17.8.21

new guy in town

labor, restricted area
biohazard: virus of the mind

neuer gast

azazel

anti life

hack the matrix


15.8.21

die insel

die schiffskatze strich um seine beine. er konnte ihre wärme spüren, sie schnurrte in einem tonfall, den er kannte. mit einer hand hob er sie auf und klemmte sie sich unter den arm, mit der anderen hielt er das steuerrad.
das meer war wie ein glatter blauer spiegel. er hob die katze höher, damit sie es sehen konnte. sie liebte es, auf's meer zu sehen, sogar bei wind und wetter. nun lag sie still in seinem arm und liess sich von ihm leise hin und herwiegen, die augen zu schlitzen verengt, dahinter glitzerndes grün, goldgesprenkelt
so entspannt, wie sie war, wirkt sie beinahe flüssig, ihr fester körper schien sich aufzulösen, so wie es immer der fall war, wenn sie vor sich hinträumte. sie schien zu schmelzen, ja, es sah so aus, als hätte sie keinen festen körper, sondern etwas anderes, das er nicht beschreiben konnte.
vielleicht war es ihr astraler körper, der sich zu unzähligen traumgestalten formte. vielleicht war es sein astraler körper, der dies erkennen konnte.
jedenfalls verstanden sie einander auf einer gewissen psi-ebene, sie lebten beide auf einer anderen frequenz als die meisten, wie aliens oder sternenlicht
vielleicht waren sie beide nur gefrorenes licht
die katze lenkte das schiff geschickt um korallenriffe und scharfe felsen, jeden versunkenen schatz, den das schiff passierte, meldete sie lautlos, aber er konnte sie hören. es war wie der warme ton einer bronzenen glocke, die zersprang
und er sprach mit ihr, tonlos, bronzen, auf der frequenz von sonnenlicht und blauem äther
so lenkten beide das schiff und legten bald an einer insel an, die auf keiner karte verzeichnet war. es war eine schwimmende insel, ebenfalls ein schiff, und sie machten sich alsbald auf, den captain des schiffes zu finden, der im regenwald im zentrum der insel lebte
sie hatten ihn schon weit draussen am meer gesehen
wie eine perlenkette stiegen seine traumgedanken in den blauen äther empor
er schlief gerade, und er  lächelte im schlaf
er war die insel und mehr noch, seine sprache war der mächtige ton der goldenen sonnenscheibe,
er war überall

captain, mein captain

murmelte er im traum
am gang flackerte das licht, das wort exit flammte in signalroten morsezeichen

die gesichter der weisskittelträger verzogen sich vor schmerz
 

13.8.21

das labor


es gab momente, wo er fiel, und er landete hart auf
gefliestem boden, er tastete um sich, er schrie (zumindest am
anfang), rings um ihn standen gestalten in weiss
ein rauschen wie ozon in mächtigen wogen
er kotzte er schrie
ein scharfes skalpell
bei vollem bewusstsein
ein schnitt tief ins fleisch
darunter der blanke knochen
knochenweiss, reinweiss
vielleicht war es nichts
vielleicht jedoch alles
man hielt ihm eine schale aus metall vors gesicht
er kotzte ohne ende

er wurde künstlich
und schrie der natur seinen hass entgegen

 

9.8.21

morphiumnächte


er träumte, während die leuchtspur des  mondes über den himmel zog
die nachtbeleuchtung am gang fluoreszierte in grüngelb
weisse mäntel schienen eigenartig körperlos
nebelhafte gesichter schwebten über den mantelkrägen
die leuchtenden spuren der toten 
auf dem linoleumboden, auf den wänden
bildeten sich und vergangen
mit fortschreitender nacht
rot flammte das wort exit neben der  biohazard-hochsicherheitszone
am ende des ganges
exit waren auch seine träume

fröstelnd
ruhend gegen morgen hin

 


sonnensturm

er hatte die alte kristallkette eines lusters gekauft und zog sie
hinter sich her wie eine glitzernde schlange,
er hatte bernsteinfarbene augen,
er hiess schattenspringer, manchmal auch schattenwandler,
er war vernarrt in die sonne und doch vertrug er sie nicht,
seine augen waren zwei sonnen,
raubkatzengefleckt,
wie leckende flammen

sein herz war ein garten und manchmal die wüste,
er glitt durch die schatten,
eidechsengleich,
mit glitzernden schuppen und diamantenen krallen,
die schatten zerrissen wie brüchigen stoff.
oft hob er träumend sein gesicht in den wind,
wenn solare stürme die erde umsangen,
er lauschte den zischelnden flammen
der brüllenden sonne
 
müde ward er vom singen und tanzen,
er erstarrte zu lavagestein und kristall,
zu gleissendem grün,
gebettet ins dunkel,
rings um ihn wuchs schwerblütiger wein


5.8.21

er war der captain

er ging den gang entlang und hielt sich konsequenterweise immer an der rechten wand, damit er nicht umkippen konnte,
damit er nicht schwankte und sie ihn in ihrer unermesslichen güte auffangen würden, rechts und links unter den armen nehmen 
und ihn dann auf sein zimmer bringen würden
er konnte allein gehen
aber vielen dank auch für dieses unterwasserszenario in flaschengrün und ganz besonders für die neonröhren an der decke
wie für ihn gemacht
es war einfach perfekt
grausam
er erwog kurz, seine augäpfel herauszudrücken, viel taugten sie ohnehin nicht mehr bei dieser orgie von licht und fehlfarben
wieder mal den rebell markieren, einen der weisskittelträger am kragen packen und in bester jim morrison-manier nen song 
von der wüste zum besten geben
drogen inclusive
er war voll wie ein eimer
und kam nicht mehr runter
und irgendwie konnte er sein zimmer nicht mehr finden
aber auch das war ihm inzwischen egal
schlafen konnte er sowieso nicht und wenn, dann kamen die träume wieder, 
die er grad noch brauchen konnte
von der wüste und einem schiff aus kristall in den dünen

und er war der captain
eines schiffs aus kristall
er hielt das steuerrad fest in der hand
nicht die weisskittelträger
sondern er
nur er

und hey, der wahnsinn, die segel gebläht im endlosen blau
heyhey wild child
come home tonight
nacht fiel
sie rannten, und hey, wie sie rannten, und schrien, und kreischten
verehrte gemeinde, sagte der captain und klopfte sich den sand vom gehrock,
verehrte gemeinde, let's rock and roll
sie starrten ihm ins gesicht
sie hatten
angst

2.8.21


er denkt bunte träume, wacht auf, trinkt etwas aus seinem wasserglas, 
das nicht mal andeutungsweise nach wasser schmeckt
wonach schmeckt wasser eigentlich er hat es vergessen doch da war mal ein geschmack
viele bunte träume aus dem wasserglas
merci an die herren im weissen gewand
ihr wasser ist bunter 
bonbonbunt wie eine handvoll roter und grüner und blauer smarties
oder besser farbtiegel
kay malt und ist voller farbe von oben bis unten
in ihrem fenster brennen weisse kirchenkerzen
bunter sand rieselt aus den fensterhöhlen
ihr gesicht ist ein heller fleck in der dunkelheit
lacht ihr mund oder schreit er?


sie denkt an ein blaues boot 
es tanzt auf den wellen
ihr gesicht ist unter wasser und doch kann ich sie hören
aus ihrer hand rieseln münzen aus gold
für immer verloren lacht sie und es ist so
als lachten der wind und die wogen mit ihr


ertränke die seeleute
kind aus atlantis
töte sie alle und geh nie an land

 


eine möwe kreischt
oder etwas am gang