neptun
-
sie trägt ein hellblaues kleid, blau wie der himmel hinter dem zugfenster.
rundherum dehnt sich endloses blau.
und da sagen leute, etwas anderes würde zähl...
26.2.18
18.2.18
nächtliches grauen
gestern nacht, nachdem ich über meinem kleinen ebook zum x. mal eingepennt und dann wieder verkrampft und völlig verwirrt aufgewacht bin, wankte ich halt noch mal aufs wc und dort ereilte mich ein derart obszöner anblick, dass ich fast in ohnmacht gefallen wäre. muss vorweg sagen, dass direkt über dem klo ein monster von boiler hängt. welcher irre den dort befestigt hat.. keine ahnung. allerdings passt der auch sonst nirgends richtig hin. nur wenn du das teil dann quasi über dir schweben hast, ist einigermassen beunruhigend. der nächtliche anblick war aber noch beunruhigender, die wand unter dem boiler war nass. ich hab gesehen, wie wasser über die rote farbe der wand lief und es sah so aus, als würde blut aus der wand kommen. m. hat damals die wand dunkelrot angemalt. aber das war es nicht. das rot kenn ich ja ewig. nur war die wand halt nie feucht. bzw. nass. ich bin mit meiner winztaschenlampe wiedergekommen und hab versucht, den ursprung der ganzen horrorshow herauszufinden. mein erster verdacht war, dass der boden des boilers einen riss hat. aber da war nix. habe die unterseite des dings abgetastet und auch die rückseite - so weit ich raufreichen konnte. nix. staubtrocken. mein nächster verdacht war...klar - ist immer mein verdacht, wenn wasser aus der wand kommt ... rohrbruch!! alarmstufe rot! nix wie alle anrufen - hausverwaltung, hausbesitzer, hausmeister, meine eltern... nur .. bei näherer betrachtung wurde klar, dass es auch kein rohrbruch sein konnte, denn wie der hausmeister mir schon mal erklärt hat, sprudelt dann das wasser von allen seiten auf dich runter und du hättest nicht mal zeit, nachzudenken, ob das ein rohrbruch ist oder nicht, weil du dann schon mächtig damit beschäftigt bist, alles, was du liebst, in sicherheit zu bringen. ok. nächste stufe. möglichst zur ruhe kommen und versuchen, einigermassen logisch zu sein. letzteres funktionierte nicht, also hab ich zumindest versucht, mich zu beruhigen. klappt ja immer, wenn du dein MY PET MONSTER im arm hast und so hab ich mal SERGEJI geholt und ihm die sachlage geschildert. er hat das ganze fachmännisch inspiziert und meinte, halb so wild. er hatte recht.
das wasser kam nicht wirklich aus der wand, sondern es tropfte immer wieder auf die wand. und das ganze wurde gerade weniger und weniger. bis es aufhörte. ich fühlte mich auf abartige weise verarscht. da kippe ich fast um und dann das. man konnte nur an der wand sehen, wo das wasser geronnen war, aber mit der zeit würde es wahrscheinlich verschwinden. der boiler spinnt seit einiger zeit, seit jahren, genau gesagt, aber sowas ist überhaupt noch nie vorgekommen. es stand auch ne grosse lache wasser am boden. hab die urspeedig weggemacht, damit der nachbar unter mir kein prob bekommt. hm. ventile sind ok, die hat der hausmeister überprüft. er meinte sogar zu mir...mit dem unterton, dass ich mich wieder mal umsonst aufgeregt habe, dass das so gehört..da muss wasser raustropfen, meinte er. jaja, guter mann. aber dann bitte in den kleinen becher, der dafür vorgesehen ist. und nicht auf den boden. das weiss er natürlich nicht, weil der boiler diese aktionen immer ganz still und heimlich vollführt und immer nur dann, wenn er weiss, dass ich es nicht beweisen kann. ich hab das ganze damals dann auch "repariert" (hähä). hab eine art verband gebaut, mit viel alufolie und tesa und hab das wasser mit der folie, die zu einer rinne geformt ist, aufgefangen und zu dem kleinen becher geleitet, wo es hineintropfen und ergo abfliessen kann, ohne auf den boden zu tröpfeln. (ich hätte ingenieur werden sollen). nur war die wand nie betroffen. die wand war immer trocken. und von innen kam das nicht, es tropfte von aussen drauf. nur konnte ich nicht sehen, woher das kam. es war schon so gut wie vorbei, als ich aufs klo ging. interessante sachlage. denn die wand war eineinhalb stunden später, so gegen mitternacht, wieder staubtrocken. im ernst. kein scheiss. ich war einigermassen beruhigt, ging pennen, wachte um 5 uhr nochmal auf, ging nachschauen, tastete die wand genau ab und guckte - staubtrocken - und ging wieder pennen. vor kurzem aufgestanden, wieder nachgeguckt - staubtrocken.
das fazit - es ist kein rohrbruch. und der boiler ist unten nicht gerissen oder durchgerostet. der ist überhaupt nicht gerostet, möchte ich hinzufügen. das ding schaut aus wie neu. ich komme zu dem schluss - aber es ist ein vorläufiger schluss - dass das kleine silberrohr, das eh schon tierisch spinnt, wieder mal seine dreckigen hände im spiel hat. ich glaube ja, dass es vielleicht ein winziges löchlein seitlich entwickelt hat und jetzt ab und zu wasser auf die wand spritzt. abschaum.
ich werde erst nächste woche den hausmeister verständigen, es sei denn, es fängt tierisch an zu rinnen, aber irgendwie hab ich den verdacht, dass es trocken bleiben wird. im bad müsste sowieso noch was kleines gerichtet werden - das rohr unterm waschbecken hat ein kleines leck. tropft ein bisschen. ich hab das schon angeschaut und herausgefunden, dass ein kleines teilstück des abflussrohres kaputt ist - ein winziges stück metall ist rausgebrochen. nix tragisches - der hausmeister besorgt das teil dann nächste woche beim baumarkt und baut das ein und dann kann er sich ja wieder mal den boiler anschauen und er wird wie immer zu mir sagen, dass das ventil ok ist und dass der rest auch ok ist. und dass ich mir alles quasi eingebildet habe. und ich werde mich wie immer bemühen, ihm nicht aufs auge zu hauen.
nachtrag: habe gerade bilder von boilern im internet geguckt...das ganze hat mich also doch mehr mitgenommen, als ich dachte. habe dieses gerät hier gefunden:
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:ETNA_wasketel_pic1.JPG?uselang=de
mein boiler schaut zwar aus wie ein stinknormaler moderner boiler, aber das ist seine seele. und sie ist sehr, sehr düster.
das wasser kam nicht wirklich aus der wand, sondern es tropfte immer wieder auf die wand. und das ganze wurde gerade weniger und weniger. bis es aufhörte. ich fühlte mich auf abartige weise verarscht. da kippe ich fast um und dann das. man konnte nur an der wand sehen, wo das wasser geronnen war, aber mit der zeit würde es wahrscheinlich verschwinden. der boiler spinnt seit einiger zeit, seit jahren, genau gesagt, aber sowas ist überhaupt noch nie vorgekommen. es stand auch ne grosse lache wasser am boden. hab die urspeedig weggemacht, damit der nachbar unter mir kein prob bekommt. hm. ventile sind ok, die hat der hausmeister überprüft. er meinte sogar zu mir...mit dem unterton, dass ich mich wieder mal umsonst aufgeregt habe, dass das so gehört..da muss wasser raustropfen, meinte er. jaja, guter mann. aber dann bitte in den kleinen becher, der dafür vorgesehen ist. und nicht auf den boden. das weiss er natürlich nicht, weil der boiler diese aktionen immer ganz still und heimlich vollführt und immer nur dann, wenn er weiss, dass ich es nicht beweisen kann. ich hab das ganze damals dann auch "repariert" (hähä). hab eine art verband gebaut, mit viel alufolie und tesa und hab das wasser mit der folie, die zu einer rinne geformt ist, aufgefangen und zu dem kleinen becher geleitet, wo es hineintropfen und ergo abfliessen kann, ohne auf den boden zu tröpfeln. (ich hätte ingenieur werden sollen). nur war die wand nie betroffen. die wand war immer trocken. und von innen kam das nicht, es tropfte von aussen drauf. nur konnte ich nicht sehen, woher das kam. es war schon so gut wie vorbei, als ich aufs klo ging. interessante sachlage. denn die wand war eineinhalb stunden später, so gegen mitternacht, wieder staubtrocken. im ernst. kein scheiss. ich war einigermassen beruhigt, ging pennen, wachte um 5 uhr nochmal auf, ging nachschauen, tastete die wand genau ab und guckte - staubtrocken - und ging wieder pennen. vor kurzem aufgestanden, wieder nachgeguckt - staubtrocken.
das fazit - es ist kein rohrbruch. und der boiler ist unten nicht gerissen oder durchgerostet. der ist überhaupt nicht gerostet, möchte ich hinzufügen. das ding schaut aus wie neu. ich komme zu dem schluss - aber es ist ein vorläufiger schluss - dass das kleine silberrohr, das eh schon tierisch spinnt, wieder mal seine dreckigen hände im spiel hat. ich glaube ja, dass es vielleicht ein winziges löchlein seitlich entwickelt hat und jetzt ab und zu wasser auf die wand spritzt. abschaum.
ich werde erst nächste woche den hausmeister verständigen, es sei denn, es fängt tierisch an zu rinnen, aber irgendwie hab ich den verdacht, dass es trocken bleiben wird. im bad müsste sowieso noch was kleines gerichtet werden - das rohr unterm waschbecken hat ein kleines leck. tropft ein bisschen. ich hab das schon angeschaut und herausgefunden, dass ein kleines teilstück des abflussrohres kaputt ist - ein winziges stück metall ist rausgebrochen. nix tragisches - der hausmeister besorgt das teil dann nächste woche beim baumarkt und baut das ein und dann kann er sich ja wieder mal den boiler anschauen und er wird wie immer zu mir sagen, dass das ventil ok ist und dass der rest auch ok ist. und dass ich mir alles quasi eingebildet habe. und ich werde mich wie immer bemühen, ihm nicht aufs auge zu hauen.
nachtrag: habe gerade bilder von boilern im internet geguckt...das ganze hat mich also doch mehr mitgenommen, als ich dachte. habe dieses gerät hier gefunden:
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:ETNA_wasketel_pic1.JPG?uselang=de
mein boiler schaut zwar aus wie ein stinknormaler moderner boiler, aber das ist seine seele. und sie ist sehr, sehr düster.
21.1.18
der maximale einsatz
(die sieben todsünden: hochmut)
der himmel war samtblau wie der mantel eines orientalischen zauberers, sternenbestickt, trügerisch wie eine jahrmarktsbudenillusion, aus glitzerndem samt und silbern gesticktem sternenflor, so trügerisch, so falsch wie der gewinn eines preises in einer schiessbude, dessen talmiglanz bei tag ausbleicht wie eine verblassende erinnerung.
von ferne her klang der langgezogene signalton eines durchfahrenden zuges, unendlich einsam, er durchdrang die nacht und vergellte wie der schrei eines verwundeten tieres.
der weisshaarige mann mit dem jungen gesicht sass vor woo yong wahs laden auf dem gehsteig, lehnte den rücken an die hauswand und betrachtete die dinge, die vor ihm auf dem staubigen boden lagen. sechs würfel aus bein, ein messer, ein hammer und einige dicke rostige schusternägel. daneben eine flasche schnaps von der billigen sorte. 2 gläser.
zufrieden drehte er sich eine zigarette und wartete, während er rauchte. er würde bald kommen. der, auf den er wartete, sass gerade im casino des grand hotel beim roulette und liess sich volllaufen. aber er würde nüchtern genug sein, um mit ihm zu würfeln - er wusste, dass es so sein würde. der mann war ein spieler. er spielte immer, egal ob im casino, in hinterzimmern oder mit einem fremden auf der strasse vor dem laden eines chinesen. er, der spieler, war mondain und hatte die geschliffenen umgangsformen eines mannes von welt. bis er bekommen hatte, was er wollte. danach kam sein wirkliches gesicht zum vorschein, gelangweilt, überdrüssig, ein tier kurz vorm verrecken. er spielte neuerdings um wirklich hohen einsatz, hörte man. und trotzdem war es ihm zu wenig. er wartete ebenso wie der mann, der auf der strasse sass, auf das eine spiel, das spiel der meister.
der mann auf dem gehsteig betrachtete noch einmal die utensilien, die vor ihm lagen. nicht gerade nobel. aber darum ging es diesmal nicht. einige würfel im staub, mehr war nicht nötig, um zu spielen. er schraubte die schnapsflasche auf und füllte beide gläser eben voll bis zum rand. es konnte nicht mehr lang dauern. das casino im grand hotel musste in den nächsten minuten schliessen und sie würden herauskommen, die meisten wie müde, getretene hunde, doch er, der spieler, wie immer als gelangweilter gewinner, von allen beneidet, doch im grunde müder als die verlierer. müde bis an seine seele.
er würde am nachhauseweg genau an woo yong wahs laden vorbeikommen, vor dem er sass und ihn erwartete, mit 2 gläsern schnaps und einem würfelspiel aus bein.
es konnte so einfach sein. er lachte lautlos in sich hinein und fuhr vorsichtig mit den fingern über den hammer, der vor ihm lag. das spiel des jahrhunderts, und alles stimmte, sogar die farbe des himmels, die ihn immer zu aussergewöhnlichen taten inspirierte. ein himmel wie gemacht für liebespaare oder zwei spieler, die einander nicht aus den augen lassen, fast schon wie ein liebespaar. er kicherte und drehte sich noch eine zigarette.
endlich war es so weit. das klappern von türen, dann stimmen auf dem parkplatz vor dem grand hotel, verstärkt durch die leere strasse wie durch den trichter eines grammophons. schritte, die sich in alle richtungen entfernten, einige grussworte und flüche, dann stille. er lauschte angestrengt, unterschied die stimmen, das geräusch ihrer schritte. der spieler musste hier vorbeikommen - es sei denn, er führte sich noch ein flittchen zu gemüte. er lachte kurz auf. aber er glaubte nicht daran. jemand, der vom schlachtfeld kommt wie ein einsamer wolf würde anders handeln. er würde einsam trinken und dem mond seinen tribut verrichten, ein einsamer jäger, der ohne die klettenhafte umklammerung eines billigen weibsstücks auskam. stolz wie ein kaiser und müde wie ein bettler.
er runzelte die stirn und lauschte angestrengt in die nacht.
schwere schritte, die sich ihm näherten und gleich darauf um die ecke bogen. er setzte sich aufrecht hin und sah dem spieler entgegen.
er, der spieler, sah einen weisshaarigen mann mit unbewegtem gesicht, der ihn starr anblickte und ihm zur begrüssung leicht zulächelte. einen mann, der vor dem laden eines chinesen auf dem boden sass und selbst beinahe asiatisch wirkte, so unbewegt freundlich war seine miene. er war betrunken, doch wie durch einen schleier konnte er die dinge sehen, die vor dem mann auf dem boden lagen. er verstand ihre bedeutung nicht und schüttelte seinen kopf wie einer, der gerade eine vision vertreiben wollte. der mann nickte ihm zu und deutete auf etwas, das auf dem boden lag und wie ein würfelspiel aussah. der spieler begann betrunken zu lachen. aber trotz seiner momentanen verfassung, die sein bewusstsein trübte, fühlte er, dass irgendetwas nicht stimmen konnte. auf seinem rücken wuchs eine gänsehaut, als er den mann am boden ansah.
der mann sah dem spieler emotionslos entgegen und fühlte seine schwäche wie das zittern eines opfertiers. bald würde schmerz dazukommen, immenser schmerz. er neigte den kopf vor ihm zur begrüssung und bedeutete ihm mit einer handbewegung, ihm gegenüber auf dem gehsteig platz zu nehmen.
"sie sind einem kleinen spielchen sicher nicht abgeneigt? ein spiel mit würfeln - vielleicht zu primitiv für sie? aber vielleicht interessiert sie ja der einsatz."
der spieler kam näher heran und betrachtete das würfelspiel und den mann, der ihm mit desinteressierter freundlichkeit entgegensah.
"geld? sie können nicht mithalten", meinte er und wollte weitergehen, doch der blick des mannes bannte ihn wie ein hypnotisiertes kaninchen auf dem fleck. er sah etwas in den augen, das er instinktiv fürchtete, doch es war ein eigenartig angenehmes gefühl. gefahr. er fühlte zum ersten mal seit jahren, dass er angst hatte. so grosse angst, dass er am liebsten um hilfe gebrüllt hätte, und doch tat er es nicht. es war pervers - er hatte spass daran, an dieser situation, mitten in der nacht vor dem laden eines alten chinesen.
"wie hoch ist der einsatz?", fragte er und er wusste es nicht, aber er hing schon rettungslos an der angel seines gegenübers.
der lächelte und meinte leichthin, als würde er etwas völlig belangloses sagen: "wer verliert, wird bluten. erst wenig, dann mit fortschreitendem spiel immer mehr. wir spielen so lange, bis der gegner entweder um gnade bettelt oder tot ist. was für ihn ohnehin das beste wäre. was meinen sie? ein spiel nach dem geschmack eines mannes von ihrem format?"
jetzt troff seine stimme vor hohn.
"wer sind sie?" die stimme des spielers zitterte, wie ein gereiztes tier stand er vor dem mann, der ruhig am boden sass und sich eine neue zigarette drehte.
"sind sie völlig pervers?"
"das könnte man so sagen, ja. und die beste perversion, die ich mir ab und zu gönne, ist ein spiel mit maximalem einsatz. sie sehen ja, dass ich noch lebe. auch ich bin ein spieler. vielleicht können sie mich ja besiegen, es wäre mir ein unerwartetes vergnügen, denn auch ich langweile mich, genauso wie sie. sie haben eine faire chance."
"eine faire chance, ja." murmelte der spieler und liess sich schwerfällig auf dem gehsteig nieder. "und wenn ich gewinne, werde ich sie - wie sie sagen - bluten lassen."
"sollten sie gewinnen, dürfen sie mich so lange quälen, bis ich um gnade bettle. dann müssen sie aufhören. aber ich werde es nicht tun. sie etwa?"
der spieler setzte sein bestes pokerface auf und meinte grosspurig:
"ich winsle nicht um gnade. nie."
"sie haben noch nie den maximalen einsatz probiert. sie würden winseln wie ein hund."
"es geht also um leben und tod."
"wenn der verlierer es so will, ja."
"wir sollten woanders spielen. man wird uns bemerken und.."
"hier kommt garantiert keiner auf die strasse, das kann ich ihnen versichern. schon gar nicht woo yong wah und seine familie. wissen sie, hier lebt ein seltsamer menschenschlag. alles menschen, die sie nicht kennen oder kennen wollen. was in der nacht draussen passiert, das soll passieren. man mischt sich prinzipiell nicht ein. sie können sich also nicht darauf verlassen, dass ihnen jemand zu hilfe kommt."
"lassen sie uns spielen."
er hatte ihn soweit. natürlich.
"wir unterschreiben unseren pakt nicht mit blut - blut wird ohnehin reichlich fliessen - sondern wir trinken darauf." er reichte dem spieler ein glas schnaps.
"primitiv wie alles, ich weiss. aber es geht nur um den einsatz und der ist weiss gott nicht primitiv". jetzt kicherte er und prostete seinem gegner zu.
"auf den schmerz. wohl bekomm's".
er kippte sein glas auf ex und grimassierte, dann kicherte er wieder.
"sie sind der teufel, oder?" was redete er da? so gar nicht er, aber es fühlte sich grandios an, dieses gefühl der vorfreude, auf....
am nächsten morgen war woo yong wah zeitig aufgestanden und schrubbte mit unbewegtem gesicht das blut vom gehsteig und von den wänden, das hochmütige blut des verlierers.
"ein gutes spiel, das spiel des meisters", murmelte er, "und so lange hat es gedauert.
viel zu stolz, um aufzuhören."
"messer hammer nägel", summte er monoton wie ein mantra und betrachtete die blutverschmierten fenster und wände seines ladens.
ein plötzliches lächeln hob seine mundwinkel.
er konnte trotz gellender schreie recht gut schlafen.
in einer anderen stadt, nicht weit von hier: ein mann sitzt auf dem gehsteig und dreht sich gerade eine zigarette. vor ihm auf dem boden verstreut liegt eine vielzahl sonderbarer dinge. der himmel ist orientalisch blau wie der samtene umhang eines jahrmarktsbudenzauberers.
in weiter ferne zerreisst der signalton eines vorüberfahrenden zuges die nächtliche stille.
er klingt wie der schrei eines gequälten tieres.
© shine2007
der himmel war samtblau wie der mantel eines orientalischen zauberers, sternenbestickt, trügerisch wie eine jahrmarktsbudenillusion, aus glitzerndem samt und silbern gesticktem sternenflor, so trügerisch, so falsch wie der gewinn eines preises in einer schiessbude, dessen talmiglanz bei tag ausbleicht wie eine verblassende erinnerung.
von ferne her klang der langgezogene signalton eines durchfahrenden zuges, unendlich einsam, er durchdrang die nacht und vergellte wie der schrei eines verwundeten tieres.
der weisshaarige mann mit dem jungen gesicht sass vor woo yong wahs laden auf dem gehsteig, lehnte den rücken an die hauswand und betrachtete die dinge, die vor ihm auf dem staubigen boden lagen. sechs würfel aus bein, ein messer, ein hammer und einige dicke rostige schusternägel. daneben eine flasche schnaps von der billigen sorte. 2 gläser.
zufrieden drehte er sich eine zigarette und wartete, während er rauchte. er würde bald kommen. der, auf den er wartete, sass gerade im casino des grand hotel beim roulette und liess sich volllaufen. aber er würde nüchtern genug sein, um mit ihm zu würfeln - er wusste, dass es so sein würde. der mann war ein spieler. er spielte immer, egal ob im casino, in hinterzimmern oder mit einem fremden auf der strasse vor dem laden eines chinesen. er, der spieler, war mondain und hatte die geschliffenen umgangsformen eines mannes von welt. bis er bekommen hatte, was er wollte. danach kam sein wirkliches gesicht zum vorschein, gelangweilt, überdrüssig, ein tier kurz vorm verrecken. er spielte neuerdings um wirklich hohen einsatz, hörte man. und trotzdem war es ihm zu wenig. er wartete ebenso wie der mann, der auf der strasse sass, auf das eine spiel, das spiel der meister.
der mann auf dem gehsteig betrachtete noch einmal die utensilien, die vor ihm lagen. nicht gerade nobel. aber darum ging es diesmal nicht. einige würfel im staub, mehr war nicht nötig, um zu spielen. er schraubte die schnapsflasche auf und füllte beide gläser eben voll bis zum rand. es konnte nicht mehr lang dauern. das casino im grand hotel musste in den nächsten minuten schliessen und sie würden herauskommen, die meisten wie müde, getretene hunde, doch er, der spieler, wie immer als gelangweilter gewinner, von allen beneidet, doch im grunde müder als die verlierer. müde bis an seine seele.
er würde am nachhauseweg genau an woo yong wahs laden vorbeikommen, vor dem er sass und ihn erwartete, mit 2 gläsern schnaps und einem würfelspiel aus bein.
es konnte so einfach sein. er lachte lautlos in sich hinein und fuhr vorsichtig mit den fingern über den hammer, der vor ihm lag. das spiel des jahrhunderts, und alles stimmte, sogar die farbe des himmels, die ihn immer zu aussergewöhnlichen taten inspirierte. ein himmel wie gemacht für liebespaare oder zwei spieler, die einander nicht aus den augen lassen, fast schon wie ein liebespaar. er kicherte und drehte sich noch eine zigarette.
endlich war es so weit. das klappern von türen, dann stimmen auf dem parkplatz vor dem grand hotel, verstärkt durch die leere strasse wie durch den trichter eines grammophons. schritte, die sich in alle richtungen entfernten, einige grussworte und flüche, dann stille. er lauschte angestrengt, unterschied die stimmen, das geräusch ihrer schritte. der spieler musste hier vorbeikommen - es sei denn, er führte sich noch ein flittchen zu gemüte. er lachte kurz auf. aber er glaubte nicht daran. jemand, der vom schlachtfeld kommt wie ein einsamer wolf würde anders handeln. er würde einsam trinken und dem mond seinen tribut verrichten, ein einsamer jäger, der ohne die klettenhafte umklammerung eines billigen weibsstücks auskam. stolz wie ein kaiser und müde wie ein bettler.
er runzelte die stirn und lauschte angestrengt in die nacht.
schwere schritte, die sich ihm näherten und gleich darauf um die ecke bogen. er setzte sich aufrecht hin und sah dem spieler entgegen.
er, der spieler, sah einen weisshaarigen mann mit unbewegtem gesicht, der ihn starr anblickte und ihm zur begrüssung leicht zulächelte. einen mann, der vor dem laden eines chinesen auf dem boden sass und selbst beinahe asiatisch wirkte, so unbewegt freundlich war seine miene. er war betrunken, doch wie durch einen schleier konnte er die dinge sehen, die vor dem mann auf dem boden lagen. er verstand ihre bedeutung nicht und schüttelte seinen kopf wie einer, der gerade eine vision vertreiben wollte. der mann nickte ihm zu und deutete auf etwas, das auf dem boden lag und wie ein würfelspiel aussah. der spieler begann betrunken zu lachen. aber trotz seiner momentanen verfassung, die sein bewusstsein trübte, fühlte er, dass irgendetwas nicht stimmen konnte. auf seinem rücken wuchs eine gänsehaut, als er den mann am boden ansah.
der mann sah dem spieler emotionslos entgegen und fühlte seine schwäche wie das zittern eines opfertiers. bald würde schmerz dazukommen, immenser schmerz. er neigte den kopf vor ihm zur begrüssung und bedeutete ihm mit einer handbewegung, ihm gegenüber auf dem gehsteig platz zu nehmen.
"sie sind einem kleinen spielchen sicher nicht abgeneigt? ein spiel mit würfeln - vielleicht zu primitiv für sie? aber vielleicht interessiert sie ja der einsatz."
der spieler kam näher heran und betrachtete das würfelspiel und den mann, der ihm mit desinteressierter freundlichkeit entgegensah.
"geld? sie können nicht mithalten", meinte er und wollte weitergehen, doch der blick des mannes bannte ihn wie ein hypnotisiertes kaninchen auf dem fleck. er sah etwas in den augen, das er instinktiv fürchtete, doch es war ein eigenartig angenehmes gefühl. gefahr. er fühlte zum ersten mal seit jahren, dass er angst hatte. so grosse angst, dass er am liebsten um hilfe gebrüllt hätte, und doch tat er es nicht. es war pervers - er hatte spass daran, an dieser situation, mitten in der nacht vor dem laden eines alten chinesen.
"wie hoch ist der einsatz?", fragte er und er wusste es nicht, aber er hing schon rettungslos an der angel seines gegenübers.
der lächelte und meinte leichthin, als würde er etwas völlig belangloses sagen: "wer verliert, wird bluten. erst wenig, dann mit fortschreitendem spiel immer mehr. wir spielen so lange, bis der gegner entweder um gnade bettelt oder tot ist. was für ihn ohnehin das beste wäre. was meinen sie? ein spiel nach dem geschmack eines mannes von ihrem format?"
jetzt troff seine stimme vor hohn.
"wer sind sie?" die stimme des spielers zitterte, wie ein gereiztes tier stand er vor dem mann, der ruhig am boden sass und sich eine neue zigarette drehte.
"sind sie völlig pervers?"
"das könnte man so sagen, ja. und die beste perversion, die ich mir ab und zu gönne, ist ein spiel mit maximalem einsatz. sie sehen ja, dass ich noch lebe. auch ich bin ein spieler. vielleicht können sie mich ja besiegen, es wäre mir ein unerwartetes vergnügen, denn auch ich langweile mich, genauso wie sie. sie haben eine faire chance."
"eine faire chance, ja." murmelte der spieler und liess sich schwerfällig auf dem gehsteig nieder. "und wenn ich gewinne, werde ich sie - wie sie sagen - bluten lassen."
"sollten sie gewinnen, dürfen sie mich so lange quälen, bis ich um gnade bettle. dann müssen sie aufhören. aber ich werde es nicht tun. sie etwa?"
der spieler setzte sein bestes pokerface auf und meinte grosspurig:
"ich winsle nicht um gnade. nie."
"sie haben noch nie den maximalen einsatz probiert. sie würden winseln wie ein hund."
"es geht also um leben und tod."
"wenn der verlierer es so will, ja."
"wir sollten woanders spielen. man wird uns bemerken und.."
"hier kommt garantiert keiner auf die strasse, das kann ich ihnen versichern. schon gar nicht woo yong wah und seine familie. wissen sie, hier lebt ein seltsamer menschenschlag. alles menschen, die sie nicht kennen oder kennen wollen. was in der nacht draussen passiert, das soll passieren. man mischt sich prinzipiell nicht ein. sie können sich also nicht darauf verlassen, dass ihnen jemand zu hilfe kommt."
"lassen sie uns spielen."
er hatte ihn soweit. natürlich.
"wir unterschreiben unseren pakt nicht mit blut - blut wird ohnehin reichlich fliessen - sondern wir trinken darauf." er reichte dem spieler ein glas schnaps.
"primitiv wie alles, ich weiss. aber es geht nur um den einsatz und der ist weiss gott nicht primitiv". jetzt kicherte er und prostete seinem gegner zu.
"auf den schmerz. wohl bekomm's".
er kippte sein glas auf ex und grimassierte, dann kicherte er wieder.
"sie sind der teufel, oder?" was redete er da? so gar nicht er, aber es fühlte sich grandios an, dieses gefühl der vorfreude, auf....
am nächsten morgen war woo yong wah zeitig aufgestanden und schrubbte mit unbewegtem gesicht das blut vom gehsteig und von den wänden, das hochmütige blut des verlierers.
"ein gutes spiel, das spiel des meisters", murmelte er, "und so lange hat es gedauert.
viel zu stolz, um aufzuhören."
"messer hammer nägel", summte er monoton wie ein mantra und betrachtete die blutverschmierten fenster und wände seines ladens.
ein plötzliches lächeln hob seine mundwinkel.
er konnte trotz gellender schreie recht gut schlafen.
in einer anderen stadt, nicht weit von hier: ein mann sitzt auf dem gehsteig und dreht sich gerade eine zigarette. vor ihm auf dem boden verstreut liegt eine vielzahl sonderbarer dinge. der himmel ist orientalisch blau wie der samtene umhang eines jahrmarktsbudenzauberers.
in weiter ferne zerreisst der signalton eines vorüberfahrenden zuges die nächtliche stille.
er klingt wie der schrei eines gequälten tieres.
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through dreadful eyes
8.12.17
wir sind hier zuhause. alles andere tötet uns
sehr dramatischer titel heute wieder mal. aber ich meine es so, wie ich es sage.
irgendwann im leben beginnt man, sich mit anderen zu vergleichen, ob man will oder nicht. es passiert dir einfach, und du bemerkst es zuerst auch nicht. dürfte eine unterbewusste sache sein, oder du bist das opfer einer programmierung. einer manipulierung deiner gefühle. du bemerkst, dass du untergehst in ihrer grossen, bunten prallen, lauten welt. dann wirst du eine zeitlang mithalten wollen, bemerkst, dass du das auch wieder nicht kannst, weil du doch noch dieses sonderbare individuum geblieben bist. irgendwie bist du ja doch noch da. anpassen geht also nicht - sie würden es sowieso bemerken und dich gerade mal dulden. - wenn du ganz viel glück hast und eventuell auch optisch ein bisschen hinkommst und irgendwie verwertbar bist *hechel* (oder wenn du bei deiner optik ein bisschen nachhilfst und sie quasi übers ohr haust und blendest... das soll ja ziemlich leicht sein) - ernst genommen wirst du samt und sonders eh nicht. man sollte mal überlegen, ob das dort, wo du gerade gelandet bist, nicht sowieso die grundeinstellung ist - ernst genommen wird prinzipiell keiner, aber man redet pausenlos über sich selbst, missbraucht die anderen als zuhörer und spiegel, in die man permanent reinglotzen kann - wer nimmt den anderen schon richtig wahr? seine gefühle, die feineinstellung? man sucht und findet in den anderen followers, die alles liken, was man an gedanklichen blähungen ins netz ablässt. hm. warum zum geier du dort gelandet bist -- aber ich glaube, jeder landet irgendwann mal dort -- es wird zeit, dass du deinen abgang vorbereitetst, und wenn du damit deine probleme hast, sieht man, wie weit du schon im sumpf steckst. es sei denn natürlich, du fühlst dich dort wohl und bist der meinung, dass du dich dort gefunden hast und dass nichts mehr zu erforschen ist. dass eh alles irgendwie passt. dass eh alle irgendwie ok sind. dass du vielleicht nur lauter und praller sein musst, damit du dich dann irgendwann auf die spitze dieses sonderbaren aufgeblähten konstrukts schwingen kannst wie die pervertierte virtuelle form von reinhold messner, der einen berg aus sch**** bezwingt und warum das ganze??
WEIL ER DA IST
so sagte messner mal über einen seiner 80.000er. ich habe diesen berg gesehen und er stand in meinem weg, also habe ich ihn erklommen, die sau, und jetzt ist ruhe und ich kann zufrieden weiterleben, ohne mich vor einen güterzug schmeissen zu müssen.
wir sind alle so. das dürfen wir nicht vergessen. und unser berg steht im netz. quasi.
ich weiss, dass dieser text von anfang an entgleist ist und mit der bezwingung des 80.000er seinen grässlichen höhepunkt erleben musste und es tut mir von herzen leid. eigentlich wollte ich nur sagen, dass man eventuell versuchen könnte, man selbst zu bleiben, auch wenn alles andere da draussen absolut anders ist. wenn man es nicht schafft, wird man aufgesaugt, aufgebraucht, verwertet und weggeschmissen (was dann noch übrig ist). man soll sich einfach nur bemühen, so wenig wie möglich verwertbar zu sein. heute ist ein christlicher feiertag, wieder mal keine verdammte ahnung, welcher, und ich werde einfach weiter kaffee trinken und mir überlegen, was ich im sogenannten real life heute anstellen kann. wahrscheinlich wird es in der erledigung des haushalts gipfeln. wie so oft. macht es gut da draussen, wer auch immer ihr seid.
irgendwann im leben beginnt man, sich mit anderen zu vergleichen, ob man will oder nicht. es passiert dir einfach, und du bemerkst es zuerst auch nicht. dürfte eine unterbewusste sache sein, oder du bist das opfer einer programmierung. einer manipulierung deiner gefühle. du bemerkst, dass du untergehst in ihrer grossen, bunten prallen, lauten welt. dann wirst du eine zeitlang mithalten wollen, bemerkst, dass du das auch wieder nicht kannst, weil du doch noch dieses sonderbare individuum geblieben bist. irgendwie bist du ja doch noch da. anpassen geht also nicht - sie würden es sowieso bemerken und dich gerade mal dulden. - wenn du ganz viel glück hast und eventuell auch optisch ein bisschen hinkommst und irgendwie verwertbar bist *hechel* (oder wenn du bei deiner optik ein bisschen nachhilfst und sie quasi übers ohr haust und blendest... das soll ja ziemlich leicht sein) - ernst genommen wirst du samt und sonders eh nicht. man sollte mal überlegen, ob das dort, wo du gerade gelandet bist, nicht sowieso die grundeinstellung ist - ernst genommen wird prinzipiell keiner, aber man redet pausenlos über sich selbst, missbraucht die anderen als zuhörer und spiegel, in die man permanent reinglotzen kann - wer nimmt den anderen schon richtig wahr? seine gefühle, die feineinstellung? man sucht und findet in den anderen followers, die alles liken, was man an gedanklichen blähungen ins netz ablässt. hm. warum zum geier du dort gelandet bist -- aber ich glaube, jeder landet irgendwann mal dort -- es wird zeit, dass du deinen abgang vorbereitetst, und wenn du damit deine probleme hast, sieht man, wie weit du schon im sumpf steckst. es sei denn natürlich, du fühlst dich dort wohl und bist der meinung, dass du dich dort gefunden hast und dass nichts mehr zu erforschen ist. dass eh alles irgendwie passt. dass eh alle irgendwie ok sind. dass du vielleicht nur lauter und praller sein musst, damit du dich dann irgendwann auf die spitze dieses sonderbaren aufgeblähten konstrukts schwingen kannst wie die pervertierte virtuelle form von reinhold messner, der einen berg aus sch**** bezwingt und warum das ganze??
WEIL ER DA IST
so sagte messner mal über einen seiner 80.000er. ich habe diesen berg gesehen und er stand in meinem weg, also habe ich ihn erklommen, die sau, und jetzt ist ruhe und ich kann zufrieden weiterleben, ohne mich vor einen güterzug schmeissen zu müssen.
wir sind alle so. das dürfen wir nicht vergessen. und unser berg steht im netz. quasi.
ich weiss, dass dieser text von anfang an entgleist ist und mit der bezwingung des 80.000er seinen grässlichen höhepunkt erleben musste und es tut mir von herzen leid. eigentlich wollte ich nur sagen, dass man eventuell versuchen könnte, man selbst zu bleiben, auch wenn alles andere da draussen absolut anders ist. wenn man es nicht schafft, wird man aufgesaugt, aufgebraucht, verwertet und weggeschmissen (was dann noch übrig ist). man soll sich einfach nur bemühen, so wenig wie möglich verwertbar zu sein. heute ist ein christlicher feiertag, wieder mal keine verdammte ahnung, welcher, und ich werde einfach weiter kaffee trinken und mir überlegen, was ich im sogenannten real life heute anstellen kann. wahrscheinlich wird es in der erledigung des haushalts gipfeln. wie so oft. macht es gut da draussen, wer auch immer ihr seid.
loveletter
eine leere southern comfort-flasche - beinahe hätte er sie weggeworfen, doch da sieht er einen zusammengerollten zettel, der in der flasche steckt, anscheinend eine botschaft oder ein brief. so wie diese botschaften, die schiffbrüchige in flaschen stecken, die sie dann in den ozean werfen, für irgendjemand, der dann kommen wird, um sie zu retten. ganz sicher wird er kommen, der retter, irgendwann. nach vielen jahren des wartens.
shine zündet sich eine myrrhezigarette an, die erste des tages - ein bisschen zu früh für myrrhe, aber ihm ist gerade extrem danach. er breitet den zettel vor sich auf dem tresen aus, streicht liebevoll darüber, um ihn zu glätten. es ist seine eigene schrift. geschrieben in einer nacht vor vielen, vielen jahren. er hatte damals mit den anderen die flasche southern comfort gekillt und später, als alle gegangen waren und er zu vorgerückter stunde in seiner nische am fenster gesessen war, beinahe wie im traum diese zeilen geschrieben, das stück papier in der flasche verborgen und die flasche zurück ins regal gestellt
sehr sehr dunkel. die tausendste zigarette des tages. drift-off. koffein genügend für eine ganze woche innerhalb einer halben stunde eingeworfen. noch immer nicht genug, noch immer schläfrig, etwas anderes muss her. ein gedanke, der lebendig ist. oder tot. was dasselbe ist. etwas wahrhaftes, etwas direkt aus der seele. der erste gedanke, der jetzt gedacht wird, wird zu einer neuen geschichte führen.
loveletter
loveletter an eine bar, die es nur im virtuellen raum gibt. geschrieben auf blassviolettem virtuellem papier, am rand verziert mit weissen feinen blüten und schneesternen. der winter kommt
und niemand wird frieren. weil alle schon erfroren sind...so scheint es. erfroren am eigenen feuer. trotzdem gibt es einen liebesbrief aus der kälte. erwacht, um der bar zu sagen, wie ich sie liebe, wie ich die cocktails liebe, die auf der theke funkeln..one to make u happy, one to make u mad...u remember?
ich wünschte mir einen klaren sonntagmorgen und etwas heiliges im wind. ich wünschte mir eine fahle wintersonne und die ersten schneeflocken in der luft. ich wünschte mir eine feder aus reinem silber und ein lauteres herz. um die worte zu finden, um sie niederzuschreiben
einen songtext, ein liebeslied, sphärenmelodie
ein lied an die sterne
ein lied für eine bar
die es nur im virtuellen raum gibt
auf das niemandsland, den heiligen boden, auf die compadres und ihre geschichten, die worte, die seit jahren hier niedergeschrieben wurden
der monolog der bar darf nie unterbrochen werden
ohne unterlass
webend, bauend, zerstörend, weiterbauend
und niemals niemals wird es enden
niemals wird es enden
niemals
der erste gedanke führt zu einer neuen geschichte...
3.12.17
arch reopening
und endlich ... ist es soweit.
die archangel bar ist wieder in betrieb, es wird schon geredet und das feeling beginnt sich wieder zu manifestieren. nach so vielen jahren geht die geschichte weiter. so wie es sein soll.
ARCHANGEL BAR
und nichts wird so sein wie früher, wisperte die stimme aus den schatten, nichts, und deine augen, sie werden die welt sehen wie einen bunten strom aus bildern, die rücklichter auf einer nächtlichen autobahn, rote, gelbe, leuchtende punkte, die kurz aus der dunkelheit auftauchen und wieder verschwinden, als wären sie nie dagewesen, in der vergessenheit verschwinden, all die schönen leuchtkäfer. wie sie durch die nacht driften, die leuchtenden punkte, dein LSD-neontrip, in dem du gefangen bist und shine du kommst auf horror
knochenweissen horror
we are driving on a highway and oh god you are driving too fast
nothing to hold on
but this moment
this moment itself
2.12.17
die auffahrt zum highway
vielleicht war es gar nicht mehr möglich, anders zu leben. oder vielleicht fehlte auch der wille dazu, sich wieder und wieder zu verformen, bis endlich alles passte. bis man "genehm" war, dazugehören durfte. für immer glücklich mit ihnen abhängen durfte, friede, freude, eierschmarrn. lieber ein gediegener kopfschuss oder die liebevolle umarmung eines güterzugs. lieber das.
nur nicht das andere. nur das nicht.
das netz war einsam geworden. es gab nichts mehr, nur den willen, irgendetwas zu machen, was.. ja, was anders war. weg von den grellen lichtern. weg von den sammelplätzen der sogenannten zivilisation bzw. dem was davon übrig blieb.
rauf auf den alten, ururalten highway. mit blue silver unter dem hintern, der schönsten karre, die er kannte. vor diesem moment hatte er sich jahrelang gefürchtet. dass er die auffahrt zum highway nicht mehr finden konnte, oder dass er zu alt, zu müde oder sonstwie unfähig georden wäre, sich mental soweit in bewegung zu setzen, dass dieser kleine, schwerste schritt funktionierte.
blue silver wartete vor seinem haus.
im nächsten augenblick war er schon auf dem highway. es war wie immer. er hatte gedacht, dass alles anders wäre, dass dieser verlust, den er empfand, ihn weiterhin bedrücken würde. der verlust von menschen, die er vor langer zeit sehr geliebt hatte, aber er fühlte sich besser, er fühlte sich endlich befreit. er wollte um seiner selbst geliebt werden, nicht wegen der lügen, die er erzählen musste, damit sie bei ihm blieben. nicht wegen der sicke, die tag für tag aus seinem gequälten gehirn quoll wie gift. er wollte, dass man ihn akzeptierte. ganz einfach nur das. manchen leuten gelingt es einfach nicht. dann soll es auch so sein. sie sind woanders glücklicher. er war vor allem glücklicher. befreit von der müdigkeit von vielen jahren der traurigkeit.
und da war der highway. er hatte ihn jahrelang nicht mehr gesehen.
es war so, als würde er zum ersten mal den ozean sehen. berührend. gigantisch und weit. so traumhaft schön. blue silver, sagte er, bring mich heim.
und die worte, nach denen er jahrelang vergeblich gesucht hatte, kamen zurück zu ihm.
die träume folgten.
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lost highway
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