gerade gefunden, auf meiner festplatte, und ich find das gar nicht schlecht, was ich mir da zusammengedacht habe. manches würde ich heute nicht mehr sagen. hm. das meiste. ich würde nicht von gemeinsamen träumen reden, vom aufbruch, vom glücklich sein. niemals. das alles ist wahrscheinlich für lange zeit verschwunden. zufriedensein reicht mir heute. und einigermassen ruhe haben, schmerzfrei leben. glück? das ist ein sonnenstrahl, den man festhalten will. aber damals, da glaubte ich daran, dass das geht. und deshalb lache ich mich selbst nicht aus. irgendwie mag ich mich, die damalige version. hatte was. klar, viele dinge waren damals noch einigermassen in ordnung. da denkt man grundlegend anders. keine schweren krankheiten in der familie und bei den freunden, und der tod war auch nur theorie. mein leben war nie wirklich leicht, aber damals hatte ich eine solche leichtigkeit in mir. die habe ich jetzt verloren. ich möchte solche texte aufbewahren. irgendwie hab ich das gefühl, dass ich sowas dringend brauche.
das gefühl, wieder neue bücher zu besitzen, ist ein ganz eigenes, es ist so, als wäre wieder neues leben hier, sie scheinen zu atmen und ein hauch von abenteuer liegt in der luft. ein abenteuer, wie ich es am meisten liebe - das entdecken neuer welten. wie eigenartig. man beginnt, menschen wieder zu lieben, wenn man ihre bücher liest.
niemand, der viel liest, kann menschen auf dauer verabscheuen, es wäre doch zu vermessen und auch völlig unlogisch. menschen zu hassen, aber ihre bücher zu lieben...das funktioniert nicht. also könnte man mich als menschenfreund bezeichnen. ich liebe ihre aufzeichnungen, seien es texte über ihre reisen, über andere menschen oder ausflüge in phantastische welten, und auch "simple" kochbücher schätze ich sehr, wobei der ausdruck simpel nicht gerade passend erscheint. die kochbücher, die ich mir zulege, haben meistens eine ziemlich lange reise hinter sich, und ich muss oft drei bis vier wochen warten, bis ich sie endlich in den händen halten kann. ausserdem sind es meistens auch bücher randvoll mjit geschichten und bildern.
wie diese beiden, die heute dabei waren:
☆ maxwell house coffee, drinks and desserts cookbook
from lattes and muffins to decadent cakes and midnight treats
☆ miss mary bobo's boarding house cookbook
a celebration of traditional southern dishes that made miss mary bobo's an american legend
die beiden bücher sind hierzulande natürlich nahezu unbekannt.:-) ich hab damals, als ich in einer meiner amerikanischen newsgroups war, wie verrückt gescannte seiten aus den beiden büchern gesammelt, und irgendwann musste ich feststellen, dass es nicht genügt, die digitalisierte version, von der auch einiges fehlte, zu besitzen. es mussten die gebundenen bücher her, unbedingt. die magie, die von den scans ausging, war so gross und jetzt, wo sie endlich in echt da sind, ist die zufriedenheit unbeschreiblich.
die kuchenrezepte von maxwell house sind tatsächlich aussergewöhnlich. ich hab ehrlich gesagt noch nie ein solches buch besessen, wo man am liebsten schon die seiten essen möchte, aber hier ist es so. wundervoll.:-)
und wieder denke ich, ich sollte mal etwas aus meiner leidenschaft machen. langsam reicht es mir nicht aus, diese fantastischen kochbücher nur zu sammeln. @ain, du weisst ja, wie es mir so geht...es ist noch immer so und vielleicht noch eine spur intensiver geworden. die schönheit der welt zeigt sich auch und vor allem hier, in der kunst des kochens und in der kunst der gastfreundschaft,ich denke, es ist ein wichtiger teil unserer kultur, den wir inzwischen fast verloren haben. nimm z.b. diese bücher, von denen ich gerade erzählt habe. die haben tradition, die rezepte sind teilweise uralt und sind von generation zu generation weiterüberliefert worden. wie die leute damals feste feierten, wie sie lebten, das alles gefällt mir so viel mehr als das, was man heute so geboten kriegt, es reicht mir nicht aus, mich damit zufriedenzugeben - ich möchte sozusagen eine welt gestalten, wie sie mir gefällt, und nicht die welt wertfrei übernehmen, die ich quasi auf dem silbertablett serviert kriege. klar, es wäre einfacher, sich nur zurückzulehnen und zu sagen, was soll's. es geht uns doch gut.
wir hungern nicht und es ist uns im winter nicht kalt, wir frieren nicht und wir haben genug geld, um über die runden zu kommen. erstens geht es uns nicht gut, sonst würden wir nicht immer von unseren träumen reden, denn wir halten uns daran fest, was schon ok ist (gerade ich darf hier nicht kritisieren - ich mach das doch schon lange so). also, es geht uns anscheinend nicht so gut, wie wir oft von uns fälschlicherweise behaupten. zweitens frieren wir innerlich. wie die leute während eines krieges, nur haben wir genug heizmaterial, doch frieren wir eben erbärmlich vor uns hin, unsere seelen frieren, und wahrscheinlich ist auch krieg, nur dass ihn kaum einer als solchen erkennt, und leute die im krieg leben, frieren. und sehnen sich nach etwas heimeligem. nach zusammensein, nestwärme. das ist es wahrscheinlich. alle kommen mir so vor, als wären sie aus dem nest geplumpst und können nicht damit klarkommen, wie sollten sie auch. es gibt heutzutage auch keine sicheren nester für unsere vogelseelen mehr, nur die unsichersten der welt, religionen und sekten, die uns verführen und kaputtmachen, und den konsumrausch, der gnädig jeden schmerz zudeckt und und das frieren manchmal beendet, bis wir nach unserer shoppingattacke wieder beginnen zu frösteln und das schlimmer als zuvor.
nestwärme, liebevoller umgang miteinander sowie mit den ressourcen der erde, gastfreundschaft, freude an der gesellschaft der anderen, das wären so die grundpfeiler meines denkens. und daraus möchte ich gerne mal meine welt erschaffen. wahrscheinlich hab ich sogar schon damit begonnen, denn ich
kann mich nicht einfach nach getaner arbeit zurücklehnen und sagen, das wär's, die glotze anwerfen und wegdösen. ich muss träumen, aber das reicht mir nicht.
weisst du, was mich am besten träumen lässt? die tatsache, dass der himmel so verdammt weit ist. dass da hinter dem horizont dieser engen stadt ein so weiter und blauer horizont wartet, dass er mir die tränen der liebe in die augen treiben wird. es wird so weit sein, so unendlich weit. erst dann darf ich zeigen, was ich wirklich kann.
beinah würd ich sagen, ja, im überschwang des blauen horizontes würde ich dann sagen: kommt alle mit. lasst uns ein schiff bauen. lasst uns mit diesem wunderschiff wegsegeln und nicht mehr zurückschauen, lasst uns aufbrechen, die nase in den wind halten, das abenteuer spüren, ja, das würde ich im überschwang dieses tiefblauen himmels, der sein echo in meiner seele findet, zu euch sagen und es wäre wohl die einzige wahrheit, mein leben, das ich jederzeit dafür geben würde, ja, und nur der himmel weiss, dass ich keine hohlen phrasen dresche.
aber nun bin ich gefangen. gefangen in einer welt der konventionen. hinter mauern und stacheldrahtverhau, und ich dürfte nicht so reden, vom blauen himmelszelt und von geblähten segeln, vom glück, zu leben, das dürfte ich nicht, und doch mache ich es, und ich vertraue darauf, dass ihr mich nicht in stücke reisst, mich nicht mit zynismus niedermacht, sondern versteht, wie ich es meine.
keiner von uns ist so glücklich wie er es sein sollte. einige fügen sich in ihr "schicksal" und nennen es erwachsen werden. ich kann es nicht. erst wenn ich diesen weiten horizont mit eigenen augen sehen werde, werde ich ruhe geben. vorher nicht.
