19.9.11
die stadt versinkt im violetten nebellicht
 

die häuser sind ruinen. die bewohner der häuser längst tot. niemand geht die strassen lang, niemand beweint die opfer, niemand sieht sie. niemand bringt opfer. der schlaf hält alle umfangen, sie träumen. sie schlafen und niemand wird sie wecken können.
ich hauche namen, die antworten dringen nicht zu mir durch.

mein wagen parkt vor der dunklen stadt, hierher bin ich zu fuss gegangen. ich atme schwer, als wäre ich den ganzen weg gelaufen. wie von sinnen, nur gelaufen, hierher in die dunkle stadt.ich hocke auf der eingangsschwelle eines der alten häuser und schreibe namen in den staub. lost souls, jetzt wirklich verloren, verloren gegangen, im schlaf gefangen, im dunklen, bösen traum. und doch wärmt die erinnerung, ich lasse staub durch meine finger gleiten und gedenke der toten, der schlafenden, der traumgebundenen. ich baue ihnen einen altar aus rost und moder und lege eine vertrocknete rose davor. mehr werde ich nie geben können, mehr besitze ich nicht.


der mond trägt eine aureole aus violettem nebellicht
die strasse häutet sich wie eine schlange
die seele weint unaufhörlich
bastard schmerz lauert unter der oberfläche und bleckt die zähne
jesus am kreuz, in einer dunklen ecke, regen auf seinem gesicht
ein weihwasserbecken, das sich mit regenwasser füllt und mit blut, das aus den schnitten an meinen handgelenken tropft

in einer fensterhöhle flackert kerzenlicht, die kerze wird vom wind ausgeblasen. ich sehe hoch, regen rinnt über mein gesicht, füllt meine augenhöhlen, die übergehen wie gefässe.

ich schreie meine einsamkeit gegen die wände, über die schatten davonkriechen.
du wirst bluten, solange du es noch kannst und das wird für immer sein.
willkommen daheim.


zurück im auto: ich sehe in den rückspiegel. mein haar ist weiss geworden.
die türen der erinnerung öffnen sich, eine nach der anderen.
regen rinnt über die windschutzscheibe, die stadt versinkt in violettem nebellicht
i'm dying, i hope you're dying too


träume von zerstörten städten, und einmal wieder das gefühl, als wäre hier eine art scheideweg. eine entscheidung steht an, mit der niemand gerechnet hätte, schon gar nicht ich selbst. die dinge entwickeln ihr eigenes leben. ich kann mich erinnern, diesen satz des öfteren gehört zu haben. aber er kümmerte mich nie besonders, hatte er doch keine bedeutung in meinem leben. jetzt kommt dieser satz aber zu mir zurück, er hat etwas leuchtendes, unbekümmert..fast unverschämt..herausforderndes. gib dir keine mühe, es zu verstehen oder dich auf irgendeine art und weise dagegen zu sträuben, es hat eh keinen sinn. "die dinge entwickeln ihr eigenes leben zur heiligen stunde."

ich vermisse eddie manchmal sehr. sie war klarsichtig in mancher hinsicht. manche dinge konnte nur sie auf eine weise formulieren, die so schön war, dass sie den dingen gerecht wurden. das kann kaum einer mehr.


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