23.1.26

archangelbar getränkekarte cover

 


archangelbar thread - about books, journeys, dreams...


gerade gefunden, auf meiner festplatte, und ich find das gar nicht schlecht, was ich mir da zusammengedacht habe. manches würde ich heute nicht mehr sagen. hm. das meiste. ich würde nicht von gemeinsamen träumen reden, vom aufbruch, vom glücklich sein. niemals.  das alles ist wahrscheinlich für lange zeit verschwunden. zufriedensein reicht mir heute. und einigermassen ruhe haben, schmerzfrei leben. glück? das ist ein sonnenstrahl, den man festhalten will. aber damals, da glaubte ich daran, dass das geht. und deshalb lache ich mich selbst nicht aus. irgendwie mag ich mich, die damalige version. hatte was. klar, viele dinge waren damals noch einigermassen in ordnung. da denkt man grundlegend anders. keine schweren krankheiten in der familie und bei den freunden, und der tod war auch nur theorie. mein leben war nie wirklich leicht, aber damals hatte ich eine solche leichtigkeit in mir. die habe ich jetzt verloren. ich möchte solche texte aufbewahren. irgendwie hab ich das gefühl, dass ich sowas dringend brauche.


wieder mal ein paket mit büchern. die erste anschaffung im neuen jahr wird ein neues bücherregal sein.
das gefühl, wieder neue bücher zu besitzen, ist ein ganz eigenes, es ist so, als wäre wieder neues leben hier, sie scheinen zu atmen und ein hauch von abenteuer liegt in der luft. ein abenteuer, wie ich es am meisten liebe - das entdecken neuer welten. wie eigenartig. man beginnt, menschen wieder zu lieben, wenn man ihre bücher liest.

niemand, der viel liest, kann menschen auf dauer verabscheuen, es wäre doch zu vermessen und auch völlig unlogisch. menschen zu hassen, aber ihre bücher zu lieben...das funktioniert nicht. also könnte man mich als menschenfreund bezeichnen. ich liebe ihre aufzeichnungen, seien es texte über ihre reisen, über andere menschen oder ausflüge in phantastische welten, und auch "simple" kochbücher schätze ich sehr, wobei der ausdruck simpel nicht gerade passend erscheint. die kochbücher, die ich mir zulege, haben meistens eine ziemlich lange reise hinter sich, und ich muss oft drei bis vier wochen warten, bis ich sie endlich in den händen halten kann. ausserdem sind es meistens auch bücher randvoll mjit geschichten und bildern.
wie diese beiden, die heute dabei waren:
 
maxwell house coffee, drinks and desserts cookbook
from lattes and muffins to decadent cakes and midnight treats

miss mary bobo's boarding house cookbook
a celebration of traditional southern dishes that made miss mary bobo's an american legend

die beiden bücher sind hierzulande natürlich nahezu unbekannt.:-) ich hab damals, als ich in einer meiner amerikanischen newsgroups war, wie verrückt gescannte seiten aus den beiden büchern gesammelt, und irgendwann musste ich feststellen, dass es nicht genügt, die digitalisierte version, von der auch einiges fehlte, zu besitzen. es mussten die gebundenen bücher her, unbedingt. die magie, die von den scans ausging, war so gross und jetzt, wo sie endlich in echt da sind, ist die zufriedenheit unbeschreiblich.
die kuchenrezepte von maxwell house sind tatsächlich aussergewöhnlich. ich hab ehrlich gesagt noch nie ein solches buch besessen, wo man am liebsten schon die seiten essen möchte, aber hier ist es so. wundervoll.:-)



und wieder denke ich, ich sollte mal etwas aus meiner leidenschaft machen. langsam reicht es mir nicht aus, diese fantastischen kochbücher nur zu sammeln. @ain, du weisst ja, wie es mir so geht...es ist noch immer so und vielleicht noch eine spur intensiver geworden. die schönheit der welt zeigt sich auch und vor allem hier, in der kunst des kochens und in der kunst der gastfreundschaft,ich denke, es ist ein wichtiger teil unserer kultur, den wir inzwischen fast verloren haben. nimm z.b. diese bücher, von denen ich gerade erzählt habe. die haben tradition, die rezepte sind teilweise uralt und sind von generation zu generation weiterüberliefert worden. wie die leute damals feste feierten, wie sie lebten, das alles gefällt mir so viel mehr als das, was man heute so geboten kriegt, es reicht mir nicht aus, mich damit zufriedenzugeben - ich möchte sozusagen eine welt gestalten, wie sie mir gefällt, und nicht die welt wertfrei übernehmen, die ich quasi auf dem silbertablett serviert kriege. klar, es wäre einfacher, sich nur zurückzulehnen und zu sagen, was soll's. es geht uns doch gut.

wir hungern nicht und es ist uns im winter nicht kalt, wir frieren nicht und wir haben genug geld, um über die runden zu kommen. erstens geht es uns nicht gut, sonst würden wir nicht immer von unseren träumen reden, denn wir halten uns daran fest, was schon ok ist (gerade ich darf hier nicht kritisieren - ich mach das doch schon lange so). also, es geht uns anscheinend nicht so gut, wie wir oft von uns fälschlicherweise behaupten. zweitens frieren wir innerlich. wie die leute während eines krieges, nur haben wir genug heizmaterial, doch frieren wir eben erbärmlich vor uns hin, unsere seelen frieren, und wahrscheinlich ist auch krieg, nur dass ihn kaum einer als solchen erkennt, und leute die im krieg leben, frieren. und sehnen sich nach etwas heimeligem. nach zusammensein, nestwärme. das ist es wahrscheinlich. alle kommen mir so vor, als wären sie aus dem nest geplumpst und können nicht damit klarkommen, wie sollten sie auch. es gibt heutzutage auch keine sicheren nester für unsere vogelseelen mehr, nur die unsichersten der welt, religionen und sekten, die uns verführen und kaputtmachen, und den konsumrausch, der gnädig jeden schmerz zudeckt und und das frieren manchmal beendet, bis wir nach unserer shoppingattacke wieder beginnen zu frösteln und das schlimmer als zuvor.

nestwärme, liebevoller umgang miteinander sowie mit den ressourcen der erde, gastfreundschaft, freude an der gesellschaft der anderen, das wären so die grundpfeiler meines denkens. und daraus möchte ich gerne mal meine welt erschaffen. wahrscheinlich hab ich sogar schon damit begonnen, denn ich
kann mich nicht einfach nach getaner arbeit zurücklehnen und sagen, das wär's, die glotze anwerfen und wegdösen. ich muss träumen, aber das reicht mir nicht.
weisst du, was mich am besten träumen lässt? die tatsache, dass der himmel so verdammt weit ist. dass da hinter dem horizont dieser engen stadt ein so weiter und blauer horizont wartet, dass er mir die tränen der liebe in die augen treiben wird. es wird so weit sein, so unendlich weit. erst dann darf ich zeigen, was ich wirklich kann.
 
 
beinah würd ich sagen, ja, im überschwang des blauen horizontes würde ich dann sagen: kommt alle mit. lasst uns ein schiff bauen. lasst uns mit diesem wunderschiff wegsegeln und nicht mehr zurückschauen, lasst uns aufbrechen, die nase in den wind halten, das abenteuer spüren, ja, das würde ich im überschwang dieses tiefblauen himmels, der sein echo in meiner seele findet, zu euch sagen und es wäre wohl die einzige wahrheit, mein leben, das ich jederzeit dafür geben würde, ja, und nur der himmel weiss, dass ich keine hohlen phrasen dresche.
aber nun bin ich gefangen. gefangen in einer welt der konventionen. hinter mauern und  stacheldrahtverhau, und ich dürfte nicht so reden, vom blauen himmelszelt und von geblähten segeln, vom glück, zu leben, das dürfte ich nicht, und doch mache ich es, und ich vertraue darauf, dass ihr mich nicht in stücke reisst, mich nicht mit zynismus niedermacht, sondern versteht, wie ich es meine.

keiner von uns ist so glücklich wie er es sein sollte. einige fügen sich in ihr "schicksal" und nennen es erwachsen werden. ich kann es nicht. erst wenn ich diesen weiten horizont mit eigenen augen sehen werde, werde ich ruhe geben. vorher nicht.

19.1.26

coffeetime

vielleicht gibt es ihn immer noch. wenn er zu real wäre, wäre er längst in der vergessenheit verschwunden, aber da er das nicht ist, existiert er immer noch. der stillgelegte bahnhof mit dem warteraum, der in angenehmes halbdunkel gehüllt ist.

sogar im sommer bei flirrender hitze ist es kühl. man kann hier perfekt einen heissen tag verschlafen oder lesen oder einfach nur aufs meer schauen.

hier kommen garantiert nur wenige leute vorbei und noch weniger leute bleiben. diejenigen, die den raum sofort wieder verlassen, wirken desorientiert und durcheinander, als würden sie bei der stille, die in diesem raum herrscht, ein gefühl der ohnmacht empfinden. als wäre ihnen die stille unangenehm. sie werden wieder in die masse der menschen eintauchen, darin verschwinden und im allgemeinen stimmengewirr das wiederfinden, was sie ihren verstand nennen. genau solche leute fühlen sich hier an diesem ort verloren und unwohl. und so ist es auch gedacht.

dieser ort ist einladend, doch die einladung gilt nicht jedem.


es führen schienen am bahnhof vorbei. verrostete schienen, vom meerwasser überspült.

die korrosion ist allgegenwärtig.

hie und da schwappt eine welle meerwasser in die wartehalle und spült algen und sand herein.

seemöven hocken auf den pfosten, die vor dem gebäude aus dem wasser ragen und starren auf's wasser hinaus.

die einzigen wahrnehmbaren geräusche, das leise rauschen von wasser und das gelegentliche krächzen und schreien der möven, tragen zum allgemeinen gefühl bei, dass man sich hier eigentlich nicht wirklich an land befindet, nicht auf festem boden, sondern dass es sich hier um eine insel handelt.


hinten im raum, wo es am dunkelsten ist, steht eine verschlissene, grosse couch aus dunkelrotem samt. sie wirkt seltsam deplaziert, morbid und immer noch wunderschön. sie könnte aus einem schloss stammen oder aus einer dieser goth-ähnlichen bars, wie man sie in mancher grossstadt noch vorfindet, wenn man glück hat.

schräg hinter der couch befindet sich ein grosser, moderner und leicht korrodierter, prächtiger kaffeeautomat...

20.11.25

das haus auf dem plateau

steinchen, die unter den reifen wegspringen. sonnengebleicht. knirschend. staubfahnen. efeu kriecht den strassenrand entlang, schlängelt sich auf die strasse. verkrallt sich. müde blätter. warten auf regen. staub. auf der windschutzscheibe. klirrende kreuze unter dem spiegel, schwingend bei jedem schlagloch. sunglasses on. batcave, leise aus den boxen. efeuarme über der strasse. festgekrallt. dürres gras, den asphalt sprengend. risse im boden.


dunstiger horizont, über der baumgruppe, ganz weit vorne, kilometerweit noch. schnurgerade strasse, ansteigend, bis zum plateau, den bäumen, am horizont, wo der regen fällt, wo es endlich regnet. am horizont, weit vorne, die strasse gerade, ein flirrender strich, wie mit dem lineal gezogen, zum horizont ansteigend, wo die weiden stehen, an der biegung des flusses, wo die zweige in den fluss hängen. die gruppe der alten weiden, die bank am fluss. das haus. die wartenden bewohner des hauses.

 

am plateau. vor dem haus steht das auto. vielleicht war da mal der wunsch nach regen, nach frischer luft, heissem tee. der wunsch nach gesprächen mit den bewohnern des hauses, ihrem lächeln, dem ausdruck in ihren augen. vielleicht war da mal ein unbestimmtes gefühl, im hinterkopf, in der magengrube, dass etwas fehlte. unbestimmt, verdrängt, aber immer da. der reissende schmerz verteilt auf viele tage und darum erträglich geworden. nur das ziehen in der magengrube und gelegentlich ein mulmiges gefühl, kopfschmerzen. tränen, ungeweint. niemals geweint. 

vielleicht war da mal der endlose, auf viele tage verteilte schmerz und der wunsch nach regen. früher einmal.

das auto stand vor dem haus.

das flüstern der weiden.

17.11.25

hinter dem eisregen

calexico im auto, was doch ne einigermassen neue erfahrung ist. normalerweise hört er drüben calexico. drüben in bar numero uno. es regnet. klar. immer, wenn er calexico hört, regnet es. nichts neues. house of valparaiso. die anspannung der letzten wochen fällt von ihm ab, er lehnt sich zurück und raucht sich eine an. nach der fahrt wird er müde sein. so müde wie nach drei marathons. eine fahrt über den highway, wo er sich seinen dämonen aussetzen wird. er wird gewinnen. er wird aufs gas steigen, nicht mehr runtergehen, das gaspedal voll durchtreten und

yeah, manchmal drückt es ihm tränen raus

ohne selbstmitleid

irgendwie waren es immer tränen der rührung, obwohl man es ihm nie zutrauen würde. rührung, weil er sie wieder spürt. menschen ringsumher, hinter den neonsigns, hinter den smogwolken, hinter den barrieren aus gift und abfall. manchmal leuchten sie. noch immer tun sie das. wie sterne und er glaubt an sternenlicht, es ist alles, woran er glaubt. vielleicht liebt er sie. vielleicht liebt er sie zu sehr. wahrscheinlich.


er seufzt tief auf und drückt die zigarette aus. ein anstrengendes völkchen, aber sie sind es wert. sie waren es immer wert.


auf einmal sind sie wieder da, die gedanken an steve und ghost. stevie, der betrunken fährt und ghost, der daneben in seinem sitz liegt und schläft. ghost mit den getrockneten rosenblättern in den taschen seines weiten mantels, in dem er wie eine vogelscheuche aussieht. sein alter kumpel ghost, der damals die decke seines zimmers blau angemalt hat. warum? er lächelt kurz. weil sein alter kumpel nicht ohne den himmel auskommt, nicht mal für eine minute seines lebens. weil es ihn beruhigt, den himmel zu sehen. wie ein kind, das vorm einschlafen etwas vertrautes sehen muss, weil sonst die bösen träume wieder kommen, von den dämonen, die ihn hetzen. sein kumpel könnte diesbezüglich sein zwilling sein. wenn der himmel näher rückt, kommt alles wieder in ordnung, und er rückt unaufhaltsam näher. obwohl es manchmal nicht den anschein hat, aber es ist so. einige zeichen stehen wieder auf den wänden.


die kinder der apokalypse, die lost souls ... wie lächerlich das eigentlich ist, sie als verloren zu bezeichnen, die einzigen, die was begriffen haben...die in ihren schlupfwinkeln in allen ecken der dunklen stadt auf die ankunft des königs warten, noch immer. obwohl einige von ihnen aufgegeben haben. haben den himmel nicht mehr gesehen, haben zu tief in den dunklen spiegel des abgrunds gesehen, und sind so verloren gegangen.


trotzdem...ghost und steve...wahrscheinlich für immer vereint...am ende des weges, der story, irgendwo mit dem rücken an nen grabstein gelehnt, mit ner flasche rotwein und den sternen über ihnen. im freien, wo sie auch schlafen werden. nach einigen joints, die sie immer alberner werden lassen, bis sie wild lachend wohl den letzten toten aus seinem grab verscheucht haben. störung der totenruhe, wenn sich das leben wieder mal vordrängt. dumme kinder. und was schlimm ist, sie bleiben so für immer. vielleicht gar nicht so schlimm...manche leute haben was ewiges an sich. weisste, sagte ghost mal zu steve, als er wieder mal besonders erleuchtet war, eigentlich sind wir wie figuren in nem roman. in nem grossen roman. und wir sind unsterblich.


er ist eingermassen verwirrt. für nen kurzen augenblick war etwas in der luft, weisse blüten, jasmin und magnolien, wie in einer warmen sommernacht im tiefen süden und er taucht weiter ein in die tiefe, warme nacht, die hinter dem eisregen liegt, taucht weit hinunter, wo all seine träume sind, die lebendig sind und warm und tröstlich.

hinter dem eisregen

7.7.25

hacker jesus

es ist nicht lang her, da klopfte eines tages ein mann an meine tür, der sagte, er hacker und sein name sei jesus. er müsse ganz dringend meinen computer verwenden, weil er irgendwie vorhatte, alle grosskonzerne zu hacken und auf ihren websites ein dickes fettes aschloch upzuloaden, das gerade kackt, was weiss ich, jedenfalls war er speedig herinnen und sass schon am küchentisch, als ich noch die tür versperrte und argwöhnisch durch den spion äugte, ob ihm wer gefolgt war. zum computer geht's da lang, sagte ich und zeigte auf den gang, richtung mein zimmer. aber irgendwie war er in redelaune und hielt mir einen dermassen langen diskurs über linux, dass ich wohl eingepennt bin. schande, ich weiss. jedenfalls, der hacker jesus war schon weg, als ich aufwachte, aber die kaffeemaschine war noch warm.


6.7.25

von huck finn, flachkopfbär und den anderen arschlöchern


die welt ist schlecht. man sagt, es läge am menschen. er würde die welt durch seine anwesenheit verpesten, weil menschen das böse schlechthin sind. das stimmt. menschen sind einigermassen böse, doch es gibt lebewesen, die den menschen an schrecklichkeit und gemeinheit weit übertreffen, neben denen menschen wie blutige anfänger (ich liebe diesen ausdruck) aussehen. hier ist die rede von einigen von ihnen. zartbesaiteten und romantikern sei heftig angeraten, diesen text eher zu meiden oder eine nette dosis prozac einzuschmeissen. beschwerden werden nicht entgegengenommen, lesen auf eigene gefahr!


hey, ruft huck finn, das eichhörnchen, hey, lasst uns das teil auch noch draufhängen. er springt mit einer handgranate in der pfote und ner riesentüte im maul um den weihnachtsbaum, das eine auge hat ihm schon der rauch weggeätzt und eine leere augenhöhle klafft dort, wo sich einst das halbverweste menschenauge befunden hatte, das er damals als ersatz für sein eigenes auge genommen hat. man muss dazu sagen, liebe kinder, dass er irgendwann mal ein eigenes auge gehabt hatte, das vor jahren bei einem experiment mit sprengstoff hopps gegangen ist. das menschenauge hatte er von nem alten toten kerl drüben in der leichenhalle. ist ihm wie von selbst in die pfote gefallen, als er damals hungrig wie er war am gesicht dieses alten kerls rumgenagt hatte, er hatte sein messer nicht mal verwenden müssen, das er immer im stiefel stecken hat. und leute, er hat sich das auge ohne mit der wimper zu zucken in den schädel gestopft, huck finn ist schon ein kerl und was für einer, ein scheisskerl, der sich nichts schenkt, trinken wir auf huck finn, liebe kinder, vergesst eure eltern und sauft auf sein verdammtes wohl und dass er irgendwann endgültig in der hölle landen wird und seine crew mit ihm!


die crew hat gerade einen baum gefällt, einen der alten grossen bäume, und ihn verkehrt eingegraben, mit den wurzeln nach oben und dekoriert ihn mit dynamitstangen, handgranaten und fetten bomben, als lametta baumelt gedärm dazwischen, alles in allem ein recht schöner anblick. und endlich wieder ein baum weg.


ihr denkt wohl, dass wilde tiere bäume gern haben, so wie ihr sie gern habt? falsch gedacht. wilde tiere hassen bäume und bäume hassen wilde tiere, aber das weiss kaum wer und wenn, dann hält er sicherheitshalber das maul. wer zu viel redet, kann sich leicht in alle einzelteile zerstückelt in allen mülltonnen der stadt verteilt wiederfinden, also redet nicht viel über huck finn, lasst mich lieber reden, denn bei mir ist alles sowieso schon scheissegal, ich bin schon längst tot, also rückt ruhig näher an mich heran, nicht so schüchtern und trinkt mehr punsch, es ist advent und ich lasse euch nicht eher heim gehen, bis ihr alle nicht mindestens fünf mal gekotzt habt. so sind die regeln bei uns und ihr seid selbst schuld, denn wer die abkürzung über den friedhof macht, der wird nicht so schnell wieder heim dürfen und nein, ihr dürft eure mom nicht anrufen, sie soll warten, bis es dunkel ist und vielleicht dürft ihr dann heim. vielleicht. wenn huck finn euch nicht zum fressen gern hat, dürft ihr heim zu mom, dad und eurem abendessen, obwohl ihr davon sicher nicht viel im magen behalten werdet nach eurer elenden sauferei. kinder und alkohol, ich sag's ja immer. langt zu und sauft mit mir auf die scheissgemeine crew von huck finn. alles verfluchte seelen von waldtieren. ja, ihr habt richtig gehört. so mies, dass sie von der hölle wieder ausgespuckt wurden. sagt nicht, dass ihr waldtiere mögt. wenn ja, seid ihr noch kaputter, als ihr ausseht.

komm her, du dämliches gör und erzähl mir mal, was du an finn gut findest. ein einäugiges eichhörnchen mit nem messer im stiefel, nem patronengurt um den fetten bauch und ner verdammten uzi unterm arm, und sieh dir die crew genauer an, um keinen deut besser, vor allem der bär mit dem platten schädel, flachkopfbär hiess der in der anstalt, flachkopfbär und flachwixer haben sie den immer genannt, und als dank dafür hat er die mal alle um die ecke gebracht, geschieht ihnen recht, wenn du mich fragst. wie? wie er sie erledigt hat? nee, du blödes gör, nicht mit nem messer, wie willst du zweihundertfuffzig klappsmühlenbewohner mit nem messer erledigen, denk mal logisch wenn du das noch kannst, du schluckst ja wie ein grosser, muss ich dir leider anrechnen, nicht schlecht für so'n verdammt winziges gör. freund flachkopf hat strychnin im flachmann, hat er immer mit, das ding, und in der anstalt haben die ihm das teil gelassen, denke mal, dort könntest du auch mit ner panzerfaust offen rumrennen, so verplant waren die ärzte dort, null sicherheitsvorkehrungen, die dachten, dass alle einfache waldtiere mit nem sprung in der schüssel waren, und so süsslich, wie flachkopf immer tut, da kommt keiner auf die idee, dass er ausser seinen epileptischen anfällen noch dazu ein serienmörder ist, alle dachten, er wär harmlos und einfach nur'n bisschen defekt in der birne, was ihr fehler war, denn alle sind damals verreckt, patienten und ärzte.

strychnin im essen, was strychnin ist, mann, was bringen dir deine eltern überhaupt bei, sind die miteinander verwandt oder was ist mit dir los, oder nagen dir die maden schon das gehirn an? du hörst sie? die maden, die in meiner gruft über die wände wimmeln? siehst du, wie sich die wände bewegen, als würden wellen drüber laufen? sie wollen alle zu dir und in deine ohren und nase kriechen und dein gehirn fressen, so machen sie es mit kleinen dämlichen neugierigen kindern, die in meiner gruft hocken und saufen und sich stories über finn und flachkopf reintun, anstatt wie anderen braven kinder zuhause bei den eltern zu sitzen und den adventskranz abfackeln, ha, das sollte flachkopf sehen, feuer ist für ihn das allergeilste, da kriegt er feelings, wenn er benzin und 'n streichholz in die pfoten kriegt, also bete, dass er nicht zu weihnachten vor deiner tür steht mit nem benzinkanister, bete, kiddie, bete, aber zuerst trink noch einen.


strychnin ist ne harte droge, willst du sie mal probieren? nee, ich sag dir die wahrheit, weil du mir weniger auf die ketten gehst als deine kumpane, von strychnin verreckst du ganz schön heavy und wenn flachkopf dir das zeug ins essen mischt, dann hast du ausgeschissen, das kann ich dir versichern. weisst du, was das witzigste ist an der ganzen story? sie haben ihn zum küchendienst verdonnert und alle haben von seinem eintopf gefressen, die bekloppten und die ärzte und als die dann die ersten krämpfe hatten, dachten alle, die bohnen wären dran schuld und rannten aufs klo, kein scheiss, aber die meisten haben es nur noch auf den gang raus geschafft, sagte der platte und dann lagen sie schon alle auf dem boden und schrien, kein schöner anblick, aber einer, den ich gern genossen hätte, du doch auch? natürlich. du hast was von mir, kleiner. magst du deine eltern wirklich? oder hasst du sie im grunde? jedes kind hasst seine eltern, sei ehrlich, du möchtest sie sicher loswerden, was? soll ich dir strychnin für sie mitgeben? flachkopf ist nicht geizig, also, mit dem kannste reden, auch wenn du dir mal harte drogen reinziehen willst, also tu dir keinen zwang an. ich denk mal, du willst deine eltern um die ecke bringen, das seh ich dir an. kann gut sein, dass ich dich dann adoptiere. ah ich sehe, du musst kotzen, ich halte dich sicher nicht auf, aber kotz an die wand zu den maden hin, die mögen den geschmack von kotze. braves kind.

jedenfalls haben damals alle gedacht, dass das grosse feuer schuld am tod der bekloppten war. flachkopf hat das haus abgefackelt und dann hat er die fliege gemacht, fullspeed über die felder, irgendwann gammelte er dann hauptsächlich am friedhof rum, hier gefällt es ihm, er ist fleischfresser und seit er tot ist, frisst er abgelegenes aas am liebsten, er sagt immer, seine geschmacksnerven wären durch den tod verfeinert worden, aber ich sag dir, das ist reine angabe, zombies wie er gieren immer nach menschenfleisch, das ist gesetz bei uns, nur dass flachkopf, bekloppt wie er nun mal ist, das fleisch von toten besser schmeckt als beispielsweise mir, ich bevorzuge lebendiges fleisch, das zart ist und das ich gut beissen kann. sieh dir meine zahnstummel an, dann weisst du alles.


hör auf zu heulen, sonst kannst du deine einzelteile von den wänden kratzen. und lass dir gesagt sein, dass flachkopf nicht der schlimmste ist, finn auch nicht, obwohl er das immer von sich behauptet, ja, er sagt, er wäre die verfluchteste seele des ganzen universums, aber es gibt einen, der schlimmer ist als finn und das ist der dessen namen man nicht aussprechen soll und der dessen namen man nicht aussprechen soll ist ganz in deiner nähe, soviel ist sicher. nur dass du ihn nicht sehen kannst, aber er sieht alles und er hört alles.


klar, das karnickel mit dem kahlen kopf ist auch nicht zu verachten. ist rein technisch gesehen auch kein echtes waldtier, obwohl es sich dafür hält, also kein wort oder du hast ne blutige kehle, es frisst sich durch deinen hals, hab ich schon mal gesehen, ich hab mich damals vor lachen weggeschmissen.


karnickelickel. was guckst du so dämlich? sein name ist das, karnickelickel. hat nen ziemlichen hau weg seit es als labortier gejobbt hat, darum sieht auch sein kopf so aus wie ne bowlingkugel, da wächst kein haar mehr, nachdem sie ihm die schädelplatte abgesägt und elektroden an seinem gehirn befestigt haben, um zu checken, wie es auf dauerlärm und andauerndes grelles licht reagiert und karnickelickel ist verdammt sauer seit damals, kann ich dir versichern und wenn der menschen sieht, dann kann er sich nicht beherrschen und fällt über sie her, und es ist ihm scheissegal, ob die kerle dann weisse mäntel tragen oder harmlose kleine kinder sind wie du. du bist doch harmlos? schon mal ne bank überfallen? oder ne alte omi über die strasse gebracht und sie mitten auf der strasse stehengelassen, während links und rechts der verkehr vorbeirauscht und sie keinen schritt mehr weiterkann? wenn du mal ‘n moped hast, dann kannste ihnen ja die handtaschen entreissen und meistens hängen die noch ein gutes stück mit dran, das nenn ich nen guten spass im altmodischen sinn, aber ihr kleinen kaputten typen hängt sicher viel lieber am computer rum und erzählt allen, wie verdammt böse ihr seid und was für tolle hechte, na mir kann’s egal sein, aber sieh dich mal an, kein mumm in den knochen und wahrscheinlich hast du auch ein richtig liebes haustier, das dir deine eltern gekauft haben, stimmt’s? einen hamster oder ein meerschwein, und wenn ich dir über diese leute die wahrheit erzähle, wie die richtig ticken, dann killst du deine haustier sofort, bevor es dich um die ecke bringt. das sind ganz gemeine finger, lass bloss die finger von hamstern und mäusen, sag ich dir. aber am schlimmsten sind die tiere das waldes, bei denen ihr immer feuchte augen kriegt, wenn ihr sie sozusagen auf freier wildbahn seht, dann ist die welt noch in ordnung, ein scheiss ist sie, gerade dann ist die welt verkommen und beschissen, wenn ihr wildtiere seht, denn dann seht ihr das grauen und die vernichtung. menschen verschwinden beim spazierengehen, das weißt du sicher auch, obwohl du sone dämliche ratte bist und irgendwann findet einer von euch wieder mal ne leiche am strassenrand und ihr sagt, es wäre einer dieser hundsgemeinen mörder gewesen, die bei euch so rumlaufen und es ist uns absolut recht, dass ihr nicht nach den wahren schuldigen sucht, uns kann’s ja passen, wir sind ja nur die kleinen bekloppten tierchen, die manchmal vielleicht ein bisschen zu nahe an menschen rankommen. die scheu verlieren heisst es. wutkrankheit heisst es. tollwut sagt ihr dazu. schaum vorm maul und feste gestreichelt werden, bevor man zur sache kommt und dem menschen das gesicht wegfrisst.


uns haben sie ins gehirn geschissen, das sag ich dir, aber mächtig, als sie uns erschaffen haben, damals in der hölle. und einigen von uns hat man das gehirn amputiert. karnickelickel ist so ein fall. siehste wie er gerade an die wand seiner gruft pinkelt? wie ‘n verschissener wasserfall. was das fürn verdammtes rotes licht ist, das da drüben leuchtet? mann, sieht man doch, das kommt aus seinen augen. hat rote augen, klar, ist ein albino, ein inzestprodukt, wie es im buche steht. genauso wie du, du krasses kotziges kid. nur leuchten deine augen nicht so rot, das musste dir noch selber beibringen, aber kein neid, das wird schon, wenn du genügend wut in dir ansammelst, dann wird das schon noch werden, gib die hoffnung noch nicht ganz auf, das wirste dann erst tun, wenn du mitkriegst, dass dich die hölle nicht will, weil du denen zu verdammt unheimlich bist. für uns, sagten die damals in der hölle, muss man ne eigene welt erfinden, weil wir das letzte sind, als allerallerletzte. deshalb sind wir ja hier, auf diesem friedhof. die haben es sich leicht gemacht in der hölle, was? haben einfach diesen alten friedhof für uns umfunktioniert, weil die nämlich keine eigene welt erschaffen können wie die kerle da oben hinter wolke 7. ja, die können das, aber die, weisste, die hab ich mein verdammtes leben lang noch nie gesehen und ich hoffe, das bleibt auch so. du glaubst an gott, oder? ich sag dir, dass gott nicht an dich glaubt, also geh ruhig in deine kirche und misch denen mal gehörig abführmittel in den messwein oder mach ‘n experiment mit weihwasser, das dann gelb ist und nach schwefel stinkt, ich bring es dir nachher noch bei, es sei denn, du möchtest gar nicht mehr in die kirche gehen und lieber bei uns bleiben, wo es dir sicher besser gefällt als da draussen. kiddie, keine schule! es sei denn, du rechnest die verbrecherschule dazu, aber das ist mehr spass, als du ertragen kannst, du lernst alles über waffen, drogen und was du wirklich brauchen kannst. hat finn damals gegründet, die huck finn schule des organisierten verbrechens.

ja, karnickelickel pinkelt noch immer, kann er stundenlang machen, er besteht ja aus pisse und scheisse, er ist pisse und scheisse, und wenn wir hier alle mal ersaufen, dann weißt du, wer dran schuld hat.


was ich eigentlich bin? gute frage. was ich eigentlich bin. jetzt wird das scheissgör auch noch philosophisch. du hast schon mal von genexperimenten gehört, oder? nein? solltest du aber, weil du dann verflucht genau erkennen kannst, was ich bin. seh ich aus wie ein mensch? nein. für dich schon? dann schau mal genauer hin. oder kannst du das weisse in meinen augen sehen? wäre auch ein wunder. schwarz und ohne pupillen. klar seh ich was, du aas. dich seh ich wie du grün anläufst, weil zwei deiner freunde nähere bekanntschaft mit meinen maden gemacht haben, das seh ich. eine fette made seh ich an deinem ohr zappeln, ich seh schon genug und wahrscheinlich besser als du. ja, kotz ruhig, das gefällt dir, was? werden dich kotzbeutel nennen, wenn du so weitermachst. beruhig dich endlich wieder, ich mach ja nur scherze und meine maden auch. humorloses balg. meine zähne sind dir auch schon positiv aufgefallen, oder? schief und gelbbraun waren die immer, wenn ich so zurückdenke, aber erst seit ich tot bin sehen die mal so richtig nach ruinen aus, was zum gesamtbild passt, aber eigentlich ist das bei mir normal, was auch immer das heissen mag, denn was ist schon normal an nem richtig ekligen genexperiment, frag ich dich? haarig bin ich also? ziemlich haarig. mit den zusammengewachsenen augenbrauen gewinn ich keinen schönheitswettbewerb, was? so’n richtiger balken, und drunter die augen ohne pupillen und noch weiter drunter braune zähne, die aussehen wie ne reihe abbruchhäuser. ich denk gerade an meine geschwister zurück, experimente wie ich und wie sie versucht haben, uns zu verbrennen, nachdem das experiment so gründlich gelungen war und sie die anzeige hatten, sie würden wider die natur arbeiten und gott spielen sagte man. alle beweismittel vernichten und ab ins krematorium, natürlich lebend, was dachtest du. klar bin ich verbrannt, aber nicht ganz, die anderen schon, aber ich war als letzter dran und irgendwie ist was schiefgegangen und ich war nur verkohlt wie sonstwas und ziemlich tot war ich auch. das einzige, was nicht verbruzzelt ist, ist mein hübsches gesicht, das dir so gut gefällt. stimmt’s? genau.


schon mal nightmare on elm street gesehen? ja? nicht schecht für dein alter! horrorfilme schauen mit – wie alt bist du eigentlich? 8 jahre alt. aus dir wird noch mal was, ich hab es immer schon gewusst. dann kennst du freddy ja, are you ready for freddy, alles klar. darum trag ich dieses t-shirt und den schwitzigen deckel, als reverenz an freddy kruger, der fast so ist wie ich. nur halb so böse. als mich die hölle wieder ausgespuckt hat, kriegte ich erstmal hunger, weil es da so appetitlich nach barbecue roch, nach ner gammligen grillparty mit freunden, nur waren es meine lieben geschwister, die so gut rochen. halb so wild, ich hab sie nie gemocht. dachte damals kurz dran, sie sowieso irgendwann um die ecke zu bringen. kreuz mal einen menschen mit nem frettchen, dann kriegst du sowas wie mich dabei raus, den hauptgewinn, aber ich würde eher arschkarte dazu sagen. was die weisskittel und werten erzeuger dann am eigenen leib gespürt haben. was ich mit denen gemacht hab?


- deckung! karnickelickel steht am eingang und hebt sein bein. in meine gruft pullern, das kann er. werd ihm als dank mal nen haufen giftköder auslegen, damit er anschwillt wie ein ballon. mal sehen, was flachkopf in seinem verlies gehortet hat. geh in deckung mann, es sei denn, du willst, dass karnickelickel dich sehen kann. du weißt ja, wie er ist. eine spur menschenhass und ganz viel pisse und scheisse.



wird wahrscheinlich leider fortgesetzt. irgendwann, vielleicht erst dann, wenn ich ebenfalls untot bin. 


© shine 2009

5.7.25

arachne



arachne was gifted in the art of weaving,
but one look from her can be deceiving. 
she hung herself from a web, 
and fooled others into thinking she was dead.
and now masters in the art of disbelieving


todesdatum: 1603 vor christus


6.6.25

living dead dolls - krampus


 




hugo dollfuss dressed like krampus and was off to the krampusfest.
but the kid was rotten so krampus got him. in the end krampus knows best.