alice mit dem roten schirm im schneegestöber
sie sagt sie wäre zuhause in diesem augenblick
unbeschwert traurig sein dürfen
und nicht mal den grund dafür zu kennen
stundenlang durch den schnee laufen
ohne ein ziel zu wissen
vielleicht gibt es kein ziel
alice schreit manchmal ohne grund die wände an
schlägt mit den fäusten in den spiegel, bis sie bluten
im nächsten moment lacht sie wieder
und sagt nichts wäre so schlimm
sondern noch viel schlimmer
doch sie sagt es so, als wäre es ein witz
über den nur insider lachen können
vögel, die landen, hören auf vom himmel zu träumen
und singen nicht mehr im schlaf
sie ist sich sicher, sie wird niemals landen
alles was sie macht, ist wie ein spiel
sonst wäre es nicht mehr zu ertragen
sie spielt sich selbst und sieht sich belustigt zu
alice wandert ziellos durch die strassen
während links und rechts die kartenhäuser zusammenbrechen
30.1.26
red umbrella
28.1.26
calico on ice
23.1.26
archangelbar thread - about books, journeys, dreams...
das gefühl, wieder neue bücher zu besitzen, ist ein ganz eigenes, es ist so, als wäre wieder neues leben hier, sie scheinen zu atmen und ein hauch von abenteuer liegt in der luft. ein abenteuer, wie ich es am meisten liebe - das entdecken neuer welten. wie eigenartig. man beginnt, menschen wieder zu lieben, wenn man ihre bücher liest.
niemand, der viel liest, kann menschen auf dauer verabscheuen, es wäre doch zu vermessen und auch völlig unlogisch. menschen zu hassen, aber ihre bücher zu lieben...das funktioniert nicht. also könnte man mich als menschenfreund bezeichnen. ich liebe ihre aufzeichnungen, seien es texte über ihre reisen, über andere menschen oder ausflüge in phantastische welten, und auch "simple" kochbücher schätze ich sehr, wobei der ausdruck simpel nicht gerade passend erscheint. die kochbücher, die ich mir zulege, haben meistens eine ziemlich lange reise hinter sich, und ich muss oft drei bis vier wochen warten, bis ich sie endlich in den händen halten kann. ausserdem sind es meistens auch bücher randvoll mjit geschichten und bildern.
wie diese beiden, die heute dabei waren:
☆ maxwell house coffee, drinks and desserts cookbook
from lattes and muffins to decadent cakes and midnight treats
☆ miss mary bobo's boarding house cookbook
a celebration of traditional southern dishes that made miss mary bobo's an american legend
die beiden bücher sind hierzulande natürlich nahezu unbekannt.:-) ich hab damals, als ich in einer meiner amerikanischen newsgroups war, wie verrückt gescannte seiten aus den beiden büchern gesammelt, und irgendwann musste ich feststellen, dass es nicht genügt, die digitalisierte version, von der auch einiges fehlte, zu besitzen. es mussten die gebundenen bücher her, unbedingt. die magie, die von den scans ausging, war so gross und jetzt, wo sie endlich in echt da sind, ist die zufriedenheit unbeschreiblich.
die kuchenrezepte von maxwell house sind tatsächlich aussergewöhnlich. ich hab ehrlich gesagt noch nie ein solches buch besessen, wo man am liebsten schon die seiten essen möchte, aber hier ist es so. wundervoll.:-)
und wieder denke ich, ich sollte mal etwas aus meiner leidenschaft machen. langsam reicht es mir nicht aus, diese fantastischen kochbücher nur zu sammeln. @ain, du weisst ja, wie es mir so geht...es ist noch immer so und vielleicht noch eine spur intensiver geworden. die schönheit der welt zeigt sich auch und vor allem hier, in der kunst des kochens und in der kunst der gastfreundschaft,ich denke, es ist ein wichtiger teil unserer kultur, den wir inzwischen fast verloren haben. nimm z.b. diese bücher, von denen ich gerade erzählt habe. die haben tradition, die rezepte sind teilweise uralt und sind von generation zu generation weiterüberliefert worden. wie die leute damals feste feierten, wie sie lebten, das alles gefällt mir so viel mehr als das, was man heute so geboten kriegt, es reicht mir nicht aus, mich damit zufriedenzugeben - ich möchte sozusagen eine welt gestalten, wie sie mir gefällt, und nicht die welt wertfrei übernehmen, die ich quasi auf dem silbertablett serviert kriege. klar, es wäre einfacher, sich nur zurückzulehnen und zu sagen, was soll's. es geht uns doch gut.
wir hungern nicht und es ist uns im winter nicht kalt, wir frieren nicht und wir haben genug geld, um über die runden zu kommen. erstens geht es uns nicht gut, sonst würden wir nicht immer von unseren träumen reden, denn wir halten uns daran fest, was schon ok ist (gerade ich darf hier nicht kritisieren - ich mach das doch schon lange so). also, es geht uns anscheinend nicht so gut, wie wir oft von uns fälschlicherweise behaupten. zweitens frieren wir innerlich. wie die leute während eines krieges, nur haben wir genug heizmaterial, doch frieren wir eben erbärmlich vor uns hin, unsere seelen frieren, und wahrscheinlich ist auch krieg, nur dass ihn kaum einer als solchen erkennt, und leute die im krieg leben, frieren. und sehnen sich nach etwas heimeligem. nach zusammensein, nestwärme. das ist es wahrscheinlich. alle kommen mir so vor, als wären sie aus dem nest geplumpst und können nicht damit klarkommen, wie sollten sie auch. es gibt heutzutage auch keine sicheren nester für unsere vogelseelen mehr, nur die unsichersten der welt, religionen und sekten, die uns verführen und kaputtmachen, und den konsumrausch, der gnädig jeden schmerz zudeckt und und das frieren manchmal beendet, bis wir nach unserer shoppingattacke wieder beginnen zu frösteln und das schlimmer als zuvor.
nestwärme, liebevoller umgang miteinander sowie mit den ressourcen der erde, gastfreundschaft, freude an der gesellschaft der anderen, das wären so die grundpfeiler meines denkens. und daraus möchte ich gerne mal meine welt erschaffen. wahrscheinlich hab ich sogar schon damit begonnen, denn ich
kann mich nicht einfach nach getaner arbeit zurücklehnen und sagen, das wär's, die glotze anwerfen und wegdösen. ich muss träumen, aber das reicht mir nicht.
weisst du, was mich am besten träumen lässt? die tatsache, dass der himmel so verdammt weit ist. dass da hinter dem horizont dieser engen stadt ein so weiter und blauer horizont wartet, dass er mir die tränen der liebe in die augen treiben wird. es wird so weit sein, so unendlich weit. erst dann darf ich zeigen, was ich wirklich kann.
beinah würd ich sagen, ja, im überschwang des blauen horizontes würde ich dann sagen: kommt alle mit. lasst uns ein schiff bauen. lasst uns mit diesem wunderschiff wegsegeln und nicht mehr zurückschauen, lasst uns aufbrechen, die nase in den wind halten, das abenteuer spüren, ja, das würde ich im überschwang dieses tiefblauen himmels, der sein echo in meiner seele findet, zu euch sagen und es wäre wohl die einzige wahrheit, mein leben, das ich jederzeit dafür geben würde, ja, und nur der himmel weiss, dass ich keine hohlen phrasen dresche.
aber nun bin ich gefangen. gefangen in einer welt der konventionen. hinter mauern und stacheldrahtverhau, und ich dürfte nicht so reden, vom blauen himmelszelt und von geblähten segeln, vom glück, zu leben, das dürfte ich nicht, und doch mache ich es, und ich vertraue darauf, dass ihr mich nicht in stücke reisst, mich nicht mit zynismus niedermacht, sondern versteht, wie ich es meine.
19.1.26
coffeetime
vielleicht gibt es ihn immer noch. wenn er zu real wäre, wäre er längst in der vergessenheit verschwunden, aber da er das nicht ist, existiert er immer noch. der stillgelegte bahnhof mit dem warteraum, der in angenehmes halbdunkel gehüllt ist.
sogar im sommer bei flirrender hitze ist es kühl. man kann hier perfekt einen heissen tag verschlafen oder lesen oder einfach nur aufs meer schauen.
hier kommen garantiert nur wenige leute vorbei und noch weniger leute bleiben. diejenigen, die den raum sofort wieder verlassen, wirken desorientiert und durcheinander, als würden sie bei der stille, die in diesem raum herrscht, ein gefühl der ohnmacht empfinden. als wäre ihnen die stille unangenehm. sie werden wieder in die masse der menschen eintauchen, darin verschwinden und im allgemeinen stimmengewirr das wiederfinden, was sie ihren verstand nennen. genau solche leute fühlen sich hier an diesem ort verloren und unwohl. und so ist es auch gedacht.
dieser ort ist einladend, doch die einladung gilt nicht jedem.
es führen schienen am bahnhof vorbei. verrostete schienen, vom meerwasser überspült.
die korrosion ist allgegenwärtig.
hie und da schwappt eine welle meerwasser in die wartehalle und spült algen und sand herein.
seemöven hocken auf den pfosten, die vor dem gebäude aus dem wasser ragen und starren auf's wasser hinaus.
die einzigen wahrnehmbaren geräusche, das leise rauschen von wasser und das gelegentliche krächzen und schreien der möven, tragen zum allgemeinen gefühl bei, dass man sich hier eigentlich nicht wirklich an land befindet, nicht auf festem boden, sondern dass es sich hier um eine insel handelt.
hinten im raum, wo es am dunkelsten ist, steht eine verschlissene, grosse couch aus dunkelrotem samt. sie wirkt seltsam deplaziert, morbid und immer noch wunderschön. sie könnte aus einem schloss stammen oder aus einer dieser goth-ähnlichen bars, wie man sie in mancher grossstadt noch vorfindet, wenn man glück hat.
schräg hinter der couch befindet sich ein grosser, moderner und leicht korrodierter, prächtiger kaffeeautomat...
20.11.25
das haus auf dem plateau
steinchen, die unter den reifen wegspringen. sonnengebleicht. knirschend. staubfahnen. efeu kriecht den strassenrand entlang, schlängelt sich auf die strasse. verkrallt sich. müde blätter. warten auf regen. staub. auf der windschutzscheibe. klirrende kreuze unter dem spiegel, schwingend bei jedem schlagloch. sunglasses on. batcave, leise aus den boxen. efeuarme über der strasse. festgekrallt. dürres gras, den asphalt sprengend. risse im boden.
dunstiger horizont, über der baumgruppe, ganz weit vorne, kilometerweit noch. schnurgerade strasse, ansteigend, bis zum plateau, den bäumen, am horizont, wo der regen fällt, wo es endlich regnet. am horizont, weit vorne, die strasse gerade, ein flirrender strich, wie mit dem lineal gezogen, zum horizont ansteigend, wo die weiden stehen, an der biegung des flusses, wo die zweige in den fluss hängen. die gruppe der alten weiden, die bank am fluss. das haus. die wartenden bewohner des hauses.
am plateau. vor dem haus steht das auto. vielleicht war da mal der wunsch nach regen, nach frischer luft, heissem tee. der wunsch nach gesprächen mit den bewohnern des hauses, ihrem lächeln, dem ausdruck in ihren augen. vielleicht war da mal ein unbestimmtes gefühl, im hinterkopf, in der magengrube, dass etwas fehlte. unbestimmt, verdrängt, aber immer da. der reissende schmerz verteilt auf viele tage und darum erträglich geworden. nur das ziehen in der magengrube und gelegentlich ein mulmiges gefühl, kopfschmerzen. tränen, ungeweint. niemals geweint.
vielleicht war da mal der endlose, auf viele tage verteilte schmerz und der wunsch nach regen. früher einmal.
das auto stand vor dem haus.
das flüstern der weiden.
17.11.25
hinter dem eisregen
calexico im auto, was doch ne einigermassen neue erfahrung ist. normalerweise hört er drüben calexico. drüben in bar numero uno. es regnet. klar. immer, wenn er calexico hört, regnet es. nichts neues. house of valparaiso. die anspannung der letzten wochen fällt von ihm ab, er lehnt sich zurück und raucht sich eine an. nach der fahrt wird er müde sein. so müde wie nach drei marathons. eine fahrt über den highway, wo er sich seinen dämonen aussetzen wird. er wird gewinnen. er wird aufs gas steigen, nicht mehr runtergehen, das gaspedal voll durchtreten und
yeah, manchmal drückt es ihm tränen raus
ohne selbstmitleid
irgendwie waren es immer tränen der rührung, obwohl man es ihm nie zutrauen würde. rührung, weil er sie wieder spürt. menschen ringsumher, hinter den neonsigns, hinter den smogwolken, hinter den barrieren aus gift und abfall. manchmal leuchten sie. noch immer tun sie das. wie sterne und er glaubt an sternenlicht, es ist alles, woran er glaubt. vielleicht liebt er sie. vielleicht liebt er sie zu sehr. wahrscheinlich.
er seufzt tief auf und drückt die zigarette aus. ein anstrengendes völkchen, aber sie sind es wert. sie waren es immer wert.
auf einmal sind sie wieder da, die gedanken an steve und ghost. stevie, der betrunken fährt und ghost, der daneben in seinem sitz liegt und schläft. ghost mit den getrockneten rosenblättern in den taschen seines weiten mantels, in dem er wie eine vogelscheuche aussieht. sein alter kumpel ghost, der damals die decke seines zimmers blau angemalt hat. warum? er lächelt kurz. weil sein alter kumpel nicht ohne den himmel auskommt, nicht mal für eine minute seines lebens. weil es ihn beruhigt, den himmel zu sehen. wie ein kind, das vorm einschlafen etwas vertrautes sehen muss, weil sonst die bösen träume wieder kommen, von den dämonen, die ihn hetzen. sein kumpel könnte diesbezüglich sein zwilling sein. wenn der himmel näher rückt, kommt alles wieder in ordnung, und er rückt unaufhaltsam näher. obwohl es manchmal nicht den anschein hat, aber es ist so. einige zeichen stehen wieder auf den wänden.
die kinder der apokalypse, die lost souls ... wie lächerlich das eigentlich ist, sie als verloren zu bezeichnen, die einzigen, die was begriffen haben...die in ihren schlupfwinkeln in allen ecken der dunklen stadt auf die ankunft des königs warten, noch immer. obwohl einige von ihnen aufgegeben haben. haben den himmel nicht mehr gesehen, haben zu tief in den dunklen spiegel des abgrunds gesehen, und sind so verloren gegangen.
trotzdem...ghost und steve...wahrscheinlich für immer vereint...am ende des weges, der story, irgendwo mit dem rücken an nen grabstein gelehnt, mit ner flasche rotwein und den sternen über ihnen. im freien, wo sie auch schlafen werden. nach einigen joints, die sie immer alberner werden lassen, bis sie wild lachend wohl den letzten toten aus seinem grab verscheucht haben. störung der totenruhe, wenn sich das leben wieder mal vordrängt. dumme kinder. und was schlimm ist, sie bleiben so für immer. vielleicht gar nicht so schlimm...manche leute haben was ewiges an sich. weisste, sagte ghost mal zu steve, als er wieder mal besonders erleuchtet war, eigentlich sind wir wie figuren in nem roman. in nem grossen roman. und wir sind unsterblich.
er ist eingermassen verwirrt. für nen kurzen augenblick war etwas in der luft, weisse blüten, jasmin und magnolien, wie in einer warmen sommernacht im tiefen süden und er taucht weiter ein in die tiefe, warme nacht, die hinter dem eisregen liegt, taucht weit hinunter, wo all seine träume sind, die lebendig sind und warm und tröstlich.
hinter dem eisregen
22.8.25
7.7.25
hacker jesus
es ist nicht lang her, da klopfte eines tages ein mann an meine tür, der sagte, er hacker und sein name sei jesus. er müsse ganz dringend meinen computer verwenden, weil er irgendwie vorhatte, alle grosskonzerne zu hacken und auf ihren websites ein dickes fettes aschloch upzuloaden, das gerade kackt, was weiss ich, jedenfalls war er speedig herinnen und sass schon am küchentisch, als ich noch die tür versperrte und argwöhnisch durch den spion äugte, ob ihm wer gefolgt war. zum computer geht's da lang, sagte ich und zeigte auf den gang, richtung mein zimmer. aber irgendwie war er in redelaune und hielt mir einen dermassen langen diskurs über linux, dass ich wohl eingepennt bin. schande, ich weiss. jedenfalls, der hacker jesus war schon weg, als ich aufwachte, aber die kaffeemaschine war noch warm.




