25.11.23

das stille liebespaar


er liest ihr aus einem buch vor.

sie ist so auf ihn konzentriert, dass sie die umgebung nicht beachtet. er ist ein schöner mann, vielleicht nicht schön für den geschmack der masse, dafür ist er zu dünn. sein gesicht ist sehr schmal, seine wangen sind leicht eingefallen, doch sein mund ist voll und sieht sinnlich aus.
er liest ihr konzentriert vor und sie sieht ihm ins gesicht. sie wirkt nicht so, als könnte sie sich auf das konzentrieren, was er liest, obwohl sie sich mühe gibt. er lenkt sie zu sehr ab. sie studiert seine züge wie eine landkarte, die man liebevoll und aufmerksam studiert, wenn man eine lange reise plant.
ein unerforschtes land.

wenn er so liest, sieht er jesus ähnlich, der gerade seinen jüngern ein gebet vorträgt - so sehr ist er auf den text konzentriert. er will sie damit bezaubern, aber das hat er schon längst getan, durch seine gegenwart allein. ein wenig erinnert er auch an johnny depp oder che guevara, ein abenteurer, einer, der nie den leichtesten weg geht.

neben den beiden liegt sein abgegriffener gitarrenkoffer auf der bank. das mädchen kann nur ein paar akkorde, aber sie liebt es, seine gitarre in ihren händen zu haben, und ohne es wirklich zu können, darauf zu spielen und dazu zu singen. die stimme des mädchens klingt wie regen. sie hat nie singen gelernt, aber ihre stimme ist fein und ausdrucksvoll und vibriert wie regen, der zur erde fällt.
dann sieht er sie ähnlich an wie sie ihn gerade eben, konzentriert, wie eine landkarte. 
orte, die alle poetische namen haben. strassen, die nie in die irre führen. auf seltsame art schon jetzt vertraut, aber nicht daran gewöhnt, nie daran gewöhnt, und so wird es immer sein. 
ein regenbogen mit einem topf gold am anderen ende.

20.11.23


das mädchen im blauweissen shirt sitzt stundenlang in derselben position und blickt aufs meer hinaus
am gang lehnt ein junger mann an der halboffenen tür seines abteils und sieht den möwen zu
seine zigarette verglüht hinter ihm unbeachtet zu asche
der lokführer hält eine antike seefahrtskarte in der hand
er blickt sinnend auf den blankpolierten kompass
schaltet die geräte ab und lehnt sich zurück
grünes meerwasser spritzt auf die scheibe
ein buntgewandeter seiltänzer tanzt 10 meter über der meeresoberfläche
die enden des seils verschwinden im dunst am horizont
was für ein schöner anblick das ist, murmelt schläfrig eine alte frau am fenster
ich wollte ihn doch immer noch einmal sehen
er verneigt sich leicht, während sie ihm leise applaudiert

15.11.23

der engel des anbrechenden tages

in einem abteil weiter vorn im zug. die vorhänge an der tür sind halb zugezogen, sie flattern im luftzug, das fenster steht offen. jemand liegt auf der bank und sieht hinaus. ein mädchen, ganz allein.

sie trägt eine kurze hippiebluse mit rotem blütenmuster zu dunkelblauen jeans, die an ihren hüftknochen hängt, dunkelblau, retro, mit abgewetztem stoff, auf dem geschliffene bunte glasperlen funkeln wie kleine verirrte sterne, wunderschön wie alles, was sie trägt, zwischen sehr schäbig und sehr glamourös, nicht grad stylish, sondern mehr, niveauvoll auf eine art und weise, die man nicht auf den ersten blick erkennen würde, auf den zweiten blick umso mehr, aber dann kann man ohnehin nicht mehr wegsehen, von dieser erscheinung, die elfengleich oder wie einer dieser unfassbar schönen rockstars einfach nur enspannt auf der bank liegt und gleichzeitig so aussieht, als würde sie posieren. bei ihr sieht alles wie pose aus, alles was sie tut, und wenn sie nur beim bäcker baguettes kauft. wahrscheinlich, weil sie elegant ist, zart und mit langen gliedmassen, elegant von natur aus.

an ihrem hals hängt ein lederband mit einem silbernen blüten-anhänger, der nach flohmarkt aussieht oder nach einem dieser wirklich guten juweliere, die schmuckstücke herstellen, die nach flohmarkt aussehen, und wieder muss man daran denken, wie es ist, einfach so am frühen sonntag morgen über den flohmarkt zu schlendern, mit wenig geld aber viel zeit, und dem tag beim erwachen zuzusehen, vielleicht danach eine tasse milchkaffee zu trinken, in einem winzigen kaffeehaus, in dem es nach frischen brötchen und kaffee duftet, nachher blumen für die wohnung zu kaufen, die man in den flohmarktvasen überall in den zimmern verteilt
sie sieht nach allen diesen dingen aus, wie gemalt, ein bild aus angenehmen erinnerungen und frischen träumen, wie der tag, der gerade anbricht, kaleidoskopartig bunt, gemustert, durchbrochen von versprengtem sonnenlicht und
verwirbeltem zigarettenrauch.

ungewollt wie ein rockstar auszusehen und immer noch wie ein kind zu sein, das hat sie wohl gut drauf und es ist bei ihr echt und nicht gestellt, das sieht man an ihren augen, die wie die eines rehs sind, dunkelbraun und weit offen. klare augen. wie ein waldteich, bei dem man auf den grund sehen kann, ohne trübungen, als wäre alles ganz einfach, was es sicher nicht ist, und sie weiss das, aber es kümmert
sie nicht. sie reist in ein unbekanntes land, das sie nicht fürchtet. vielleicht gäbe es einiges, was zu fürchten wäre, aber wie es eben so ist, es kümmert sie nicht. sie hat genügend kraft und innere ruhe.


diese reise anzutreten, das wünschte ich uns allen, eine reise in ein frisches grünes land, zusammen mit den engeln des anbrechenden tages. es liegt an uns, was wir daraus machen.

29.9.23

 (…) I am plunging.

I am sinking. I am not coming up for air.


I do not want all this human.


— Clementine von Radics, from Mermaid in “Mouthful Of Forevers”

22.8.23

das motel



glaubt ihr, dass man hier baden kann?

sie sahen das bassin skeptisch an. es war mit wasser gefüllt, aber das mochte gar nichts heissen.
löcher im boden von tschernobyl sind auch mit regenwasser gefüllt und kaum einer würde sie für
swimmingpools halten. aber das hier..das sah schon etwas anders aus. ein mit klarem wasser randvoll
angefüllter swimmingpool, der zwar nicht gerade das allerneueste modell war - er war genau genommen mehr als mitgenommen, aber für den pool eines verlassenen motels war er noch ziemlich gut erhalten.
das wasser, in dem sich der blitzblaue himmel spiegelte, funkelte und gleisste und sie beschatteten ihre augen, damit sie bis zum boden sehen konnten. feine und breitere risse und anscheinend einige löcher, die aber nicht allzu tief sein konnten. man musste aufpassen, aber das wussten sie sowieso. an den orten, wo sie sich am liebsten aufhielten, musste man immer aufpassen. der rand des pools sah gefährlich aus. gesplitterter beton, kanten und zacken, und nicht gerade das, was man hygienisch nennen würde. voller risse, in denen sich dreck angesammelt hatte. aber es gab auch eine leiter aus metall, die ins becken führte. sah nicht allzu schlecht aus für einen nachmittag am pool - etwas, womit
sie in dieser gegend garantiert nicht gerechnet hatten, mitten in texas an einem völlig verlassenen ort wie diesem. eine ihrer haltestellen auf ihrer sonderbaren reise, die sie sich seit jahren gewünscht hatten, ein urlaub, wie ihn sich nur freaks wie sie wünschen konnten. die verlassensten orte, die abgefucktesten hotels und motels, diners am highway, die besonders schmierig und gemeingefährlich aussahen, und nachtclubs, die wahrscheinlich nur lebensmüde betraten. 

sie hatten alles ganz gut überlebt, was im nachhinein ein wunder war. vor allem das essen in gewissen diners hatte schon von der optik und vom geruch her verkündet, dass es im prinzip ungeniessbarer biomüll war, doch sie hatten begeistert alles in sich hineingestopft, was an ekligem zeug vor sie hingestellt worden war, und sie hatten bis auf ein mal, wo man nach einem undefinierbaren gericht - ein stück fleisch, das sich als kotlett ausgab und irgendetwas anderes sein musste (es bestand aus knorpeln und roch nach altem öl) - eine kotz-pause am strassenrand einlegen musste, alles locker weggesteckt. die kotz-pause am strassenrand war inzwischen auch schon als kult-event in die annalen eingegangen, da immer wieder zuerst neugierige, dann angeekelte autofahrer im schneckentempo an ihnen vorbeigeschlichen waren und  ihre neugierde dann  wahrscheinlich auf das heftigste bereut hatten. einer hatte sogar das fenster runtergekurbelt und gefragt, ob er helfen könnte, doch als er sie genauer betrachtet hatte, war er wohl zu dem schluss gekommen, dass ihnen niemand mehr helfen konnte
und er war mit quietschenden reifen abgerauscht. die reifen hatten gequalmt und man hatte danach eine nette burnout-spur gesehen. es war ein kult-event gewesen und nun sah es ganz so aus, als würde das nächste schon auf sie warten, in einem dieser motels.
diese motels. diese motels, die man meiden sollte wie die pest. o-ton des mädchens im diner einige kilometer die strasse runter. jungs, lasst es sein. schaut euch was besseres an, wenn ihr schon hier seid, hier gibt es auch schöne sachen, wisst ihr? sie waren aber nicht grad scharf auf die schönen dinge des lebens, die mainstream-touris auf dem silbernen tablett gereicht wurden, aber das hatten sie
ihr nicht gesagt. sie hätte es nicht verstanden, ausserdem war sie wirklich nett. als sie vom verlassenen motel geredet hatte, das einfach nur grauenhaft sein sollte und so unheimlich, dass es als mutprobe galt, sich nachts hinzuschleichen, war der entschluss einstimmig gewesen, sich dort mal genauer umzusehen. es war leicht zu finden. man musste nur die strasse weiterfahren und da war es auch schon auf der rechten seite.

mit einer eigenen zufahrt natürlich und in einer art miami-pink gestrichen, das früher einmal so grell gewesen sein musste, dass es die autofahrer garantiert aus den sitzen gehoben hatte. es war sicher auffällig gewesen mit diesem pink, rundherum die kakteen und vielleicht sogar palmengewächse,
und mit der neonreklame auf dem dach des vordersten gebäudes, das wohl als rezeption und restaurant gedient haben musste. vielleicht hatte es sogar flamingos gegeben, die in einem pseudotropischen biotop, unter palmwedeln und von künstlichem regen benetzt, neben einem plätschernden teich auf und
abgestelzt waren. darüber der flirrende sternenhimmel. hollywoodschaukeln. liebespaare. cocktails. hochzeitsnächte. das erste kind erzeugen
mommy, hat mich der storch gebracht? nein, ein flamingo, mein schatz.
bestens. nichts geht mehr. rien ne va plus. alles erreicht, was es auf diesem gebiet zu erreichen gilt.
in der nacht sah das sicher gut aus, auf eine gewisse zu kitschige art und weise, eben typisch fünfziger oder sechziger jahre stil. zu cool, um scheisse zu sein. sweet retro dreams.
liebespaare und runaways hatten damals sicher rosafarbene herzchen in den augen gehabt, als sie das motel zum ersten mal gesehen hatten.
das miami-pink war inzwischen zu einer art müdem altrosa verblasst, das langsam in grau überging. das motel war so tot wie nur etwas sein konnte.


das wasser im pool glitzerte in der sonne. es sah seltsam künstlich aus, fast wie einer dieser schotterteiche, die sie im sommer oft besuchten, auf eine gewisse hinterhältige art so verlockend, dass man über die gefahr, die sicher irgendwo lauerte
lauern musste
hinwegsah und nur noch daran denken konnte, wie es sich anfühlen musste, hineinzuspringen und unterzutauchen, vielleicht bis zum boden, trotz oder vielleicht gerade wegen der risse und tiefen furchen, der löcher, mit angehaltenem atem unter wasser zu schwimmen und vielleicht sogar etwas zu finden, das in einem der risse lag und auf entdeckung wartete, etwas, was irgend jemand vor langer zeit verloren hatte, und wenn nicht, dann konnte man noch immer von sich behaupten, in einem verlassenen motel einen nachmittag am pool verbracht zu haben, etwas, was man sicher nicht so bald vergessen würde, eine dieser situationen eben, die zu gut sind, um wahr zu sein. eine möglichkeit, ganz und gar aus der realität zu verschwinden.

darian fühlte die unwirklichkeit des augenblicks, leichten schwindel, als würde sich eine andere dimension über seine eigene legen. er fühlte sich grossartig, obwohl er ganz leicht begonnen hatte, vor sich hinzufrösteln, als würde eine spur von kälte von dieser zweiten, anderen dimension ausgehen
obwohl er in der prallen sonne stand, begann sich eine gänsehaut erst auf seinen unterarmen, dann über seinen ganzen körper auszubreiten.
er drehte sich um und betrachtete das grösste gebäude des motels, mit dem verloschenen neonschild am dach, das wie ein verglühter stern aussah, verwüstet wie nach einem brand, vielleicht von innen her verkohlt, in den blauen himmel ragend wie eine drohung, darunter das gebäude in vergilbtem graurosa, mit bröckelndem verputz und rissen in der wand. das schild war damals sicher weithin zu sehen gewesen
wie eine drohung
darian schüttelte den kopf über diesen letzten gedanken, dessen morbidität überhaupt nicht zu ihm passte. wahrscheinlich lag es an der umgebung, die düstere gedanken erzeugte.
er wischte sich über die stirn, auf der ein leichter kalter schweissfilm lag.
das bild eines buntschillernden insektenartigen gebildes, grotesk aufgebläht und auf dem dach hin und herschwankend wie ein ballon, von gift aufgebläht und leuchtend
in violetter verwesungsfarbe, in die nacht leuchtend wie eine drohung, ein leuchtfeuer, das unter seiner grotesk-bunten umhüllung nichts weiter war als
ein skelettierter gigantischer schädel, der auf und abnickte, mit mahlenden kiefern, beoabachtend, abwartend
lauernd

darian fühlte, wie die kälte ihn ganz umschloss
dann hörte er die schreie, die aus dem himmel über dem neonschild, dem schädel,dem
fressenden insektenschädel zu kommen schienen,schreie, die nichts menschliches mehr hatten
ein elektrischer sturm fegte um das haus und liess sein gesicht prickeln, die haare in seinem nacken standen zu berge
elektrische entladungen liessen das ganze haus wie eine kranke weihnachtsinstallation funkeln
und der skelettierte schädel nickte und nickte langsam auf und ab, mit mahlenden kiefern
er schrie, doch seine schreie gingen in den schreien seiner freunde unter
ein wasserschwall überschwappte ihn, er schnappte nach luft, sein herz raste wie verrückt.
als er wieder klar sehen konnte, stellte er fest, dass sie in den pool gesprungen waren und nun wie kinder darin herumplantschten und ihn mit wasser bespritzten,
und er hatte den klassischen filmriss gehabt, wahrscheinlich war er zu lange in der prallen sonne gewesen, es war wahrscheinlich nur das gewesen.
ein aussetzer, der aber auf unheimliche art und weise realer als die realität gewesen war
das haus sah natürlich wieder so aus wie immer.
ganz eindeutig wahnvorstellungen, begünstigt von der sonne, und vielen dank auch herr doktor,
wenn sie mir jetzt die versprochene spritze setzen würden, damit die bilder aus meinem kopf verschwinden, vor allem dieser
schädel?


darian blickte zu dem neonschild hoch und versuchte die andeutung eines grinsens, das jedoch etwas zittrig ausfiel. das böse in form eines motels.

hatte das mädchen im diner nicht auch etwas in der art gesagt? und dass diese mutprobe damals einige kids regelrecht in den wahnsinn getrieben hatte? ja natürlich. weiber. hysterische kleine mädchen und ihre düsteren legenden. er war wahrscheinlich ebenfalls zu einem kleinen mädchen mutiert, so wie es aussah - die spritze, herr doktor, aber schnell. damit ich wieder ein mann werde. das mädchen hatte krampfhaft versucht, ihnen das motel auszureden, schon eigenartig, wie sehr sie sich bemüht hatte, ihnen andere - sehenswürdige - sehenswürdigkeiten schmackhaft zu machen. es war auffallend gewesen, wie sehr sie sich bemüht hatte. sie hatten nachher noch darüber gelacht und gemeint, sie hätte nicht mehr alle tassen im schrank.

auch egal, aber jetzt hatte er die lust auf ein bad völlig verloren. er fluchte in sich rein und beobachtete seine freunde beim spass-haben. wunderbar. genau so hatte er es sich gewünscht. ausserdem war ihm noch immer schwindlig. eigentlich sollte er aus der sonne gehen, aber er fühlte sich ziemlich müde. er konnte ja auch nachher baden, wenn er sich erholt hatte, fragt sich nur, wovon. was das genau gewesen war, die kälte, das blaue licht und dieses ding da oben am dach, das wie eine groteske wetterfahne oder ein prall aufgepumpter ballon ausgesehen hatte 


das nickende ding mit den mahlenden kiefern

das wasser glitzerte silbrig, kleine wellen umgaben die schwimmer, es war paradiesisch.

irgendwie war das wasser zu sauber. blöder gedanke.  oder? ein schmutzfilm auf der oberfläche, tote insekten, dreck, das wäre normal gewesen.

irgendetwas passte hier nicht zusammen

ein verlassenes motel mit einem verdreckten pool, aber nicht dieses glasklare wasser, das selbst wie eine wahnvorstellung aussah, eine fata morgana. vielleicht ist das wasser eigentlich ganz anders, dachte er, schmutzig grau, eine stinkende ölige brühe mit toten insekten, die auf der oberfläche treiben

aber wir sehen genau das, was wir sehen wollten

oder jemand anderes

etwas anderes

er setzte sich auf die betoneinfassung des pools und überlegte.


als er in einen unruhigen schlaf glitt, noch immer vornübergebeugt auf dem rand des pools sitzend, kamen die bilder wieder, schnell und unbarmherzig

wie ein zeitsprung in die sechzigerjahre, chevies, cocktails und flamingos inbegriffen, menschen die in den gartenanlagen flanierten oder in hollywoodschaukeln sassen, er hörte bruchteile ihrer gespräche, frauenlachen, gläserklirren und den lärm vereinzelter autos, die auf dem highway vorüberfuhren.

eine jukebox spielte immer wieder dasselbe lied


screamin' minds on fire
that holler with desire
kept waitin' round on high
as stars are passing by
you can hear them
death bells at dawn

tortured souls of dead
when hunger is not fed
running water in your brain
while turning quite insane
you can hear them
death bells at dawn

threeteen months to die
when light began to fly
when day turns into night
and you have lost your sight
you can hear them
death bells at dawn


der song klang verzerrt und dünn und auf unangenehme weise zerbrochen und falsch. mit der zeit verstummten alle anderen geräusche und er konnte nur noch das lied hören, das immer lauter wurde und schliesslich mit einem klirrenden geräusch verstummte.

dann sah er sie in ihren betten liegen und im restaurant sitzen, mit blassen ausdruckslosen gesichtern leer aus dem fenster starren

und fliegen, die in ihre offenen münder krabbelten





nein. seine stimme kippte. nein nein nein
der pool
die stimmen seiner freunde waren verstummt
es war so still

und der schädel nickte und nickte vom dach des motels mit mahlenden kiefern
er schien ihm entgegenzustürzen
sein bewußtsein entglitt ihm wie ein fisch, der aus dem netz schlüpft


als man ihn am rand des pools am boden liegend fand, brannte er vor fieber. die polizei, die einem anonymen anruf gefolgt war, fand keinerlei hinweis auf die anwesenheit von anderen personen. 
der pool war staubtrocken, augenscheinlich seit ewigkeiten nicht mehr benutzt worden, wie die gesamte anlage. das motel war so tot wie nur etwas sein konnte. 



das mädchen hatte ihre arbeit unterbrochen, sass am fenster des diners, starrte auf den parkplatz und wartete. als der rettungswagen mit zuckendem blaulicht am highway in richtung krankenhaus raste, seufzte sie tief und verbarg ihr gesicht in den händen. 
es hatte wieder begonnen. 


 nachtrag: darians freunde blieben trotz wochenlanger suche spurlos verschwunden.

16.8.23


  

I woke up as the sun was reddening; and that was the one distinct time in my life, the strangest moment of all, when I didn't know who I was - I was far away from home, haunted and tired with travel, in a cheap hotel room I'd never seen, hearing the hiss of steam outside, and the creak of the old wood of the hotel, and footsteps upstairs, and all the sad sounds, and I looked at the cracked high ceiling and really didn't know who I was for about fifteen strange seconds. I wasn't scared; I was just somebody else, some stranger, and my whole life was a haunted life, the life of a ghost.”

  -      Jack Kerouac, On the Road    



8.8.23

graue welt

die tage waren lang und von sonnenlicht durchflutet... 

....und dennoch konnte er nicht aufhören, von den friedhöfen zu träumen. er empfand es selbst als sonderbar, aber es quälte ihn auch nicht. in der wild wachsenden, üppigen natur waren diese gedanken jedoch selten bis gar nicht vorhanden. vielleicht fing er oft stimmungen ein, er war sensibel, vielleicht war es nur das. niemand kennt sich selbst. niemand. darum versuchte er manchmal, sich in den herzen der anderen wiederzufinden, doch nie war seine suche eine erfolgreiche gewesen. was ihn inzwischen nicht mehr bekümmerte. die unmenschlichkeit des todes war ihm freude und inspiration, die kälte heilte sein herz. 

doch manchmal war er sich fremd in diesen tagen, seine augen von grau überlagert, sein herz ein klumpen eis. auf seiner stirn schien ein graues juwel zu leuchten und es war glück und unglück zugleich, freude und tiefes leid. es war zutiefst unmenschlich. seine gedanken waren klar und hart, von poetischen sätzen durchdrungen, seine träume die vom fliegen. in diesen tagen. als sein herz gefror. 

und in die arme der natur flüchtete er sich wie ein verängstigtes kind und er weinte tränen aus tiefem leid und scham. sein herz wurde weich, das juwel auf seiner stirn verblasste, das funkeln erstarb. bis zum nächsten mal, als er von den friedhöfen träumte, träumen mußte

6.8.23

über wälder, weit unter dem himmel

über dunkle täler flog sie in dieser nacht, endlos, die wälder unter ihr, endlos auch ihr flug. die luft war kühl und völlig windstill. es hatte am abend noch geregnet und der himmel war völlig klar, die sterne blitzten. sie dachte über das leben nach...hier oben war es einfacher, gute gedanken zu finden.

hatte sie fehler gemacht? viele. grosse fehler waren jedoch nicht dabei. sie musste sich selbst vergeben, jeden tag. sonst könnte sie nicht mehr fliegen, und auch die gedanken wären verschwommen und unklar, nicht so wie hier oben. 

sie sah zum himmel. er war weit weit weg, und sie wusste, dass es in ordnung so war. er war unbegreiflich und ihr so fern, sie liebte es, ihn zu sehen und von ihm zu träumen. ein fehler wäre es gewesen, ihn hierher zur erde zu holen. ein grosser fehler - sie hätte sich nicht so leicht vergeben können. er gehörte nicht hierher. der ferne himmel barg den trost, der sie immer zu heilen vermochte. kein mensch wird den himmel zur erde holen. sie würden etwas holen, was nicht der himmel war, sondern ihre vorstellung vom himmel, und sie würden daran zerbrechen. kein trost wäre mehr möglich. der himmel von menschenhand wäre der hölle ähnlich. weit oben war er und er sollte dort bleiben. 

sie träumte zu gern von ihm. nein, sie war kein engel. obwohl sie manchmal ein bisschen fliegen konnte, war sie einem engel so fern, und mit dieser gewissheit würde sie ein friedvolles leben führen. sie segelte über das dunkle land, das sie liebte. hinein in morpheus arme....

31.7.23

das seidene grau des ertrunkenen


aus: die masken des todes


der arkadengang teilt sich, du überlegst, welchen weg du gehen wirst. etwas drängt dich nach links. du gibst dem drang nach und betrittst den eindeutig dunkleren gang. es riecht nach schalem regenwasser und durchweichtem gemäuer. der gang ist ungeschmückt und kahl. einige leere podeste stehen in staubigen nischen, graue federn liegen vereinzelt am boden, sonst findet sich nichts, was deine aufmerksamkeit wecken könnte. und dennoch fasziniert dich dieser gang, du nimmst etwas auf, das normalsterblichen verschlossen bleibt - den ruf eines uralten wesens. deshalb kehrst du auch nicht um, sondern schreitest zielstrebig weiter den gang entlang, ,der manchmal weit über der erde als arkadengalerie, manchmal unterirdisch als tunnel tief unter der erde kerzengerade an einen ort führt, der dich zu locken scheint.


ein leises flüstern dringt aus einem spalt aus der mauer. dann, beinah unhörbar, worte, die du nicht verstehst. die worte klingen unnatürlich schleppend, so als versuchte jemand, mit einer gelähmten, geschwollenen zunge zu sprechen. und doch ergibt der klang der worte sinn...


"versunken im grau,

im schattigen grün

sah ich wie im traum

die seerosen blüh'n."


ein mund drückt sich an den spalt in der mauer. du schweigst, während der singsang des toten fremdartig und traurig durch den gang hallt.

"sah ich wie im traum die seerosen blüh'n"

du trittst an ein marmorbecken, in dem prächtige seerosen in voller blüte stehen. hinabgesunken...ertrunken...der leichnam...der stern...

auf der anderen seite steht eine weissgekleidete gestalt, ein tuch bedeckt ihr haupt, sie sieht zu dir herüber und beginnt, zu erzählen...


"und niemand, der je um mich trauerte..."


in seidenem grau steigen dämpfe empor, wie bitteres gift, wie wahnsinn, so bitter, und bitter die worte.


"ich träumte vom leben, du träumtest vom tod

vereint hat uns schläfer die macht unseres traums."

"ich träume, dass ich um dich weine", sprichst du, 

"und ist es auch nur ein traum, so lass es dennoch wahr sein."


die weissgekleidete gestalt weist auf den arkadengang hinter dir. dort, im halbdunkel, stehen ein tisch und ein stuhl. auf dem tisch befinden sich ein laib ungesäuertes weissbrot, schwarze oliven und eine karaffe wasser. daneben liegt ein in schwarzes leder gebundenes buch mit metallbeschlägen aus patiniertem silber.

"das mirakel der tränen", darunter der name "azrael".

du spürst den ernsten blick des toten auf dir ruhen.

"lies und verstehe."


du setzt dich nieder und lässt deinen blick über den innenhof schweifen. plötzlich siehst du schönheit, wo früher nur schrecken war. 

der leichnam nickt und zeigt auf brot und wasser. "iss von meinem brot und stärke dich. bleib solange du willst, mein bruder im traum. du siehst - mein haus ist spartanisch und kahl, doch bist du sicher hier in diesem schrein." du nickst, und isst, und trinkst, und nimmst das buch auf deinen schoss. 

"lies vor, dann wird die wartezeit kürzer". 

du liest und er murmelt mit dir, in seinem fremdartigen singsang, der dich schläfrig macht. schläfst du gerade? träumst du vom traum? wer kann es so genau sagen?


über den himmel fliesst samtiges orchideen-violett, die brüder lächeln: der eine: der tote, der zweite: der schläfer, der dritte: der engel.


"schläfst du, bruder?

sag, schläfst du?"


29.7.23




People with dark souls have nothing but dark dreams.
People with really dark souls do nothing but dream. 

Haruki Murakami
     



28.7.23

Rivelazione e Finale ( Francis Lai )


 

in diesem haus würde ich gern leben. bis ins hohe alter, immer jung,
für immer träumend und hoffend


27.7.23




 Zia Elisa - Anima Persa ( Francis Lai )

21.7.23

zwischen schlafen und wachen


es ist nacht. die laterne auf der anderen strassenseite färbt die blätter der baüme fahlgrün und pergamenten gelb. ich denke an ein lied, das ich damals oft hörte, mir fällt der titel nicht ein, 
aber das gefühl, das ich damals hatte, steigt empor und es ist seltsam, dass so viel zeit
vergangen sein soll, denn alles ist gleich geblieben.
die sehnsucht der lilie ist in mein herz gesät lautet eine zeile des liedes, langsam taucht es 
auf in dieser stunde zwischen schlafen und wachen, die sehnsucht der lilie ist es, 
in einer dieser stunden zwischen schlafen und wachen, einer dieser tranceartigen stunden, 
hinüberzuträumen, hinüberzuschweben, zu wehen, und durch die mauer zu gleiten, 
hinaus auf die strasse, durch die bäume hindurch und das gläserne licht
zwischen wachen und träumen war es wohl, als ich meine
gedanken auf die reise sandte und ich weinte ihnen hinterher,
der traum kam wieder heute nacht, doch wer weiss, 
bin ich wach, oder schlafe ich schon? 
dieser text ... verschwommen, gleicht einem alten
stück pergament, das in einer verbotenen bibliothek am
rande der zeit aufbewahrt wird

 


dieses set stammt noch vom guten, alten polyvore. es war im prinzip auch kein richtiges set, sondern nur ein entwurf, der viel zu aufwendig war, um ihn einfach wegzuschmeissen. ich hab ihn gerade auf der festplatte gefunden und festgestellt, dass ich das ding ziemlich mag. 

ich kann mich leider nicht mehr daran erinnern, wie ich es nennen wollte. ich habe aber ein set aus diesem entwurf gemacht und auch veröffentlicht. das bild hier ist vom zwischenspeichern. 

es ist so gut wie gar nicht zu verstehen, fast wie etwas, wovon man geträumt hat und am morgen nicht mehr weiss, worum es gegangen ist. man hat nur noch das feeling und auch das verschwindet schnell. aber es passt hierher: the thing next door: house on the hill

 
wenn man irgendwo neu ist, ist es am besten, sich anzupassen, so gut wie es geht. in diesem fall wäre es eventuell ein kleines, feines mode-set gewesen, etwas, das den leuten vertrauen einflösst, ihnen zeigt, dass man kein psycho ist.

LOL

es heisst ancient flesh
und ich hab mich bemüht, so richtig trockene, bröcklige  mumien dafür zu finden.

ich bin zwar schon länger auf fashmates, aber ich hab so gut wie gar nichts gemacht, also kennt mich im prinzip dort keiner. fashmates ist schon ziemlich ok. der grund, warum ich dort so wenig mache, ist ganz einfach nur zeitmangel und sollte ich mal zeit haben, bin ich viel zu müde. 

15.7.23


du blickst von deinem buch auf, das kalte herbstlicht trifft dein gesicht und ich sehe zum ersten mal diese winzige falte zwischen deinen augen

wer auch immer daran schuld ist, ich töte ihn–



12.7.23

 


A cloud, small, serene, floated across the moon. In that moment of darkness the sea sounded deep, troubled. Then as the cloud sailed away, and the sound of the sea was a vague murmur, as though it waked out of a dark dream. All was still.

          Katherine Mansfield, At the Bay 


10.7.23

dead mermaid


 

I am still quarantining my new dolls - so this is Ariel, who is chilling after her journey.♥

She needs to have her hair done and a little cleaning, her outfit is missing, but it will be fun to dress her. Ariel is a Once Upon a Zombie doll & very hard to find in Europe. I found another one though, Snow White, also without outfit, but i really don't care.


Yesterday i bought a little goth hoody on Etsy, black with "Angel" printed on the front (in a sweet goth font) - perhaps she will wear it, or Snow, Merrycat or one of my Barbs or Flavas, we shall see. Ari will have some cute outfits, she is so easy to dress, i think she can even wear streetwear.

She will look creepy in everything lol


We hope she does not start to sing or else ppl will ram their cars head on into the walls of our house.


o-ton instagram, weil ich gerade zu faul zum übersetzen bin


7.7.23

die silberne mondspur

 


"wir verlieren sie."

die stimme kommt von weit her, irgendwo in diesem grellweissen licht, das durch meine geschlossenen lider dringt. Das licht stört mich, ich möchte gern in meinem verdunkelten zimmer schlafen, bei heruntergelassenen jalousien die hitze des nachmittags verschlafen. am abend kurz wach sein und hinaussehen in den garten, bis ich wieder einschlafe in meinen kühlen, weissen laken, die ständig gewechselt werden, wenn ich sie wieder durchgeschwitzt habe.

ich habe nie schmerzen. das einzige, was sich unangenehm anfühlt, ist die müdigkeit in mir, die tag für tag grösser wird, je mehr, wie mein bedürfnis wachzubleiben steigt. 
in den letzten augenblicken will man nichts mehr versäumen, mit geschärften sinnen nimmt man jede noch so unwichtige kleinigkeit wahr. sogar eine fliege an der wand gewinnt jetzt an bedeutung, man will wach bleiben, man will sehen. bewahren? ich sammle eindrücke in meinem erinnerungsalbum, ich rieche die blumen auf meinem nachtkästchen und notiere mit meiner ordentlichen schrift, dass ich sehr glücklich war und bin.


„wir verlieren sie.“

ich weiss nicht, was die stimme damit meint. einmal bin ich mitten in der nacht aufgewacht, als hätte mich jemand geweckt. ich sah eine silberne mondspur auf der wiese bis hinüber zum wald. ich stand auf, verliess das zimmer und ging bis zum frühen morgen spazieren. es war die vorige nacht und als die schwestern meine laken wechselten und meine schmutzigen fusssohlen sahen, sahen sie mich lang an, doch sie sagten nichts. eine davon, die jüngere, drehte sich von mir weg und schien zu weinen. sie scheinen mich in mein zimmer zurückgebracht zu haben, denn das grelle weisse licht, das mich am schlafen gehindert hat, macht angenehmer dunkelheit platz.


nacht senkt sich über meine lider. ich schlafe mit der gewissheit ein, dass ich wieder geweckt werde, um der mondspur zu folgen, draussen auf der wiese, hinüber zum wald.

6.7.23



We saw the last embers of daylight die
And in the trembling blue-green of the sky
A moon, worn as if it had been a shell
Washed by time’s waters as they rose and fell
About the stars and broke in days and years

 W.B. Yeats




25.5.23

die mondlampe

die tischlampe vor ihm sah aus wie ein irisierender mond. er konnte sich nicht vorstellen, wozu das verdammte ding gut war. es gab so gut wie kein licht ab, schien nur von innen heraus zu glühen. die funzel des todes, ging ihm durch den kopf und er schämte sich ein wenig wegen seiner kindischen art, die er nie abgelegt hatte, obwohl er es weiss der herr da oben versucht hatte. 

die funzel des todes schien eine art dekorationsgegenstand zu sein. dekorativ war sie allemal, aber eher für die schaubude eines illusionisten geeignet, für ein jahrmarktszelt..hier kam ihm die bärtige dame in den sinn, deren angeklebter vollbart bei dieser erbärmlichen beleuchtung noch so einigermassen als echt durchging, wenn man unbedarften geistes war und aus dörflichem umfeld stammte.


er war weit davon entfernt. dinge, die anderen ein wohliges schauern oder sensationsgier entlockten, rangen ihm höchstens gelangweilten sarkasmus ab. doch das hier war einigermassen sonderbar. nicht nur das morbide ambiente, in dem er sich befand - er hatte den nachtzug nach paris genommen und befand sich nun im speisewagen, allein, nachdem ihm ein völlig lethargischer mensch ein glas rotwein serviert und ihn dann allein gelassen hatte. zumindest schien es so zu sein. der mann hatte sein völlig überhöhtes trinkgeld kommentarlos eingesteckt und war dann im hinteren, unbeleuchteten teil des speisewagens verschwunden. konnte gut sein, dass er noch anwesend war und ihn beobachtete, wie er im licht der sonderbaren mondkugel sass. 

er rückte näher zum fenster und versuchte die landschaft auszumachen, durch die sie gerade fuhren. dunkle wälder und einige lichter, die von dörfern stammen mussten. der umriss eines gewaltigen gebirges, darüber der volle mond, wie das spiegelbild der irisierenden lampe, die vor ihm auf dem tisch stand. es war kalt. so kalt, dass ihn fröstelte.


nun fiel ihm auf, dass es nicht nur der anblick der eiskalten mondnacht war, die ihn frieren liess. auch hier im zugabteil war es empfindlich kalt geworden. man hatte anscheinend die heizung abgestellt und ihn hier allein gelassen.

eigentlich hatte er nicht wirklich lust, sich auf die suche nach dem lethargischen menschen von vorhin zu machen, dessen anblick ihm ohnehin einigermasen zuwider gewesen war. ein mensch, der kaum einen verständlichen satz zu äussern wusste, war nicht gerade das, was er als vertrauenserweckenden gesprächspartner bezeichnen würde. ausserdem hatte der kerl gewirkt, als könnte er nicht bis drei zählen. 

er war jedoch einer, der leicht zu verärgern war, vor allem über magelnden (in diesem fall nicht vorhandenen) service. das ganze szenario war gelinde gesagt unverschämt. surreal. 

als er aufstand und in den gang hinaustrat, erfasste ihn eine welle der angst. er hatte geräusche gehört, vom hinteren teil des speisewagens, der unbeleuchtet war.


vielleicht wäre es besser gewesen sich einfach wieder hinzuetzen, die kälte zu ertragen und in die nacht hinauszusehen. oder so schnell wie es ging sein abteil aufzusuchen, wo es sicher wärmer war als hier, die türe zu verschliessen und sich schlafen zu legen. am nächsten tag wäre er in paris angekommen, er wäre ausgestiegen und hätte im licht des frühen tages die nacht, die hinter ihm lag, schnell vergessen.

alles wäre besser gewesen, als den urheber der geräusche zu suchen. alles wäre besser gewesen als dieser anblick. der kopf, der sich hob, augen, die ihn anstarrten und ein blutiges loch, wo der mund sein sollte.

kauen und schmatzen in der dunkelheit. und hinter ihm nur das erbärmliche licht der gefälschten mondkugel, das langsam immer weniger wurde und schliesslich ganz ausging.


er stand da, und starrte, und begann zu lachen. er lachte, bis ihm die tränen kamen.


als er am nächsten tag in paris abgeholt wurde, lächelte er nur noch. er bedankte sich freundlich bei den männern, die ihm in den mantel halfen, blieb noch eine weile sinnend vor dem tisch stehen und betrachtete die runde lampe, die einem vollmond ähnlich sah, und lächelte. ein völlig übermüdet wirkender mensch mit dunklen augenringen, wahrscheinlich der speisewagenschaffner, öffnete ihnen die tür und liess sie aussteigen. der arme mann hatte wahrscheinlich die ganze nacht kein auge zugemacht.

kein wunder bei dem verrückten im abteil. 

25.4.23

the decay of starlight



ja. wieder mal eins meiner psychopathensets. es geht darum, dass menschen anscheinend aus sternenmaterie zusammengesetzt sind und dass es bei manchen menschen einfach nur umsonst war.
man könnte es aber auch so deuten, dass sternenmaterie hier auf der erde in form von uns menschen tod und verwesung unterworfen ist.
aber man kann es sehen, wie man will, und auch etwas völlig anderes sehen, ich bin da echt nicht so :)

spring


 
die proportionen stimmen nicht lol

aber wenn ich jetzt entweder sie kleiner oder alles andere grösser machen würde, müsste ich das set nochmal einreichen und die mods würden es wieder neu zur begutachtung queuen. ausserdem ist es gut, dass sie gross ist. sie ist so süss. wäre schade, wenn man von ihr nix sehen würde.

5.4.23

einwörtig


also, ich hab diesen stadtpark satt. so satt, sag ich dir.


ja.


„was ja? ich mein, kannste nicht mal nen richtigen satz zimmern? immer diese eintönigkeit hier bzw. einwörtigkeit, das hält ja keiner richtig aus. klasse wortschöpfung übrigens. haste bemerkt? ja? haste? einwörtigkeit, ich mein‘, wenn das jetzt vom kontext getrennt gesagt wird, dann versteht keiner, was ich damit meine, nur ich. und das zieht sich schon durch mein ganzes leben. 

ich bin wohl sowas wie’n verkanntes genie, sowas wie h.c. artmann, solltest du den kennen. h.c., wie seine engsten familienmitglieder zu ihm sagen durften und wohl auch ‘ne handvoll freunde, aber die anderen, die leser, seine fans, die mussten herr artmann sagen, was schon etwas herb war, weil die stehen dir ja auch recht nahe, die leser, fast wie 'ne kleine familie, die du da hast...


h.c. also. ich nenn ihn jetzt h.c., weil er sich eh nicht wehren kann. du weißt ja, dass er tot ist, oder? also, wenn wir den heute noch beschwören sollten, bei ‘ner scéance, dann nenn ich ihn korrekt herr artmann, man weiss ja nie, wie das sonst ausginge. ach übrigens, woher ich das weiss? wie ihn seine verwandten genannt haben? meine sitznachbarin in englischer idiomatik, du weißt schon, dolmetschinstitut, lang ist’s her, also die war seine nichte oder grossnichte, was weiss ich, und ich war vor ehrfurcht ganz hinüber, erstarrt, was sag‘ ich – eingefroren – seine nichte... h.c.s nichte sass neben mir, am liebsten hätt‘ ich sie ausgequetscht wie ‘ne zitrone, du kennst mich ja – mach ich ja immer. wenn ich’s so recht überlege, ich denk‘ grad ein paar jährchen zurück, dann hab ich sie wirklich ausgequetscht wie ‘ne zitrone, ich hab‘ sie gelöchert mit fragen über h.c., das arme ding, jetzt die nichte, nicht h.c., der war nicht arm bzw. man weiss ja nicht, aber jetzt fällt es mir wieder ein – hab ein hirn wie ein teesieb – er mochte niemanden so recht leiden, meinte sie, und ich dachte noch, der arme mann, der kann auch keinen leiden, der ist so wie ich.

ich kann ja auch kein aas leiden, du kennst mich ja – der alte soziopath und menschenfeind, echt gruselig, meine seelenverwandtschaft zu h.c., und nun beginne ich auch schon mit eigenen wortschöpfungen, wenn mich das nicht berechtigt, ihn h.c. zu nennen, was dann, hä?

soll ich mir ‘nen bart wachsen lassen?


*tiefer zug aus dem joint*

weißt du...

*sieht sich angeekelt um* 

...ich verabscheue diesen stadtparkt über alles, er ekelt mich an. man fühlt sich hier so unheimlich fehl am platze, oder? so ausgekotzt. ich mein‘, du siehst ja sonst auch immer recht gesund aus, aber hier...hier wirkste richtig blass und alt. verfällst vor meinen augen. du ärmster. lass uns aus diesem widerwärtigen grün verschwinden und in ein café gehen. damit wir reden können. 

*packt den fahlen mann am ärmel*

...so richtig reden, über alles. hier fühlt man sich so...beobachtet. ja!

hinter jedem baum könnt‘ einer stehen. lauern, weisste? auf leute wie uns. denen’s grad nicht gut geht, und wenn die sich nicht mehr wehren können, dann gute nacht. obwohl...nach geld sehen wir nicht gerade aus, vor allem du nicht...ist ja ‘ne richtig gute masche, hut ab...

*macht schwenkbewegung mit imaginärem hut*

...aber was hilft es dir, wenn da draussen ein irrer lauert? dem ist es doch scheissegal, wie du aussiehst, der knüppelt sogar nen punk nieder wegen nix und punks sehen nun wirklich nicht nach geld aus. ist ja auch nicht alles im leben. viel, aber nicht alles. tröstlich, oder?

mann, siehst du scheisse aus. geht’s dir so schlecht? musst du kotzen? ich warte einstweilen hier.

*deutet auf parkbank*

also, ich mach’s mir gemütlich und du gehst deinen geschäften nach. aber pass auf, hinter welchen baum du gehst. möcht‘ mit dir ja noch im café weitertratschen, also huschhusch, ab hinter’s bäumchen.

*lacht schelmisch*

tschüssi.


*ruft ihm noch nach*

sag, hasst du diesen ordinären stadtpark auch so immens wie ich?


ja.


*fahler mann verschwindet hinter dem baum*


immer diese einwörtigkeit, man möcht‘ meinen, der macht das absichtlich, um mich zu ärgern, aber klasse wortschöpfung, fast wie bei h.c.

*lächelt verschwommen*


*punk will vorbeigehen*

sag mal, haste ne zigarette für mich? und feuer? und sag mal, findest du diesen stadtpark auch so absolut abstossend?


1.4.23

hans mit den feuerroten haaren


unten vor dem haus. samstagabend.

gerade eben war ein bräunlicher klumpen an ihm vorbeigesegelt, musste wohl von enrique kommen, dem verdammten abartigen unter dem dach. und niemand wollte über den kerl da oben reden. kerl ist gut. das ding da oben hinter dem dreckigen bullauge, das wie ein schlechter witz direkt unter dem dachfirst sass. wie ein auge, schoss hans durch den kopf. das allsehende auge von enrique, das zwar blind aussah, aber trotzdem alles noch einigermassen erkennen konnte.

er hasste enrique wie die pest. enrique und das verdammte schmierige bullauge. er hockte sicher dahinter wie eine haarlose spinne und lauerte, bis sich einer vom haus im innenhof blicken liess. und dann schmiss er mit sachen oder kauerte hinter dem grauen fenster und kommentierte jede aktion der übrigen bewohner mit gehässigen kommentaren. wie ein verdammter zombie, dachte hans, der vom aussehen her selbst einem zombie nicht unähnlich war. seine freundin sylvia, die schwester von enrique, aber sonst von der art her ein relativ normaler mensch, sah ebenfalls aus wie einem zombiefilm entsprungen und erst ihre liebe mutter, die alte kaputte type. aber das alles wussten sie natürlich nicht. das sahen nur die anderen und die anderen sahen auch nicht besser aus, was sie natürlich nicht wussten, nur die anderen, und so weiter und so fort, damit konnte man einen  psychiater zum wahnsinn bringen oder zumindest in eine schwere psychopharmaka-abhängigkeit treiben.

hans sah aus wie der typ aus "unsere teuflischen nachbarn" mit seiner buttermilchweissen haut, den sommersprossen und den  knallroten haaren. er hatte überall sommersprossen und am ganzen körper büschelweise schuppige rote haare. was seiner attraktivität auch nicht gerade zuträglich war.

sylvia war aber extrem verknallt in ihn, zumindest tat sie so, aber sie war auch noch wahnsinnig jung, 10 jahre jünger als hans. 15.

 

sylvia sprach hochdeutsch, hans einen abartigen dialekt, der so wirkte, als wäre er aus einer horrorfilmparodie entnommen worden.

und er hatte einen äusserst begrenzten wortschatz. was nichts machte, denn sylvia sprach für zwei. würde ihm auch nichts ausmachen,  wenn sie seinen part gleich mitsprechen würde, mit verstellter stimme. dann könnte er ungestört in ihren ausschnitt geifern.


heute war die mutter ausgegangen. die frau war vom küchentisch aufgestanden, hatte mit leerem blick lange vor sich hingestarrt und war dann in den regen hinausgegangen, ohne schirm und mantel. seither war sie weg und niemand machte sich gross gedanken. "wenn ihr was passiert, ruft das krankenhaus an", hatte sylvia gesagt - sie sprach aus erfahrung. ihre mutter hatte diesen kranken trieb, dorthinzugehen, wo gerade eine schiesserei stattfand. schon einmal der fall gewesen, in einem lokal in bahnhofsnähe, wo für gewöhnlich nur nutten und ihre freier hingehen.

die mutter war am tresen gesessen und hatte einen nach dem anderen gekippt - sie war alkoholiker - und dann war sie ganz langsam vom hocker gefallen, als sie eine verirrte kugel eines eifersüchtigen ehemanns genau in den rücken traf. pech gehabt! :-)


lag dann lang im wachkoma - sylvia hatte sie schon abgeschrieben und nicht mehr besucht, aber dann kriegte sie doch noch die verdammte kurve  und seither spukte sie wieder durch die wohnung und wischte hinter hans her, als wäre er etwas ansteckendes. 

klar, dass sich sylvias vater verpisst hatte.  sonnenklar. sylvia glaubte ihrer mutter sowieso kein wort. die frau wollte allen weismachen, dass ihr mann auf der autobahn ums leben gekommen  war, aber es gab leute, die ihn jahre später gesehen hatten, in berlin-mitte, geschniegelt wie ein zuhälter und mit ner wasserstoffblonden vollbusigen zusammen.  aber darüber wurde natürlich so gut wie nie geredet, nur im innenhof, wenn wieder mal alle beisammen hockten und auf denjenigen herumhackten, die gerade nicht dabei waren.

 

hans sass also neben sylvia und fragte: "los, ey?"


.....


heute versuchten sie zum ersten mal onlinebanking, was der hammer war, weil onlinebanking schon jeder seit jahren machte, nur hans und sylvia nicht. 

nachdem die site nach 40 minuten noch nicht geladen hatte und sich hans und sylvia einen dialer eingefangen hatten, der ihnen eine astronomische telefonrechnung bescheren würde, hatte hans die idee, noch die site eines bekannten anzusurfen, als krönenden abschluss sozusagen, aber es war kein guter bekannter von hans, der ihm den tip gegeben hatte, sondern eher ein erzfeind, der ihm sylvia ausspannen wollte - wovon hans aber nichts ahnte - also surfte hans der erfüllung seiner postpubertären wünsche entgegen - der mann hatte was von wirklich hartem sex gefaselt - hans surfte also hinauf auf den gipfel des internet und lud sich einen  virus herunter, der die festplatte von sylvias mutter endgültig zerstörte. was aber nicht weiter auffiel, denn die mutter hatte den computer seit jahren nicht mehr angerührt.

nachher beschlossen sie, fett essen zu gehen - hans lud zum türken ums eck ein - und beide schlangen einen lauwarmen tropfenden chickendöner in sich rein und sahen einander unsagbar dämlich grinsend beim essen zu. der sohn des ladenbesitzers sass inzwischen auf dem barhocker hinter ihnen und kommentierte die lage mit hämischen kommentaren, die alle anwesenden mit lautem gelächter quittierten.

hans starrte misstraurisch in die runde und begann, unter den achseln  wieder mal so richtig zu transpierieren. nur neidig, die pisser. was denn sonst. wollten was von seiner freundin, die ja wieder mal so richtig scharf aussah. 

 

will be continued ... wann immer mir die muse eine reinhaut.


30.3.23

enriques welt


enrique war schon den ganzen tag sauer. er war meistens schlecht drauf - er hatte ja auch keinen grund, gut drauf zu sein. in seiner kammer unter dem dach zog es immer wie in einem rattenloch. diesmal jedoch war er besonders mies drauf, denn es regnete seit stunden und er hatte missmutig bemerkt, dass die wände seines verschlags immer feuchter wurden. 

in breiten rinnsalen strömte der regen über den bereits nassen verputz, der sich langsam von der wand ablöste und sich mit dem regenwasser zu weisslichen schlieren verband, und dieses eklige gips-wassergemisch hatte sich in grossen pfützen auf dem lückenhaften boden gesammelt. es tropfte durch den boden in die untere wohnung, die seit jahren leer stand. eigentlich, seit er im dachboden eingezogen war. beziehungsweise hier eingezogen worden war. er war hier oben völlig isoliert.


etwas gutes hatte der regen jedoch. enrique war imstande, sich nun eine tasse tee zu kochen. aus dem wasserhahn in der küche kam kein normales wasser mehr, nur noch ein bräunliches sumpf-ähnliches gebräu, das er schon trank, aber eben nicht gerne. er war jedoch weiss gott nicht heikel. seine schlechten erfahrungen hatten ihn gelehrt, dass es ihm nichts brachte, mimosenhaft zu sein. er besass die härte, den braunen sud zu trinken und sich natürlich ab und zu damit zu waschen.  obwohl er es tunlichst vermied, sich häufig zu waschen. die dusche im winzigen fensterlosen bad am gang knarrte und quietschte bei jedem waschgang  - das geräusch ging durch mark und bein und liess eine gänsehaut auf seinem rücken wachsen -  und ein beben ging durch die wände, wenn er das wasser anmachte. wo die uralten bleirohre durch die wände verliefen, beulte sich die tapete merkwürdig und die bleichen blüten blähten sich leichenhaft und abartig wie pralle tumore.

 

er warf einen teabag von anno schnee in das lauwarme wasser. seine kochplatte, die unter der riesendunstabzugshaube stand, war gerade sanft entschlafen und hatte sein frisches regenwasser nur noch lau gemacht, dann war es aus mit seiner unbeschreiblichen freude. enriques lebensgeister erloschen und er sackte in sich zusammen. er war nur noch fähig, mit leerem blick aus dem fenster zu starren und den tee gelegentlich umzurühren, was eigentlich nichts brachte, denn  zucker und milch hatte er ja nicht. der ausblick war sowas von öde. eine graue dachlandschaft und darüber noch grauere wolken.

passte farblich genau zu seinem tee. 


der schimmel blühte auf seinen wänden und bald würde er auch auf seinem bett blühen, denn enrique sah keine veranlassung, sein bettzeug, auf das es regnete, zu wechseln. solche lappalien kümmerten enrique nicht die spur. er war schlecht drauf.

er war so schlecht drauf wie noch nie in seinem leben, und das mochte was heissen. wenn er an den winter dachte, wurde ihm schlecht. erstens hasste er den winter (so wie jede jahreszeit) und zweitens würde es dann auf sein bett schneien, es sei denn...

...ja, es sei denn, ihm würde etwas einfallen. eigentlich war ihm schon etwas eingefallen, gerade vorhin, aber dieser plan erschien ihm doch zu gewalttätig. allerdings war es auch schon egal, was er machte, denn monströser als er konnte man sowieso nicht mehr werden.

er pflückte eine spinne von der wand und steckte sie sich in den mund. kaute drauf herum und überlegte. sein plan könnte klappen.

aber es wäre auffallend, wenn gleich eine ganze familie aus dem gemeindebau verschwand. seine familie.

er spuckte einen bräunlichen klumpen in den hof und stellte sich vor, wie er seine mutter am kopf traf. und wie sie zu seinem verschlag emporblickte, den kopf zwischen die schultern zog und leise vor sich hinfröstelte.

alles war ihre schuld. ihre verdammte schuld.


er hatte überhaupt keine gute erinnerung an sie. nicht eine einzige. er brauchte sich nur ihr verkniffenes mäusegesicht vorzustellen, ihr fahlblond und den gestank ihres billigen haarfestigers, die grellpinken lockenwickler und ihre ewigen wasserabweisenden schürzenkleider und er hatte wieder mal ein problem damit, einzuschlafen. den rest tat sein müffelndes bettzeug dazu, das eigentlich nie trocken wurde, denn es regnete seit tagen in kontinuierlichen intervallen.


enrique wurde langsam eine gestalt wie aus einem trashfilm, von flechten bewachsen, vom verputz weiss angebröselt

und vom regen immer wieder angepisst.

und enrique war schlecht drauf.


und das war schlecht, 

sehr, sehr schlecht.

 

29.3.23

reagan the possessed kid

 


geschaffen von manfred und lila
unter einfluss von einigen kleinen getränken
und dem heiligen geist




27.3.23

die zombie-schneekugel

 



selbst gemacht! in der guten alten zeit, als es leute gab, die snowglobes auf websites ausstellten und ... jetzt kommt's ... zur adoption freigaben. aber die schneekugeln waren etwas anders als meine, hähähä...



wo ist eigentlich das haar unter dem vielen spray?

 

wo ist eigentlich das haar unter dem vielen spray?

tja, weißt du, irgendwo wird’s schon sein, aber ich möchte es gar nicht so genau wissen.

ganz unten irgendwo.

igitt, das auch noch.

nee, ich meinte unter dem spray.

ach, du meinst, direkt an der kopfhaut?

also, wer braucht schon haar, wenn es spray gibt?

na irgendwo muss das spray ja halten.

eigentlich heisst es ja haarspray, also denke ich mal logisch, dass haar irgendwo mitspielt.

ja und wo?

ganz unten, sagte ich doch vorhin.

und übrigens, seit wann denkst du logisch?

igitt, ganz unten.

jetzt seid doch mal alle still, verdammt noch mal, ich muss mich konzentrieren.

seit wann denkst gerade du logisch, hä?

ganz unten, ja, das hättest du wohl gerne.

seid doch mal alle...

männer, pfah.

logisch? du? hä?

denken immer nur an das eine.

ich warne euch, ich muss nachdenken, und wenn ich nachdenken muss, dann muss stille herrschen.

SEID IHR ALLE INTIMRASIERT?

wer, verdammt noch mal, hat das gesagt?

NA? SEID IHR?

also, ich war das garantiert nicht.

ich sagte doch schon 2 x igitt, ganz unten. das reicht doch wohl. oder?

und ich muss nachdenken.

ach was, halt’s maul und lass das spray rüberwachsen.

ja, aber sprüh leise, ich muss nachdenken.


du lebst in deinem eigenen vakuum, ja, das tust du.

besser ein vakuum als haare am falschen platz und dann noch ungestylt.

na ich bitte.

alle männer sind so wie du. alle...

vakuumbewohner?

ne, schweine.

schweine im vakuum.

was mich zum eigentlichen thema zurückführt.

ja, hatten wir denn eins?

ein was?

also, ich hab immer eins, sonst könnt ich ja gar nicht leben. könntste ja gleich zu diesen banalos gehören.

also da erschiess ich mich doch eher. 

ihr habt es geschafft. jetzt weiss ich nicht mehr, worüber ich nachdenken wollte.

da erschiess ich mich, hörst du? vor deinen augen.

weißt du, dafür könnste auch ‘n paar meter weg gehen.

intimrasur!

spritzt ja, das blut.

igitt, schon wieder. igitt sag ich.

was haltet ihr eigentlich von nem kollektiven suizid?

unser heutiges thema lautet intimrasur, nicht suizid.

also darüber möchte ich nicht mal nachdenken.

vor euren verdammten augen geb ich mir die kugel. ehrlich, ich tu’s.

wer über intimrasur reden will, der hat ‘n derbes problem.

ach ja, ach ja?

und so ‘ne kugel im kopf, die entstellt aber, das kann ich euch sagen. da ist schluss mit ästhetik.

heut schon mal innen spiegel geguckt? hähä...

zu feige, um es zu machen, aber recht gross reden, das ham wir ja gern.

sag mal, du willst mich jetzt innen suizid hetzen, oder was?

ha, ihr angsthasen. seid fast wie spiesser. da kann unsereins nur lachen.

ein für alle mal: eher würd ich mich...

intimrasieren?

du hast ne fantasie wie ein geiler alter bock.

wer hetzt hier wen auf? ich sagte doch nur, dass du feige wirkst. auf mich zumindest....

und spiessig, was? ja? gib’s ruhig zu.

ja, das auch.

ist wohl gerade in, sich einfach mirnix dirnix umzubringen, aber ich denk‘ hier auch mal an meine eltern. was täten die sagen?

die ham nix zu sagen.

klar, du in deinem vakuum. du brauchst das alles nicht....

suizid kann gar nicht in sein.

du brauchst ja niemanden.

woher willst gerade du wissen, was in ist?

meine eltern zumindest würden trauern, bei euren bin ich mir nicht so sicher.

ja, da sollte man dabei sein können, bei seiner eigenen beerdigung.

bei dir geh’n eh nur spiesser hin.

da würd ich mich gleich noch mal erschiessen, obwohl ich dann schon tot wäre.


es hat ja alles keinen sinn mehr. wir enden sowieso alle als leichen. der eine etwas früher, der andere etwas später. irgendwann sind wir alle kompost.

pietätlos, das.

gruftis, kompostis, tot und vorbei.

aber vorhin gönnen wir uns noch was ganz besonderes. ne intimrasur.


seid still, alle. ich muss wieder nachdenken.

 

9.2.23

das motel, teil 2


darian blickte zu dem neonschild hoch und versuchte die andeutung eines grinsens, das jedoch etwas zittrig ausfiel. das böse in form eines motels.

hatte das mädchen im diner nicht auch etwas in der art gesagt? und dass diese mutprobe damals einige kids regelrecht in den wahnsinn getrieben hatte? ja natürlich. weiber. hysterische kleine mädchen und ihre düsteren legenden. er war wahrscheinlich ebenfalls zu einem kleinen mädchen mutiert, so wie es aussah - die spritze, herr doktor, aber schnell. damit ich wieder ein mann werde. das mädchen hatte krampfhaft versucht, ihnen das motel auszureden, schon eigenartig, wie sehr sie sich bemüht hatte, ihnen andere - sehenswürdige - sehenswürdigkeiten schmackhaft zu machen. es war auffallend gewesen, wie sehr sie sich bemüht hatte. sie hatten nachher noch darüber gelacht und gemeint, sie hätte nicht mehr alle tassen im schrank.

auch egal, aber jetzt hatte er die lust auf ein bad völlig verloren. er fluchte in sich rein und beobachtete seine freunde beim spass-haben. wunderbar. genau so hatte er es sich gewünscht. ausserdem war ihm noch immer schwindlig. eigentlich sollte er aus der sonne gehen, aber er fühlte sich ziemlich müde. er konnte ja auch nachher baden, wenn er sich erholt hatte, fragt sich nur, wovon. was das genau gewesen war, die kälte, das blaue licht und dieses ding da oben am dach, das wie eine groteske wetterfahne oder ein prall aufgepumpter ballon ausgesehen hatte 


das nickende ding mit den mahlenden kiefern

das wasser glitzerte silbrig, kleine wellen umgaben die schwimmer, es war paradiesisch.

irgendwie war das wasser zu sauber. blöder gedanke.  oder? ein schmutzfilm auf der oberfläche, tote insekten, dreck, das wäre normal gewesen.

irgendetwas passte hier nicht zusammen

ein verlassenes motel mit einem verdreckten pool, aber nicht dieses glasklare wasser, das selbst wie eine wahnvorstellung aussah, eine fata morgana. vielleicht ist das wasser eigentlich ganz anders, dachte er, schmutzig grau, eine stinkende ölige brühe mit toten insekten, die auf der oberfläche treiben

aber wir sehen genau das, was wir sehen wollten

oder jemand anderes

etwas anderes

er setzte sich auf die betoneinfassung des pools und überlegte.


als er in einen unruhigen schlaf glitt, noch immer vornübergebeugt auf dem rand des pools sitzend, kamen die bilder wieder, schnell und unbarmherzig

wie ein zeitsprung in die sechzigerjahre, chevies, cocktails und flamingos inbegriffen, menschen die in den gartenanlagen flanierten oder in hollywoodschaukeln sassen, er hörte bruchteile ihrer gespräche, frauenlachen, gläserklirren und den lärm vereinzelter autos, die auf dem highway vorüberfuhren.

eine jukebox spielte immer wieder dasselbe lied


screamin' minds on fire
that holler with desire
kept waitin' round on high
as stars are passing by
you can hear them
death bells at dawn

tortured souls of dead
when hunger is not fed
running water in your brain
while turning quite insane
you can hear them
death bells at dawn

threeteen months to die
when light began to fly
when day turns into night
and you have lost your sight
you can hear them
death bells at dawn


der song klang verzerrt und dünn und auf unangenehme weise zerbrochen und falsch. mit der zeit verstummten alle anderen geräusche und er konnte nur noch das lied hören, das immer lauter wurde und schliesslich mit einem klirrenden geräusch verstummte.

dann sah er sie in ihren betten liegen und im restaurant sitzen, mit blassen ausdruckslosen gesichtern leer aus dem fenster starren

und fliegen, die in ihre offenen münder krabbelten





ende von teil 2

fortsetzung folgt

23.1.23

honey, you're a ghost

ich bin gerade dabei, meine blogspots wieder in die google suche reinzukriegen. ich verwende den uralten style minima. der natürlich auf smartphones nicht angezeigt werden kann. es ist für die suche aber immens wichtig, dass das einwandfrei funktioniert. jetzt hab ich erstmal als mobile version einen ersatz für mein thema gefunden und hoffe das beste.

ich habe gerade gelernt, dass crawlen und indexieren nicht dasselbe bedeutet. der crawler sammelt inhalte und der indexierer schreibt dieselben dann in den index. in meiner google search console steht: "indexierender crawler: googlebot für smartphones (gewechselt am 11. dezember 2019)". der desktop crawler hat mich schon bemerkt, was aber mit dem index gar nichts zu tun hat. 

index und search resultate/ranking sind übrigens auch 2 paar schuhe. zuerst kommt immer das crawlen, dann das indexieren und am schluss das ranking. wenn man ein kleiner glückspilz ist.


ich arbeite mich langsam mit der google search console an die materie ran - ganz geheuer ist mir das ganze nicht, aber ich kämpf mich da durch. und es dauert.

der googlebot beginnt jetzt mit dem indexieren, was aber nicht viel heisst: wenn man pech hat, wird man trotzdem nicht in der suche angezeigt, obwohl man im google index aufscheint. er hat gerade mal 7 seiten erledigt, bei 52 seiten konnte er es nicht. "alternative seite mit richtigem kanonischen tag" heisst das so schön. und echt, ich kapier es einfach nicht. blogspot verlangt seit langem, dass wir auf https umstellen, das mussten wir alle vor jahren schon machen. mein zuständiger sachbearbeiter-googlebot macht gerade etwas sehr schräges: als kanonische url verwendet er die nicht mehr gebräuchliche http-version und stuft die https version als alternative ein, und diese alternativen Seite mit richtigem kanonischen Tag kommen nicht in den index.

und dagegen kann ich leider überhaupt nichts tun. das problem daran ist, dass das alles fehlermeldungen sind. kann gut sein, dass das ganze dann, sollte ich überhaupt in eine search bzw ein ranking kommen, ganz ganz hinten gereiht sein werde, darauf tippe ich mal. es ist zwar nur ein blogspot, aber schade ist es trotzdem.


was mir noch aufgefallen ist: es kann sein, dass die alten blogspots, die diese uralten styles haben, ab jetzt nie mehr in der google search aufscheinen. ohne mobile version können sie das gar nicht. denn der indexierender crawler ist ja seit 2019 googlebot für smartphones. ohne index gibt's natürlich keinen eintrag in die search resultate, desktop crawlen allein ist zu wenig. viele der alten blogs haben niemanden mehr, der sie auf mobil umstellt. sollte man die alten blogs suchen, müsste man dann auf andere search engines, die noch so wie früher arbeiten (beispielsweise yahoo) ausweichen. google hat die guten alten dinger nämlich ausgemärzt.

was sehr sonderbar ist, wenn man bedenkt, dass blogspot zu google gehört....

22.1.23

das wikingerschiff

ein traum wieder mal kurz vor'm aufwachen. ich wollte den traum unbedingt weiterträumen, weil ich wissen muss, was den leuten passiert, die auf das schiff gingen, obwohl ich sie davor gewarnt hatte. aber leider wie immer keine chance, einzugreifen.

es ging um das schiff, das ich in meinen visionen vorausgesehen hatte. ich war im traum eine art seherin und habe ein schiff kommen sehen, das "grosse ladungen transportieren kann". ich war nicht so sicher, was ich davon halten sollte, ob es gefährlich war. man kann aber davon ausgehen.

plötzlich war das schiff wirklich im hafen, eines nachts, und es sah nicht ungefährlich aus. es wurde von fackeln beleutet und war eindeutig ein wikingerschiff. dumme sache war, dass die jugendlichen des ortes es enterten wie ein mann. ich sagte noch zu ihnen, wir sollten gründlich überlegen, was wir da machen, aber schwupps waren alle an bord. hmm. ein kerl mit vollbart sagte zu mir, ich sollte unbedingt auch an bord gehen, aber ich habe dankend abgelehnt. habe aber mit ihnen noch geredet. ich wollte wissen, ob es tote auf der reise gegeben hätte und der eine, wohl der kapitän, winkte ab. nur einen, sagte er. vom mastkorb gefallen, aber er war extrem betrunken. der zählt nicht. sonst war da gar nichts. er wirkte aber nicht gerade glaubwürdig.

die ganze situation war beunruhigend, vor allem, weil wirklich alle jugendlichen an bord waren. dennoch einigermassen witzig.

amüsantes detail: wer die langen strassenbahnen kennt: es gibt in der mitte von den wagen diese gelenke, die sich in den kurven drehen. die hatte das schiff auch, aber sie waren aus holz. war ein extrem langes wikingerschiff...

dann bin ich aufgewacht. wie gesagt, leider. das schiff war ziemlich cool und witzig. die crew auch. irgendwie vermisse ich sie alle dort drüben, aber ich würde nie im leben an bord gehen. wikingerschiffe sind suspekt, auch wenn sie nur im traum erscheinen.