnen die nächte durchzureden. was würden wir in solchen nächten erfahren, von uns selber? wir würden wir uns in den augen des gegenübers spiegeln? was würden wir sehen? wie uns der andere wahrnimmt.

freundschaft wäre demnach die bestätigung des eigenen egos. vielleicht kann man nur noch einzelgängern einigermassen vertrauen. sie stehen zumindest zu ihrer art und tragen keine masken. man sagt, der mensch wäre ein gesellschaftstier. aber nicht, weil er die gesellschaft der anderen so gern hat. es geht um die erfüllung von bedürfnissen, mehr nicht.

sollte eigentlich deprimierend sein, aber irgendwie ist es auch auf eine undefinierbare art und weise angenehm, sich diesen gedanken auszusetzen und nicht dabei draufzugehen.


sollte es noch etwas geben ausser dieser nackten wahrheit, dann muss es übernatürlich sein. menschlich ist es sicher nicht. es gibt noch etwas. nur möchte sie gerade nicht darüber nachdenken. einmal nicht leiden, ok? einmal nicht diese art von flügel spüren, die sich mächtig und strahlend entfalten. einmal nur ein ganz ganz niedriges menschentier sein. mein herz ist fragil, siehst du das nicht?


ich hab mal einen mann kennengelernt, in einem club ähnlich wie diesem. er hatte dieses shirt an, auf dem in blut das wort disease geschrieben war. ich dachte eigentlich, es wäre sein eigenes blut, doch wie er mir lachend erzählte, war es das blut eines anderen, mit dem er es geschrieben hatte.

28.1.26

calico on ice

 






das sonderbarste an den minustemperaturen dieses winters ist calico, die bei tagesanbruch ihre runden aussen auf dem fensterbrett dreht. minus 15 grad, im pyjama. es ist immer wieder zermürbend, wenn man vom kratzen am fenster aufgeweckt wird und dieses kleine morbide lächelnde girlie sieht. natürlich macht sie sowas nicht, wenn es warm ist. es muss unter null sein, sonst wäre es zu normal. findet sie. 
und normal macht ihr angst.
mir auch.